Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Gute Kumpels, schlechte Kumpel

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Die Männerwelt fasziniert mich. Manchmal denke ich, dass sie ein ganz anderes Leben als wir Frauen führen. Dann denke ich auch darüber nach, ob „Rot“ für sie auch eine Farbe ist. Ob „Regen“ für sich auch „Regen“ ist und mit genau so vielen Gedanken wie bei mir verbunden sind (Regen = Sofa = Kuscheldecke + Tee = Gemütlichkeit = Freude). Manchmal gewähren einem Männer Einblicke in ihre Welt. Nicht der Freund, der ja doch „anders“ ist, aber Bekannte, Kollegen. Ich liebe diese Momente. Es ist wie der erste Blick aus dem Fenster, wenn man Urlaub macht und eine neue Landschaft sieht, sich die Mundwinkel vor Freude nach oben ziehen und sich das Herz für einen Moment glückselig zusammenzieht.

Heute war so ein Moment. Ich telefonierte mit einem Kollegen. Und ich weiß gar nicht mehr genau, warum wir angefangen hatten, zu telefonieren (etwas berufliches versteht sich), aber dann, dann kamen wir auf das Thema „Freunde.“ Wobei: doch, da ist es wieder. Der Grund, warum wir auf das Thema kamen. Ich sagte: „Morgen treffe ich mich mit Kollegin – nennen wir sie hier einmal jk -.“ Er: „Ach, schön. Reden, ja?“ Ich: „Klaro. Mädchengespräche. Da möchtest Du aber nicht dabei sein.“ Kurzes Schweigen. Dann drehte es sich in Richtung Männergespräche. Und ich erwähnte, dass ich gerne einmal dabei sein möchte. Als Mäuschen bei einem richtigen Männergespräch.

Und das ist die Wahrheit. Denn ich glaube, dass Männer noch so offen sein können, wenn eine Frau dabei ist: So eine richtige Männerrunde ist es eben nicht. Mich interessieren auch beinahe weniger die Themen als die Art, wie darüber gesprochen wird. Als ich noch in der Industrie gearbeitet habe – lang, lang ist es her, der legendäre „Tittenschrank“ – da sprachen die Jungs gerne einmal in der Mittagspause respektlos über ihre Frauen. Sie waren die Männerrunde so sehr gewohnt, dass sie mich beinahe vergessen haben. Ich glaube, da war ich dicht an der Männerrunde.

Ich fragte den Kollegen – Anfang 40 – wie es denn so sei, in der Männerrunde. „Lustig“, sagte er: „Und albern.“ Albern? Ich hatte immer gedacht, Männer würden entweder schweigen und sich zuprosten oder ernsthaft für Fußball, Sex und Computerkram reden. „Nein“, sagte der Kollege: „Man muss auch mal albern sein und lachen.“ Ich schwieg. Mir den Kollegen albern vorzustellen, fiel mir nicht so leicht. Ohnehin, er belehrte mich noch weiter. Denn ernste Sachen, die mache er lieber mit sich selber aus. „Das überdenke ich für mich“, sagte er. Ich dachte daran, wie ich mit Freundinnen jeden Buchstaben einer SMS eines tollen Mannes, jedes Argument im Streit, jeden Blick ausdiskutierte, interpretierte, neu interpretierte, als unwichtig verwarf, neu aufgriff, um es diskursanalytisch in seine Bestandteile zu zerlegen. Wie können Männer damit leben, das NICHT zu tun?

Zweifeln Männer nicht? Müssen sie nicht jede Gefühlsregung, jede Stimmungsänderung besprechen? Diskutieren? Nehmen sie stattdessen das Gamepad in die Hand und schiessen sich eine Stunde durch „Silent Hill“? Ich hatte nun viele Jahre daran geglaubt, dass Männer Probleme mit anderen Männern besprechen – vielleicht nicht zerreden, aber: darüber reden.

Woher nehmen Männer diese Coolness, sich wenig bis keine Gedanken über ihre Außenwirkung zu machen? Woher die Ruhe, einfach abzuwarten? Mein Kollege konnte mir darauf keine Antworten geben. Wir verabschiedeten uns, legten den Hörer auf. Ich zerdachte das Telefonat, holte einen Tee, dachte weiter nach. Kein Ergebnis.

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8 Kommentare zu “Gute Kumpels, schlechte Kumpel

  1. Du vertust dich schwer! Es ist ganz anders!
    Also: Silent Hill ist das Spiel für „Ich bin betrunken, der Film war scheiße, ich will mich gruseln!“
    Wenn man etwas durchdenken will geht nichts über „Medal of Honor“, „Counterstrike“ oder „Brothers in Arms“.
    Und als Mann muss man nicht alles besprechen. Könnte man zwar ausführen, aber … siehe Satz davor 🙂

  2. also ich muss auch nicht jede gefühlsregung und jede sms besprechen….bin ich jetzt „zu“ männlich oder einfach zu lange in ner beziehung;)?!

  3. So, jezt bin ich gespannt…ich bespreche reingar nichts mit irgendjemandem, bis ich es mit mir selbst ausgemacht habe. Das Höchste der Gefühle ist dann einen Kommentar zu meiner Entscheidung einzuholen – passiert selten und wie gesagt, erst, wenn eh alles „unumstößlich“ entschieden ist.

    Was bin ich denn nun, liebe Ulrike? Zu lange Single wahrscheinlich… 🙂

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