Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Wo Schäfchen I und Schäfchen II sich treffen

Ein Kommentar

Ich schlafe ja sehr schlecht. Eigentlich immer. Wenn es stimmt, dass man 21-mal die Nacht aufwacht ohne es mitzubekommen, bin ich – mal so über den Daumen geschlagen – rund 28-mal wach. Sagen wir, ich bin jedesmal nur fünf Minuten wach: dann wälze ich mich rund 140 Minuten die Nacht herum. Dazu der Einschlafmarathon, der so gut wie nie unter einer Stunde liegt. Das Sandmännchen disst mich. So viel dazu an dieser Stelle.

Tatsächlich ist es ganz schlimm furchtbar, schlecht zu schlafen. Denn ich liege ja müde im Bett. Wäre ich topfit – mein Leben würde ganz anders aussehen. Ich würde die Nacht zum Tag machen. Alle anderen um 2 Uhr anrufen und fragen: „Schläfst Du schon? Bock auf PAAAAART-E-Y?“. Ich würde mit so einer Bergarbeiter-Lampe durch mein Heimatdorf joggen und bald ein ganz anderer Mensch sein. Durchtrainiert, voll sportlich und mit Hundescheisse am Fuß. Weil die Lampe nicht dabei hilft, den kleinen Häufchen auszuweichen. Leider.

Stattdessen aber liege ich im Bett. Meine Wärmflasche an den Füßen, den Kopf im Kissen vergraben, den Mund murmelnd verzogen. Dann überlege ich, welches Hausmittelchen ich an diesem Abend noch nicht zu mir genommen habe. Die heiße Milch mit Honig – done – heiß geduscht – done – frische Luft geschnappt – done – alle bösen Gedanken durch gute ersetzt: mööööp! Wie soll man seine Hassgedanken („Alle anderen schlafen, nur ich bin wach“) durch gute Gedanken ersetzen („Alle anderen schlafen und ich bin wach, juhu!“)? Totaler Mist.

Ich hatte bis auf meine Lampe jedes elektrische Gerät aus meinem Schlafzimmer verbannt. Selbst eine Uhr habe ich nur auf meinem Handy, das im Flugzeugmodus hinter der Handcreme in meinem Schlafzimmernachtschränkchen liegt. Nichts sollte mich stören. Gar nichts. Nada. Und das störte mich. Also wird allabendlich der Timer im Laptop eingestellt und ich mache Musik an. Oder ein Podcast. Die Sache hat einen Haken: Wenn ich den Computer auf in-einer-Stunde-ausstellen gestellt habe, bekomme ich das mit. Ihn wieder anmachen und von neuem starten: Zu müde. Außerdem würden meine Hände kalt werden, die ich doch bereits vor 45 Minuten zwischen die Kissen geschoben habe. Also nachdenken.

Selber singen? Dabei würde ich nicht einschlafen. Schäfchen zählen? Ein wenig banal. Aber kann man ja einmal ausprobieren. Eins – zwei – drei – vier — „Boah, zu einfach“, denke ich mir dann. Wir machen es also schwerer: Rückwärts von hundert, nur die Primzahlen (vorwärts und rückwärts), alle geraden Zahlen und alle ungeraden Zahlen. Dabei sehen mich die Schäfchen an, als hätte ich sie nicht mehr alle.

Dann denke ich an bessere Zeiten. In denen ich ganz schnell einschlafe. Wie ich als Redakeurin eine Stelle habe. Im Geiste richte ich meinen Schreibtisch ein. Und meine Wohnung. Und schon befinde ich mich in Farbentwürfen für die Wohnzimmerwand. Das wird so kompliziert, dass ich irgendwann merke: „Mist, ich muss aufs Klo.“ Also aufgestanden, durch die kalte Wohnung gestiefelt, wieder zurückgestiefelt und völlig ausgekühlt ins Bett. Irgendwann – das kommende Wohnzimmer ist in „schlamm“ gestrichen, das braune Sofa durch ein weißes ersetzt worden (die Katzen haben das haaren verlernt) und die rote Flohmarkt-Lampe auf der 50er-Jahre-Kommode drapiert – schlafe ich dann ein. Es ist kurz nach eins. Schlafen kann ich noch rund sechseinhalb Stunden, 390 Minuten. Und 140 Minuten davon werde ich noch wach sein. Ich wache mit einem erschreckten Schrei auf.

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Ein Kommentar zu “Wo Schäfchen I und Schäfchen II sich treffen

  1. Ich kann dir versichern, dass nicht ALLE anderen schlafen. Mindestens ein Mate wälzt sich tief im Westen immer hin und her und verzweifelt. Ich habe zu dem Thema übrigens auch einen Blog-Post in Vorbereitung. Das ist eine ganz üble Verschwörung!

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