Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Die Foto-Last

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Ich werde verbittert. Es wird nicht mehr lange dauern und meine Mundwinkel hängen nach unten, verkniffene Furchen werden sich durch meine Gesicht graben. Meine Augen sind dann stechend und hart wie Stecknadelknöpfe und meine Hände gleichen den Krallen einer fetten Krähe. So wird es enden. Sehr sicher.

Ich habe eine neue Marotte. Ich vergleiche jede Frau mit mir – und schneide dabei schlecht ab. Sehr schlecht. Konnte ich mich sonst am Unterschichten-Fernsehen berauschen und denken „Na, so scheisse biste noch nicht“ denke ich mittlerweile: „Boah, sind die toll.“ Vielleicht liegt es daran, dass ich mittlerweile zu lange alleine bin und mir dann doch die Frage stellen muss, was an mir falsch ist. Oder ich habe den Bezug zur Realität verloren. Weil ich zu viel Unterschichten-Fernsehen sehe und abstumpfe.

Sicherlich. Diese Männer aus den Unterschichten-Sendungen, diese komischen Typen an der Supermarktkasse vor mir, die will ich gar nicht. Und vom Kopf-Standpunkt bin ich wahrscheinlich weniger verbittert als verwirrt. Sehr entrückt. Es ist zu warm. Der Kopf arbeitet nicht mehr.

Was ich sagen wollte. Gestern machte meine Kollegin Fotos von mir. Ich sollte den „Spielplatz für Erwachsene“ in Greetsiel testen (Und nein: Der Spielplatz besteht nicht aus Liegewiesen, Großbildschirmen auf denen in Dauerschleife Pornos laufen). Auf jedes Gerät musste ich drauf und strampeln oder mich um meine eigene Achse drehen. Es waren Fitness-Geräte wie in einem Fitness-Studio. Ich sah doof aus. Es war mir auch so klar. Als ich dann aber die Fotos von mir sah, war ich schockiert. Es war schlimmer als ich gedacht hatte.

Wieder zuhause nahm ich mir die Fotos auf meinem Computer vor. Also die Fotos von mir. Und ich merkte: Die sind alle bescheiden. „Du bist halt unfotogen“, hätte ich mir sagen können. Aber es ist schlimmer. Die Frau, die mir morgens im Spiegel entgegenblickt, ist nicht die, die auf den merkwürdigen Fotos zu sehen ist. Vorm Spiegel reisse ich die Augen auf und denke: „Hej, du hast große Augen. Toll.“ Auf den Fotos sind die Augen schweinchenklein. Irgendetwas stimmt nicht.

Das hat nichts mit Selbstmitleid zu tun – oder gar mit fishing for compliments. Es ist einfach nur die pure Erkenntnis, dass ich a.) nie mehr fotografiert werden möchte und b.) Kandidatin bei „Schwiegertochter gesucht“ werden sollte. Dann darf ich danach zu Promi-Wer-Wird-Millionär, spende die gewonnene Millionen Euro an mich und bezahle jemanden, damit er alle Fotos von mir schön macht. Und mir einen Spiegel baut, der mich auch schön macht. Jawohl.

(Ihr kennt mich. Das ist nicht selbstmitleidig. Es sind die überspitzen Erkenntnisse einer Beobachtung)
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4 Kommentare zu “Die Foto-Last

  1. Hast du es schonmal mit Grimassen probiert? Ich sehe auf Fotos mit Grimasse besser aus als ohne. Ich sehe meistens auch krank besser aus als gesund. Und überhaupt gehörte ich bestimmt auch eigentlich in so eine Unterschichtensendung. Ich kann mcih gerade selbst nicht leiden.

  2. Tja, das ewige Problem mit der Selbst- und Fremdwahrnehmung… War vorgestern Passbilder machen – gruuslich – zum Glück sah das Passbild besser aus, als die „großen“ Bilder. In einem Gespräch zum gleichen Thema meinte meine Schwester gestern: „Ich bin auch hässlich, aber ich war letztens im Freibad und dort waren noch viel mehr hässliche Leute.“ Also, Perspektive wieder verschieben, du hast hübsche ausdrucksstarke Augen, wenn du nicht gerade in einen Blitz oder die Sonnen blinzeln musst. Zum Abschluss noch ein Kompliment (zumindest ist es von mir als solches gemeint“ von einer Postkarte aus dem Raum Köln/ Aachen: „Dubissenpralinschen!“

  3. Kopf hoch, das geht doch den meisten Menschen so mit den Fotos. Ich kann mich selbst auch nicht auf Fotos sehen, außer man sieht möglichst wenig von mir (aber dafür viele Haare).
    Aber es kann funktionieren: Man braucht nur die richtige Kamera, den richtigen Moment, gutes Licht und jemanden der das alles zusammen bringen kann und ein wenig Erfahrung hat.

    Außerdem: Wenn man Sport treibt, oder sich irgendwie viel bewegt, sehen die meisten Menschen albern, dick, doof und total unfotogen aus.

  4. Es wird Zeit, dass du kommst. Und dann machen wir Fotos. Viele. Und es werden schöne dabei sein. Versprochen.

    🙂

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