Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Worüber man nicht spricht

4 Kommentare

Ich habe eine Lokalspitze über Haare geschrieben. Genauer: Warum gehen Männer eher ungerne zum Friseur. Ich habe den genauen Wortlaut nicht mehr im Kopf, doch steht da so etwas wie: „Bei Männern dreht sich haartechnisch ohnehin alles nur um zwei Fragen: „Fünf oder sechs Milimeter?“ und „Wie lange habe ich meine Haare überhaupt noch?““ Das fand ein Kollege gar nicht witzig. Wie eine Schildkröte zischte er mir zu: „Man spricht nicht über Haare!“

Nun, da scheint er einem Missverständis aufgesessen zu sein. Ganze Filme drehen sich darum, wie College-Jungs auf einer Reise durch die USA Toast essen, das mit Schamhaaren bedeckt ist. In South-Park kommt es gar zu einem Doppelmord und anschliessendem Chili-Fest, als Scott Tenormann Eric Cartmann Schamhaare verkauft. Spricht man also über Schamhaare, aber nicht über Kopfhaare?

Ich versuchte auf jeden Fall meinen Kollegen zu beschwichtigen. „Wenige Haare sind doch irgendwie süß“, sagte ich. Ein plumper Versuch, dumm dazu: „Männer sind nicht süß“, kam es jammernd aus dem Telefonhörer. Nein, Männer sind nicht süß. Wie konnte ich es nur vergessen. Männer haben Haare und sind nicht süß. Auf die Stirn sollte jede Frau sich diese Wichtigkeiten tackern. Da könnten wir sie nur nicht lesen, wohl aber die Männer – zur Bestätigung ihrer selbst.

Dabei sind Haare ein wichtiges Thema in unserer Gesellschaft. Oder anders: Wo Haare hingehören und wo sie nicht hingehören – das ist das Thema. Gerade ahne ich, dass ich schon einmal über Haare geschrieben habe. Hier, vor Jahren. Es gab einen Aufschrei wegen meiner Forderung, die Achselhaare bei jedem Menschenwesen zu entfernen.

Aber es soll um Kopfhaare gehen. Kommen wir also wieder zum Punkt, oder: zur Haarwurzel. Der Wurzel allen Übels vielleicht sogar. Denn seit ich bei einigen Freunden festgestellt habe, dass ihr Haar am Hinterkopf lichter wird – da kommt es zu schwierigen Diskussionen. „Das Licht fällt nur komisch auf meinen Hinterkopf“ heißt es dann, oder „Da hat sich in den letzten Wochen so ein fieser Wirbel gebildet“. Eine Glatze will keiner der Männer bekommen, selbst Geheimratsecken sind irgendwie nicht en vogue.

Dabei habe ich sogar eine Schwäche für Geheimratsecken. Das sagte ich auch dem Kollegen: „Das macht Männer so reif“, sagte ich: „Da fühlt man sich als Frau so beschützt.“ Wieder kam jammernd eine Stimme aus dem Telefonhörer: „Ich bin ahaaaalt“. „Nein“, beeilte ich mich zu sagen: „Nicht alt, reif“. Aber es war nur noch eine Mischung aus Schnauben und Seufzen zu hören. Ich hatte einen Gesprächspartner verloren – der Kollege scheinbar gerade ein Haar.

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4 Kommentare zu “Worüber man nicht spricht

  1. „Bei Männern dreht sich haartechnisch ohnehin alles nur um zwei Fragen: „Fünf oder sechs Milimeter?“

    Du solltest mal deinen Bekanntenkreis überarbeiten!

  2. Männer und ihre Haare…
    Die Freundin meines Bruders und ich mussten uns zuletzt fast einen ganzen Abend die Haar-Probleme unserer Herren anhören.
    Der eine hatte eine kahle Stelle an der Seite – natürlich nur vom beruflichen Stress, die geht bald wieder weg… 😉
    Und der andere jammerte über diese ungeliebten Geheimratsecken…

    Ich will gar nicht wissen was passiert, wenn einer der beiden – oder womöglich sogar noch beide – irgendwann gegen großflächigen Haarausfall kämpfen… 😉

  3. Dabei stehen doch ausfallende Haare für Männlichkeit… Denn was ist schuld an Glatzen? Zu viel Testosteron!

    Ist jedenfalls das Argument, das ich immer zu hören kriege, wenn ich mich überdie männliche Haarbesessenheit lustig mache 😉

  4. Heute fällt mir spontan bei diesem Titel, das Lied von M.A. Numminen (Text nach Wittgenstein) ein, mit dem wunderbaren Text „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Ich korrigier dann mal weiter… 😉
    Schöne Grüße

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