Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Status of „persönliches“ geändert

Ein Kommentar

Der Bekannte hat seinen Status geändert. Bei meinvz steht seit einigen Tagen nicht mehr „vergeben“ – es steht gar nichts mehr da. Kein „solo“, kein „verliebt in“, kein „unklar“, kein „verlobt mit“ oder „verheiratet mit“. Gar nichts. Dabei hatten wir den Bekannten doch vor einiger Zeit noch knutschend mit seiner Holden in der Stadt getroffen, die Hochzeitsglocken schwangen im Hintergrund schon beinahe hin- und her. Hat er sich getrennt? Hat er einfach befunden, dass es niemanden etwas angeht, wie der Beziehungsstatus ist? Und warum machen wir uns solche Gedanken darüber? Drei junge Frauen – die durchaus auch andere Dinge zu besprechen hätten – saßen eine geschlagene Stunde lang mit heißem Kakao auf dem Sofa und diskutierten diese Entwicklung.

Und das ist ja nun einfach – gelinde gesagt – lächerlich. Denn schliesslich würden wir es doch ohnehin irgendwann mitbekommen, wenn er wieder Single wäre. Das wäre übrigens nicht schön. Der Bekannte gibt nämlich keinen guten Single ab, war damals unausgeglichen und zickig.

Dabei kenne ich ja auch durchaus Leute, die ihren Status zwischenzeitlich auf „vergeben“ setzen, weil sie von nervigen Mitmenschen und eher nicht potentiellen Sexualpartnern genervt werden. Wer aus Versehen solch einen Idioten zu seinen Freunden hinzugefügt hat, diesen aber nicht irgendwie in schwere Depressionen stürzen will – der kann zu diesem Mittel greifen. Wer frisch vergeben ist, hat schliesslich keine Lust auf Web 2.0.-Geplänkel.

(Web 2.0.-Geplänkel ist ja ohnehin doof. Dieses schäckrige Pinnwandvollmüllen und sich furchtbar peinliche Tweets schreiben – das ist nicht für den anderen, für den Flirtpartner. Das ist etwas für Leute, die ihre eigene Profilneurose füttern wollen. Wozu gibt es denn sonst bei Twitter „Direct Messages“ und auch im Studivz/Meinvz oder Facebook die Nachrichten, die sonst keiner liest? Warum sollte die halbe Welt dabei sein, wenn man Nachrichten austauscht, die vordergründig Nähe erzeugen sollen, aber durch die Öffentlichkeit der Tweets/Pinnwandeinträge genau das Gegenteil schaffen? Wenn ich alle Pinnwandeinträge mitverfolgt habe, bin ich ja genauso informiert wie der Flirtpartner.)

Wo waren wir? Ist der Bekannte nun wieder Single oder nicht? Durch weiteres Stalking fanden wir dann heraus, dass er einfach so seinen Beziehungsstatus rausgenommen hat. Was durchaus sympathisch ist. Aber die Tatsache, dass wir darüber diskutieren – ich wiederhole mich – ist einfach nur peinlich.

Dabei scheint ja ohnehin der ganze „vergeben/Single/auf der Suche/verliebt/Romanze/Bettgeschichte“-Kram das wichtigste in den Profilen zu sein. Das ist nicht erst seit „The social network“ so etwas wie Allgemeinwissen. Natürlich, auch zum „networken“ ist das alles ganz toll. Aber ein Freund sagte es mal ganz direkt: „Ich wollte schon immer wissen, wer mit wem – nun kann ich mir die Tratschzeit sparen.“ Außer eben, ein lange Vergebener ändert ohne Vorankündigung seinen Beziehungsstatus – dann beginnt das Getratsche erst.

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Ein Kommentar zu “Status of „persönliches“ geändert

  1. Oh, ich kenne das… Mein kleiner Bruder ist laut Beziehungsstatus schon seit Ewigkeiten verlobt und vor einer Weile wurde ich geradezu panisch darüber ausgefragt, warum ich denn davon so gar nichts erzählt hätte? Nun, weil mein angeblich verlobter Bruder in Halloweentown im Electric Ladyland wohnt. Noch weitere Fragen? Ich denke nicht. Und ich verstehe nicht, warum man das alles so wichtig nimmt. Gerade weil ja viele Menschen so Angaben wie den Beziehungsstatus (oder meinetwegen auch ihre Karriere) als Selbstdarstellungsinstrument nutzen bzw. missbrauchen. Was für ein Superheld bin ich wohl, wenn ich mich durch den Wechsel von der Romanze über die Bettgeschichte und Verlobung bis zum Interessenverlust am anderen Geschlecht in der Öffentlichkeit präsentieren muss? Und wie wenig bin ich beschäftigt, wenn ich mir als Außenstehender darüber den Kopf zerbreche?

    Tja, und schon ist mein schönes Glashaus zerstört. Denn als ohne jedwede Vorwarnung der Status einer ehemaligen Mitschülerin plötzlich „verheiratet“ lautete, bin ich vor lauter Aufregung beinahe von meinem Sitzmöbel gepoltert. Und auch ich haeb schon durch geschickte Stalkerei neue Beziehungen aufgedeckt. Manchmal muss das wohl einfach sein.

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