Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Ohne Krimi geht die Ulle nicht in Bett

6 Kommentare

Zur Einstimmung in das Thema:

Ich lese viel. Schon nach Beendigung der zweiten Klasse hatte ich mehr gelesen, als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben. Fünf Bücher gleichzeitig waren und sind für mich nichts. Dazu kommen dann noch die Bücher, die ich zwischendurch immer wieder aus dem Regal nehme, um bemerkenswerte Stellen nachzulesen.

Am allerliebsten lese ich Krimis. Auf der Literaturseite habe ich beinahe ein Abo für Krimi-Rezensionen. Und ich bin unerbittlich.

Allerdings hat das ganze Krimi-Lesen einen schlimmen Nachteil. Zum einen kann man mit guten Krimis nicht so schnell aufhören. Bei beiden Büchern von Jussi Adler Olsens ging ich ins Bett, fing an zu lesen und plötzlich war es hell. Schlimmer aber: das Misstrauen wächst. Manchmal kann ich nachts nicht einschlafen, weil ich der festen Überzeugung bin, dass der Meuchelmörder mich als nächstes Opfer auserkoren hat.

Als ich beispielsweise „Cupido“ las, da habe ich mehrere Nächte lang das Licht im Flur brennen lassen. Schliesslich wohne ich alleine, lebe im Erdgeschoss – bin ich nicht ein hervorragendes Opfer? (Übrigens ist das Buch eher mittelmäßig. Merke: Viel Boohai um ein Buch ist nicht immer ein Zeichen für Qualität)

Nach der „Chemie des Todes“ konnte ich nur schwerlich einen Spaziergang durch den Hammrich machen – immer wieder sog ich die Luft durch meine Nase ein, um vorgewarnt zu sein, wenn ich denn auf eine Leiche stoßen würde. Denn: Spätestens seit den unzähligen – und nicht immer guten – Ostfriesenkrimis weiß man, dass es auch hier böse Menschen gibt. Nicht alle Ostfriesen trinken gerne Tee und sehnen sich als Abwechslung eine Runde Boßeln herbei. Nein, es gibt auch Ostfriesen, die ihre Mitmenschen gerne einmauern oder sie töten und antik-mythisch drapieren.

Gestern beispielsweise. Da kam ich von der Arbeit, draußen war es bereits dunkel, der verflixte Bewegungsmelder war mal wieder nicht angesprungen. Ich schloß meine Wohnungstür auf – und da lag er: mein Schal. Auf dem Boden. Aber ich war und bin mir hundertundzehnprozentig sicher, dass der Schal eigentlich im Wäschekorb liegen müsste. Die Katzen: in der Wohnküche eingeschlossen. Sie konnten nicht schuldig sein. Also machte ich überall das Licht an, holte mir das größte und schärfste Brotmesser aus der Küche – und inspizierte jeden Raum, sah unterm Bett nach, öffnete selbst die Schubladen meiner Kommode. Vielleicht gibt es ja einen zwergenhaften Verbiegungskünstler, der zufällig auch als Mörder arbeitet? Nix, was es nix gibt.

Doch die Krimileidenschaft bezieht sich nicht nur auf Bücher. Mit den diversen „Tatorten“ werde ich wohl nie warm werden, aber „CSI New York“ und „CSI Miami“? Super! Ganz schlimm ist es übrigens mit „„Criminal Minds“„. Wenn ich mir das an freien Sonnabendabenden ansehe, auf dem Sofa in eine Decke gekuschelt, ein Glas Wein (oder wahlweise einen Becher heißen Apfelsaft) auf dem Tisch – dann schlägt mir das Herz bis zum Hals. Da gibt es Folgen: die verbringe ich beinahe komplett hinter meiner Kuscheldecke, die Augen zusätzlich auch noch geschlossen. Schlimmer als diese lächerlichen „Saw-Filme“, die bei der Jugend scheinbar ein Gradmesser dafür sind, wie tough man ist. Denn „Saw“ ist zwar ekelig blutrünstig, aber mehr auch nicht. „Criminal Minds“ weckt Urängste. Furchtbar. Aber ich liebe es.

Als ich noch studierte, traf ich mich gerne mit einer Freundin zum „Criminal Minds“, „Supernatural“ und „Lost“ gucken. Und was haben wir auch gemeinsam für Ängste ausgestanden! Zwei Frauen (denn das ist man mit Mitte 20 ja eigentlich), die unzählige Kissen um sich ansammelten, kreischten und nach den 60 Minuten Serie versuchten, über irgendetwas lustiges zu reden – um die Angst wegzulachen, aber dann immer wieder auf das eben gesehene zurückkamen: das ist bekloppt. Aber toll.

Und deswegen werde ich wahrscheinlich auch die kommenden Jahrzehnte kaum ohne einen Krimi ins Bett gehen. Andere mögen von Hausdächern springen und erst 30 Meter vor dem Aufprall ihren Fallschirm öffnen – ich lese und sehe Krimis. Ist ebenso gefährlich. Zumindest gefühlt.

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6 Kommentare zu “Ohne Krimi geht die Ulle nicht in Bett

  1. Ich liebe den Song 🙂 und Schlagersänger aus den 60ern, die mit nem englischen Akzent deutsch singen.

  2. Ach, was vermisse ich unsere Abende!!!! Lecker Essen und dann Gruseln, herrlich! Und das Lustige hinterher, war ja meist auch nicht schwierig….flugs auf RTL geschaltet und die neuesten Reportagen bei Extra geguckt. Oder Bauer sucht Frau. Oder…. 🙂
    Gruselig wurde es dann erst wieder auf dem Drahtesel, auf dem Weg nach Hause….wie ich es nach der „Bloody Mary“-Folge heil nach Hause geschafft habe, weiß ich bis heute nicht!

  3. CSI?! Och nö! Da laufen hier immer nur die letzten Minuten. Vermutlich sind’s ja auch die besten 😉 , wenn Horatio auf den Boden schaut, langsam den Kopf dreht und… Naja, Jim Carrey kann’s besser:

    😀

  4. Ich bin auch bekennende Krimileserin. Hab vorgestern das neuste Karin-Slaughter-Buch auf englisch aus den USA bekommen.
    Im Moment ist Cody McFadyen mein Favorit, aber ich könnte mir vorstellen, dass du ihn nicht sonderlich magst, wenn du Cupido nur mittelmäßig fandest.

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