Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Wegen Krankheit geschlossen

4 Kommentare

Ach, ich bin krank. Und ich hasse es. Da trinke ich frischgepressten O-Saft, esse kaum weißes Mehl, gebe Unsummen von Geld für Bio-Kram aus und mein Yoghurt ist nicht nur – eben – bio, sondern hat auch sicherlich Unmengen gesunder tanzender Kulturen – mal links herum, mal rechts herum, yoghurtheissassa… und dann macht mich eine Erkältung platt. Diese Ungerechtigkeit der Welten Lauf macht mich gleich nochmal kränker – und steigert meine Wut und Enttäuschung ins Unermessliche.

Ich leide. Meine Nase ist ganz rot, weil ich natürlich keine Taschentücher im Haus hatte, als das laufende Nasenleid über mich hereinbrach. Ich bewundere Menschen, die immer Taschentücher im Haus haben. Schicke Tempos mit Hyazinthenduft liegen bei dieser Spezies im Wirtschaftsraum. Ich, ich habe nur diverse Kleenex-Packungen und – Küchenrolle. Eine komplette Rolle von letzterem benötigte ich gestern, um mir meine Nase zu pflegen. Wobei Pflegen natürlich nicht stimmt. Wie Schmiergelpapier riss jedes einzelne Blatt meine empfindliche Nasenspitze auf. Dann wollte ich – total lässig – mit Salzwasser inhalieren. Es schmerzte, inhalieren ist doof.

Es gibt ja Menschen, die haben eine komplette Hausapotheke in einer Schublade. Ich bin aber so gut wie nie krank. Und bevor ich umständlich die abgelaufenen Medikamte entsorge, kaufe ich sie erst gar nicht. Nur ein paar Ibuprofen lagen noch in der Schublade. Vom Schiff-Fall. Oder auch: dem Wasser-Fall. Ohnehin: Was hilft schon gegen dieses Leid names Erkältung? Den Schüttelfrost, die Erkenntnis, dass es bald heißt: „Ulrike, the rednose reindeer, bambambam…“ und diese trockenen Lippen, das abgestandene Gefühl im Mund und das unbändige Selbstmitleid? Nichts. Gar nichts.

Und in diesen Momenten zahlt es sich bitter aus, dass ich immer zu meinen Brüdern sage: „Stellt euch mal nicht so an.“ Nicht, dass sie je so schwer erkältet waren wie ich es gerade bin. Ihre Nase leuchtete unzählige Nuancen heller, was sehr wohl als Gradmesser für den Erkrankungsgrad dienen kann. Oder für die Umsicht beim Taschentuchkauf. Nunja. Auf jeden Fall bemitleidet mich keiner. Nur Muttern, die ich das erste Mal seit Jahren „Mama“ nannte. Sie erkannte das Leid, kochte Möhrensuppe und buk eine Pizza. Immerhin ein Mensch auf dieser Welt.

Und der alte Festus Bukowski, der nun am 2. Dezember seinen mittlerweile 14. Geburtstag feiert, niest gemeinsam mit mir. Jedesmal wenn ich ungeniert lospruste – es ist ja niemand da, somit röchel ich auf Konventionen – prustet er auch mit. Sprich: ich niese, Fezzy Bukowski niest auch. Dann sieht er mich lieb an. Mutiert eine Menschen-Erkältung an Katzen zum Katzen-Schnupfen? Eigentlich ist er geimpft. Ich bin es übrigens nicht. Damit wäre ein Arzt-Besuch verbunden.

Ich gehe nämlich ungern zum Arzt. Und so trage ich meinen Schnupfen mit Fassung, Haushaltsrolle und Brandy. Ich versuche es. Denn bevor ich eine Arztpraxis betrete und mir dort die Mutationen irgendwelcher seltener Krankheiten hole – da muss schon einiges passieren. Wenn ich diese Praxis-Mischung aus Desinfektionsmittel, Eiter und schwerem Parfüm schon rieche, wird mir schlecht. Und ich werde krank. Noch kränker. Um mich selbst zu schützen, gehe ich nicht oder nur im Notfall zum Arzt. Schont auch das ohnehin völlig überforderte Gesundheitssystem dieses Landes. Da könnte jeder zusätzliche Patient zu einer Katastrophe führen. (So, wie in der South Park Folge Pipi-Park jeder Pinkler zu einem Unglück führen kann).

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4 Kommentare zu “Wegen Krankheit geschlossen

  1. ich leide mit dir. und kann heißes bier mit zucker empfehlen. schmeckt zwar gewöhnungsbedürftig, aber hilft mir immer ganz gut.

    mich hat es auch ein wenig von den füßen gerissen, hatte einen kleinen chirurgischen eingriff am bein und bin jetzt linksseitig zwecks riesenverband ein wenig bewegungseingeschränkt. ich plumpse und humpele hier graziös umher. und bin dankbar dafür, das mein bruderherz beim pizzataxi arbeitet.

  2. gute besserung aus nürnberg.

  3. Mir hilft meistens eine „heiße Zitrone“. Aber nicht dieses komische Pulver! Selbstgemacht aus heißem Wasser, frisch gepresstem Zitronensaft und Zucker je nach Bedarf und Geschmack!
    GUTE BESSERUNG!!!

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