Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Mit Mohn zwischen den Zähnen ins Unglück

8 Kommentare

Der Kollege ist seit einiger Zeit wieder Single. Jetzt ist aber Zeit – so sagt er – wieder mit nur einem Menschen „Schwienkram“ (sprich: schwiieenkraum) zu machen. Und er hatte sogar eine ganz „Süße“ gefunden, wie er meinte. Doch nach zwei Dates meldete sie sich einfach nicht mehr. Ein drittes Date verschob sie mit fadenscheinigen Ausreden, bis sie zu ihm sagte: „Wir sollten uns nicht mehr sehen.“ Der Kollege stand da, wie eine Kuh vorm rutschigen Deich. Zwischen Artikel und Mittagspause sprachen wir heute darüber.

Das sind diese Momente im Leben, die kann man bewusstlos bis tot denken. Warum? Wann? Weshalb? Wo? Und: Hääääh? Er ist sich keines Momentes bewusst, an dem es irgendwie nicht mehr lief, hat nicht gemerkt, dass sie – ganz plötzlich – doch „kien schwienkram“ mehr mit ihm machen wollte. Dabei hatte sie sich wohl nicht unwillig gezeigt. Der Kollege ist ein charmanter junger Mann.

Die Gedanken gehen dann von „Ich hatte bestimmt Mohnkrümel zwischen den Zähnen und nun findet er/sie mich ekelig“ bis zu „Mir hing ein dicker grüner Popel aus der Nase und nun findet er/sie mich mehr als ekelig“. Dass man sich erst einmal überlegt, ob nicht einfach die Schuld am Gegenüber liegt – eher unwahrscheinlich.

Und es gibt ja so viele Momente während eines Dates, bei denen es daneben gehen kann. Da muss gar kein Mohnkrümel oder sonstiges dazwischen kommen.

Eine furchtbare Situation ist ja oftmals das Bezahlen. Damals, in den Zeiten als Frauen noch Petticoats trugen und Männer den Damen die Tür aufhielten, zahlten die Männer. In das kleine Handtäschchen der Frauen passte ja auch gar kein Portemonnaie, nur Puder und ein Lippenstift. Auch ein Hausschlüssel war nicht dabei – Der Herr Papa wartete zuhause, am Fenster stehend, die Gardine beiseite geschoben und den Blick stundenlang auf die Straße geheftet.

Heute warten Väter nicht mehr. Die Handtasche ist ohnehin groß genug. Da passt neben dem Schlüssel auch das Portemonnaie rein. Mindestens. Deswegen gibt es am Ende, wenn das Essen oder der Kaffee bezahlt werden soll, diesen kurzen Moment. Der Moment, nachdem die Kellnerin/der Kellner gefragt hat: „Zusammen oder getrennt?“ Natürlich wollen beide selber bezahlen, aber ganz kurz, kaum einen Wimpernschlag lang, überlegt man sich, was jetzt passiert, wenn er – ganz Gentleman – doch bezahlen möchte. Dieses „Ich lade Dich ein“, „Ach, musst Du nicht“ „Doch“ – das will man verhindern. Wirkt vor dem Kellner auch so unkoordiniert. Da kann einiges zu schief gehen. Das „Ich lade Dich ein“, das „Getrennt“ kann zu schnell, zu langsam, zu hastig kommen. Und dann unsouverän wirken. Schwierig.

Und es gibt noch so viele andere Dinge: Da kann man zu laut reden (da reicht ja oftmals eine Stirnhöhlenentzündung, man hört seine eigene Stimme nicht und – zu laut), eine Meinung äußern, die der andere total abwegig und vielleicht sogar dümmlich findet, sich beim Essen daneben benehmen – und schwupps ist es vorbei mit „schwienkram„.

Was es nun gewesen ist. Der Kollege hat keine Ahnung. Heute Mittag beim Essen hat er nicht geschmatzt, ihm ist nichts aus dem Mund gefallen. Vielleicht ist die Lösung ja auch ganz einfach: Sie hat eine Meise. Punkt.

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8 Kommentare zu “Mit Mohn zwischen den Zähnen ins Unglück

  1. Vielleicht fand sie es auch suboptimal, dass ein erwachsener Mann Sex als „Schwienkram“ bezeichnet. Mich würde das ja abturnen; hat was sehr verklemmtes, der Ausdruck.

  2. Also ich finde, Männer können auch heutzutage (so ein seltsam aussehendes Wort) noch die Türen aufhalten.

  3. Also es soll ja Männer geben, die das auch zu der entsprechenden Dame sagen..

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