Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Durchtrieben trieben

3 Kommentare

Der Kollege nennt mich „durchtrieben“. Wie genau das passiert ist, warum er das gesagt hat: Die Zusammenhänge sind mir entfallen, die Verwunderung über den Begriff ist geblieben. Ich dachte nämlich immer, dass der Kollege mich mag. Dass er mich für „durchtrieben“ hält, nunja.

Also habe ich angefangen, zu googeln. Weil ich eigentlich gar nicht genau weiß, was „durchtrieben“ bedeuten soll. Oder weiß das einer der geneigten Leser? Unter durchtrieben habe ich ja immer so einen Vamp verstanden – und das, nun, nix trifft weniger auf mich zu. Ich bin Boller-Ulle. Am zufriedensten mit einem Bier im Fußballstadion. Die Münchener Freiheit singen in ihrem Lied „Sexy und durchtrieben“: „sexy und durchtrieben, makelloser teint“. Ich befinde mich – obwohl 29 Jahre alt – in einem ständigen Krieg mit meiner Haut. Pickel hier, trocken da und plötzlich ein samtener Fettschimmer auf der Nasenspitze. Nein, diesen Punkt kann mein Kollege nicht angesprochen haben.

Wiktionary sagt mir als Definition für „durchtrieben“ gerissen. Gerissen sind vielleicht die Bänder meines Sprunggelenks vor langen Zeiten, auch ein Oberteil hat mal in Anbetracht meiner – äh – ja, also hat mal nachgegeben. Damit hört es auch schon auf mit gerissenen Dingen, die sich mit mir in Zusammenhang bringen lassen. Wobei mir gerade einfällt: Vor kurzem ist mein Bettüberzug gerissen, weil meine Babykatze, die nun ja schon bald Erwachsen ist, sich ausgehängt hat. Hochspringen, krallen in den Bettüberzug und hängen bleiben. Das hält kein Ikea-Billig-Angebot aus. Mochte den Überzug ohnehin nie leiden. Er war blau mit rot und weiß. Das weiß hatte gelitten. Der Bettüberzug war mit einem roten Schal gewaschen worden. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Auf der Wortschatzseite der Universität Leipzig steht als Synonym „diplomatisch“. Und – der aufmerksame Leser wird es bereits ahnen – auch das bin ich nicht. Und der Kollege hat eine ungefähre Ahnung davon. Glühe ich doch vor Leidenschaft, wenn ich Leute nicht mag. Und dann bin ich gemein – aber nicht ausgefuchst. Mein brodelndes ostfriesisches Kaltblüterblut verhindert, dass ich mir Gedanken machen kann. Deshalb bin ich eben nur gemein – und nicht ausgefuchst, oder fintenreich. Wobei ich gerne „fintenreich“ wäre (scheinbar auch ein Synonym für „durchtrieben“?), denn Fußballer sind fintenreich. Und wenn ich schon keine Tore schießen kann, mir ein Schuss mit Effet nie gelingen wird – ich würde gerne mal eine Flanke schlagen, und das eben – fintenreich.

Aber dann, nach langer Suche, habe ich ein Synonym gefunden. Die Bedeutung für das Wort „durchtrieben“, das mein Kollege meinte. Es ist „wach“. Denn das war ich, als er mir sagte, ich sei durchtrieben. Punkt.

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3 Kommentare zu “Durchtrieben trieben

  1. Wie immer wundervoll geschrieben!
    Ich habe mal einen neuen Rechercheansatz probiert und nachdem ich das 100ste Mal leo.dict…achMist! eingegeben habe, über http://dict.leo.org die englischen Entsprechungen gesucht: artful, cunning, scheming, sleeky, sly, tricky.
    Nun ja, hat auch nicht weitergeholfen.

    Ich kann Dich aber in soweit beruhigen, als dass Dein Kollege vermutlich eine positive Eigenschaft gemeint hat. Wie könnte er auch anders! 🙂

    Lieben Gruß

  2. Nun würde mich ja interessieren wer da war und ob er positiv oder negativ durchtrieben meint. Bestimmt positiv durchtrieben 😉

  3. „durchtrieben“
    kann sowohl positiv als auch negativ gemeint sein. aber zeugt auf jeden fall von einem „gewissen“ Respekt dir gegenüber;-)
    so solls ja auch sein!

    LG

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