Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Die Weihnachtseinkäufe

3 Kommentare

Wir schreiben den 7. Dezember. Und ich habe noch keine Weihnachtsgeschenke. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren habe ich noch nicht einmal eine Liste, wer überhaupt beschenkt werden soll. Und was die Menschen, die auf der Liste stehen sollen, bekommen werden – ein Rätsel. Weihnachtsgeschenke kaufen ist anstrengend. Dabei beschenke ich Menschen gerne. Ich mag es, wenn sie das Geschenk langsam auspacken und (hoffentlich) vor Freude anfangen zu strahlen. Aber das davor – es ist nicht immer einfach.

Eine liebe Kollegin hat einen Freund. Der ist technisch – sagen wir mal – sehr interessiert. Wenn es nach ihm ginge, hätte er wohl auch eine Fernbedienung für die Klospülung, deren Klang er mit diversen Zusatzgeräten steuern kann. Nun hatte er vor einigen Tagen von einem Gerät gesprochen, bei dem die Worte „total toll“, „wichtig“ und „sicherlich das beste auf dem Markt“ mehrfach fielen. Und weil die Kollegin eine gute Freundin ist, suchte sie dieses Gerät im Internet, bestellte und bezahlte es und freute sich schon auf den Moment an Weihnachten, in dem ihr Freund es auspacken würde. Doch wenig später – so zwei oder drei Tage – saßen sie wieder gemeinsam auf dem Sofa. „Es gibt nun ein viel besseres Gerät“, sagte er und seine Stimme überschlug sich vor Freude und Begeisterung. „Und das ist sehr viel besser als das, von dem Du vorher gesprochen hast?“, fragte die Kollegin ihren Freund. „Ohhja“, sagte er überzeugt. Vorm inneren Auge der Kollegin strahlte „UMTAUSCH“, aber: das neue Gerät ist viel teurer. Sie muss bei den Geschenkplanungen umdenken. Weihnachten ist nun schon für die Kollegin gelaufen. Das sagt sie selber.

Vor einigen Jahren wollte meine Mutter meinem Bruder eine Freude machen. Gerade eben war er erst mit seiner Freundin zusammengezogen. Und meine Mutter ist praktisch veranlagt – deshalb schenkte sie meinem Bruder eine Waschmaschine. Mehrere Tage war der Bruder eingeschnappt, enttäuscht, zweifelte an der Liebe seiner Mutter. Bis er das erste Mal saubere Wäsche in seiner Wohnung aufhängen konnte. Bei einigen Geschenken lässt die Wirkung auf sich warten – bei anderen kommt die Wirkung nie.

Im vergangenen Jahr war der Freund meiner kleinen Schwester Heilig Abend dabei. Und weil ich ein Weltverbücherer bin, schenkte ich ihm ein Buch. Nun, das war nicht nett von mir. Mangelt es dem jungen Mann wohl nicht nur an Lese-Lust, er kann es angeblich auch nicht so richtig (ja, das soll es in diesem Land geben). Ich wollte ihm eine Motivation geben, sich vielleicht mal zusammenreissen – er fand mich scheisse. Er findet mich immer noch so. Ich ihn mittlerweile auch. Deshalb gibt es diesem Jahr auch wieder ein Buch. Oder eine Zeitschrift. Ohne Bilder.

Vielleicht bekommt er aber auch gar nichts. Siehe oben. Denn die Liste fehlt mir ja immer noch. Wer was bekommen soll – morgen soll es auf einem Spaziergang durch das besinnliche post-Sinterklaas´sche Winschoten durchdacht werden. Groß können die Geschenke nur nicht werden.

Das hat einen einfachen Grund. In jedem Jahr entwickele ich ein Verpackungskonzept. Bedeutet: Ich schlage die Geschenke nicht einfach nur in etwas Papier ein – die Geschenkverpackungen an sich sind schon ein Geschenk. Zumindest fürs Auge – wenn ich mich denn selber loben darf. Und das Konzept – das steht. Sogar die Sachen dafür wurden schon gekauft und liegen in einem kleinen Körbchen. Es fehlen nur die Geschenke, deren Umfang eben nicht zu groß sein darf. Sonst kommt die Verpackung nicht zur Geltung.

Das Einpacken ist für mich ohnehin das richtige Weihnachten. Ich sitze dann mitten im Wohnzimmer, die Heizung bollert, auf dem Tisch stehen Kinderpunsch und dicke Stücke Marzipanstollen, am Boden liegen alle Geschenke und Verpackungsmaterialien und im Fernseher läuft „Tatsächlich Liebe“. Wenn ich nach dem Film mit dem Verpacken noch nicht fertig bin – dann wird der Film noch einmal gesehen. Wie Colin Firth in den Teich mit Aalen springt und Andrew Lincoln (alias Mark) vor Keira Knightley steht und ihr die Plakate mit der Liebeserklärung zeigt – das kann man kaum häufig genug sehen.

Nun. Für morgen lasse ich mich überraschen. Der eine Bruder wünscht sich nichts besonderes („Ich will einfach nur etwas geschenkt bekommen.“), der andere schweigt ebenfalls so halb und wird nicht wirklich konkret („Also so ein selbstgestrickter Schal… der hätte ja schon etwas.“). Und Muttern sagt: „Ich freue mich, wenn ihr alle da seid und euch benehmt.“ Ohnehin: Wie können Mütter ihre 29, 27, 21 und 17 Jahre alten „Kinder“ ansehen und den Wunsch äußern, dass man sich doch bitte „benehmen soll“? Ist das noch eine Angewohnheit aus den Zeiten, als zu einer guten Familienfeier die Zerstörung mindestens einer Wohnungstür und die Überanstrengung der Stimmbänder durch hysterisches Gekreische gehörte? Ich werde es in Erfahrung bringen. Wenn ich die Liste und die Geschenke habe. Jawohl.

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3 Kommentare zu “Die Weihnachtseinkäufe

  1. Ich bin 32, mein Bruder ist 28. Wir bekommen heute noch oft ein: „Ich setz´ mich gleich zwischen Euch, wenn das so weitergeht!“ zu hören. Somit ist der Wunsch nach dem Benehmen wohl vollkommen unabhängig vom Alter.

    Und ach, Winschoten… Da hätte ich vor Weihnachten auch nochmal hingewollt, um vielleicht noch eine kleine Geschenkinspiration zu erhaschen. Oder einfach nur, um Sirupkekse und Bapaos zu kaufen. Aber hej, dafür habe ich schon die Spaßgeschenke für meine Mutter und meinen Bruder parat liegen.

  2. Also ich will ja nicht angeben, aber: >>Ein Tusch, bitte<< Ich hab schon fast alles. Und auch was für Dich :-). Nur hoffe ich sehr, dass Du es noch nicht hast!

  3. Hach, ja, ich hätte auch alles, wenn mein Freund nicht so blöd wäre :-/

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