Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Basis 1: Freude

4 Kommentare

Es gibt Menschen, die sehen alles negativ, nein: sie sind destruktiv. Nun, ich bin selber sicherlich nicht der frohsinnigste und positivste Mensch der Welt (dafür habe ich mein dynamisches Uno am Niederrhein), aber eine Basis ist doch da. Ich kann mich freuen. Meistens eher über kleine Dinge. Für einige vielleicht lächerlich, für mich der Grund, morgens aufzustehen. Aber ich es gibt viele, die freuen sich über nichts. Die finden immer das gekräuselte Haar in der Suppe, die Regenschleierwolke am Sonnenhimmel. Ihre Gegenwart ist wie ein schwarzes Loch, das jedes Glück und jede kleine Freude aufsaugt. Dabei ist „Freude“ so schön – alleine sie macht schon Freude!

Gestern zum Beispiel bin ich vor Freude beinahe eskaliert. Zehn Minuten konnte ich nicht aufhören, zu grinsen. Der Bäcker bei der Arbeit um die Ecke hatte nämlich nie Camembert. Dabei finde ich Roggenbrötchen mit Camembert und Gurke total lecker. Und weil der alte Bäcker insolvent ist (hätten sie man Brötchen mit Camembert im Angebot gehabt!), gibt es da nun einen anderen Bäcker. Und was soll ich sagen: Roggenbrötchen mit Camembert und Gurke vervollständigen nun meine Mittagspause. Es ist toll. Ich freue mich darüber. Gestern freute ich mich – und heute auch noch einmal.

Nun. Es bedeutet nicht den Weltfrieden, nicht im geringsten. Aber wenn ich mich nicht über ein gutes Käsebrötchen freuen kann – worüber dann? Essen macht häufig glücklich, aber es gibt auch noch so viele andere Dinge. Bei Sonnenschein nach Feierabend mit Norah Jones im CD-Spieler nach Hause fahren; durch den Schnee stapfen und Damien Rice hören; bei Sturm aufs Meer sehen; im Bett liegen, wenn der Regen gegen das Fenster peitscht; mit der kleinen, vierjährigen Großcousine über die Wunder der Welt reden.

Was machen diese Menschen, die sich nie freuen? Es ist ja auch meistens nicht nur ein Grummeln, das sie von sich geben. Sie sagen „scheiße“, „ätzend“ und finden ohnehin alles blöd. Der Bekannte hat einmal schlecht irgendwo gegessen, eine halbe Ewigkeit war er deshalb am schimpfen. Nicht auf eine „Es hat nicht geschmeckt“-Art. Auf eine „die ganze Welt hat sich gegen mich verschworen und mir fettige Mozzarella-Sticks serviert“-Art.

Wie ich erwähnte: Oft bin ich auch negativ. Ich sehe die Nachrichten und frage mich, in was für einer Welt ich lebe. Kinder sterben an Hunger, Durst und Krankheiten, Menschen bekriegen sich so sehr, dass sie nicht einmal mehr den Grund kennen und mitten im Ozean schwimmen diverse Strudel aus Plastikmüll – Müll, der die leeren Mägen von Tieren füllt – die dann mit vollem Magen verhungern. Weil Plastik kein Essen ist. Aber wie soll ich daran glauben, dass irgendwann – wenn wir alle sicherlich nicht mehr leben – die Welt eine bessere ist, wenn ich immer destruktiv durch die Gegend laufe? Woher soll ich die Kraft nehmen, zumindest im Kleinen die Welt zu verbessern, wenn mich selbst nichts zum Lächeln bringt, Freude ein Fremdwort ist?

Wofür steht man auf, wenn man nichts hat, worauf oder worüber man sich freut? Ich hatte das Thema schon einmal. Stichwort: Brennen.

In letzter Zeit frage ich mich das häufig. Denn machen wir uns nichts vor: 2011 wird ein aufregendes Jahr, vielleicht angsteinflössend. Aber wenn ich mich nicht mehr auf das Spielen mit den Katzen, den Milchkaffee mit Freunden und eine Fahrt in Richtung Freundschaft freuen würde – was hätte ich dann noch? Ungewissheit, Stress, bald die „3“ vorne und ständige Magenschmerzen, Herzschmerzen und ein kaputtes Abblendlicht am Auto.

Die Freude an den kleinen Dingen macht das Leben leicht. Lässt einen doch besser durch harte Termine, nervige Behördengänge und schmerzhafte Arztbesuche kommen.

Das schlimme daran ist: die destruktiven wollen jede Freude klein reden. „Und über so etwas muss man sich so freuen?“ fragen sie dann, ziehen die Augenbrauen hoch und sehen einen abfällig an. Man sollte sie ansehen, lange, intensiv und dann sagen: „Ja.“

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4 Kommentare zu “Basis 1: Freude

  1. Ich hab mich heute über dein Bild gefreut. Auch wenn der Tag heute sonst eher freudlos war und deine Malkünste nicht die Größten sind 😉

  2. deswegen hab ich ja heut nen muffin verschenkt :o)

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