Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Was Mütter alles wissen

5 Kommentare

Gestern, ich kam von einem kräftezehrenden Wochenenddienst nach Hause, sah ich in meinen Kühlschrank nach etwas, das das Loch in meinem Magen zu füllen vermochte. Es ist ein gemeines Gefühl. Dieses „Ich habe Hunger, aber ich kann einfach nicht mehr kochen“. Manchmal denke ich so lange über das Essen nach (weil ich ja solch einen Hunger habe) bis ich keinen Hunger mehr habe – und mir nur noch schlecht ist. Aber Muttern hat mir schon früh beigebracht, dass man immer Antipasti im Kühlschrank haben sollte. Die sind mal scharf, mal nicht so scharf – aber immer salzig. Und das beste: man muss sie nicht kochen.

Deswegen musste ich gestern auch nicht hungernd und schlecht gelaunt ins Bett gehen. Das habe ich Muttern zu verdanken. Ganz hinten in meinem Kühlschrank waren die mit Schafskäse gefüllten Peperoni. Natürlich: Sie waren nicht so toll wie vom Türken des Vertrauens. Aber sie taten ihren Zweck: Sie waren salzig und cremig, scharf und lecker – und füllten meinen Magen (dass es völlig bescheuert ist, um 23 Uhr zehn eingelegte und scharfe Peperoni zu essen, ist klar).

Mütter wissen ohnehin viel. Im Teenager-Alter wollte man all die Weisheiten nicht annehmen. Rebellion nannte sich das damals. Heute würde ich es Dummheit nennen. Wie viele bittere Erfahrungen man sich hätte sparen können, wenn man einmal mehr auf Muttern gehört hätte! Natürlich nervten sie auch gerne mal mit ihrer Übervorsicht. „Ist kalt, Kind. Zieh ein Unterhemd an.“ Ein Unterhemd! Mit 16 Jahren das schlimmste, was man so anziehen kann. Bauchfrei, tief ausgeschnitten – auch bei arktischen Temperaturen – das war die Devise. Heute gehe ich ohne ein Unterhemd nicht mehr aus dem Haus; und ich stopfe es sogar in die Hose. Sicher ist sicher, warme Niere ist warme Niere.

Es gibt eine Folge von „How i met your mother“, da geht es um einen Auspruch von Teds Mutter: „Alles, was nach zwei Uhr nachts passiert – ist Mist“. Oder so ähnlich. Auf jeden Fall meint sie, man sollte nach zwei Uhr in der Früh nicht mehr das Haus verlassen – und wenn man unterwegs ist: schnell ins Bett gehen. Klingt widersinnig. Aber an viele nächtliche Streitereien ich mich erinnern kann! Um halb vier, müde, angetrunken… Furchtbar. Hätte man auch am nächsten Morgen klären können, mit klarem Kopf (weshalb man etwas ja auch „klärt“ und nicht „besoffen kaputt macht“). Meine Mutter hat so etwas ähnliches auch mal gesagt. Da muss also was dran sein.

Meine Mutter hat auch mal gesagt: Wenn Du wegen einem Mann mehr als eine Nacht weinen musst – dann taugt der nix. Daran habe ich mich gehalten. Gut, ich bin 29 Jahre alt und Single. Aber der richtige Mann kommt schon noch, und dann brauche ich keine zehn Packungen Taschentücher. Oder ich werfe diese Theorie doch über Kopp. Sagen wir mal so: Sie ist noch auf dem Prüfstand. In ein paar Jahren kommt dann das Ergebnis.

Es fällt schwer, zuzugeben, dass Muttern eben manchmal doch recht hat. Schliesslich gibt es im Leben der Mutter so viele Dinge, die man nie machen möchte – weshalb man viele Ratschläge aus Prinzip einfach nicht annehmen kann. Aber das Unterhemd, die Antipasti: Tipps fürs Leben. Aber was ich nie verstehen werde: Warum hat sie sich in den 80ern eine Dauerwelle machen lassen? Sollte sie mir irgendwann mal raten, meine Haare durch Chemie in eine merkwürdige Form zu bringen – ich werde ihr einen Vogel zeigen, mein Unterhemd weiter in die Hose stopfen, nach Hause gehen und Antipasti essen. Jawohl.

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5 Kommentare zu “Was Mütter alles wissen

  1. das mit der dauerwelle wird sie dir bestimmt nicht empfehlen, denn: aus fehlern lernen kluge mütter, sonst wären sie keine solchen!

  2. Das Unterhemd ist wirklich ein Phänomen. So unfassbar schrecklich abwegig ich das früher fand, eins anzuziehen, so unfassbar schrecklich abwegig ist es jetzt tatsächlcih, ohne eins aus dem Haus zu gehen, wenn es kalt ist. Kurios. Aber das mit dem Mann kann ich so nicht bestätigen. Manchmal lohnt es sich doch 😉

  3. Ich habe ebenso gerade kapituliert angesichts der Tiefsttemperaturen der letzten Wochen und mir eine lange Leggins aus Angora gekauft. Da ich ein paar Tage älter bin als Sie, bin ich nun in dem Stadium angekommen, in dem ich sogar die Ratschläge meiner Oma befolge: „Kind, halt dich untenrum warm.“

    Man könnte die Leggins auch „lange Unterhose“ nennen, aber dabei würde ich mich definitiv zu altmodisch finden. Sie ist sogar von der gleichen Firma aus dem Sanitätshaus, die ich schon früher mit leichtem Grusel in den Schaufenstern gesehen habe. Natürlich sind meine Leggins nicht in schweinerosa, aka fleischfarben, sondern in schwarz. Es gibt schließlich Grenzen! Aber ich habe sehr an meine Oma Oege gedacht, als ich munter vernünftig wurde …

  4. Ach ja, und den Tipp von Ihrer Mutter mit den Antipasti, den werde ich sofort umsetzen. Das ist ideal für den Pendler-Kühlschrank, da bin ich gar nicht drauf gekommen. Beste Grüße an Ihre lebenskluge Frau Mama!

    • einen „guten appetit“ kann man da nur wünschen… und die langen unterhosen – bei uns „laang hini“ genannt – die habe ich auch. lieber alles warm haben und nicht gut aussehen, als zu frieren..

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