Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Männliche Vampire, gefallene Engel

Ein Kommentar

Da beschweren wir Frauen uns über die hohen Ansprüche der Männer. Es gibt Beschwerden, dass sie gerne Frauen im kurzen Rock (oder mit breitem Gürtel) hinterher-sehen, über Charakterschwächen dank eines üppigen Ausschnitts hinweg-sehen und viele tolle – intelligente – Frauen einfach über-sehen. Wir Frauen (also nicht alle – aber viele) bekommen Minderwertigkeitskomplexe, pushen uns die Brüste up und den Bauch flach – aber sind wir besser? Nein! Wie die Lesebeilage in einer Frauenzeitschrift beweist (ich lese eindeutig zu viele Frauenzeitschriften…).

Schon bei meiner kleinen Schwester durfte ich den Vampir-Wahn beobachten. Biss hier, biss da. „Ich möchte einen Freund, der so ist wie Edward“, sagte sie mir mit verträumtem Blick (ihr aktueller Freund ist so gar nicht der Vampir-Typ, sondern mehr der Supernanny-Fall – aber lassen wir das). Mir erschloss sich ihre Träumerei nicht ganz – also habe ich das erste Buch der Biss-Serie gelesen. Biss zum Umfallen biss zum Morgengrauen.

Wäre ich ein Mann – bei den Stereotypen mit denen da gearbeitet wird: ich würde weinen, mir einen ansaufen, kotzen und dann schwul werden. Klein-Mädchen-Träume werden da produziert: unglaublich. Der geheimnisvolle Edward, der nur Augen für das eigentlich unscheinbare Scheidungskind hat. Der eigentlich von ihr loskommen will – aber nicht kann, weil er sie zu toll findet. Edward, den alle Mädchen irgendwie haben wollen – aber nicht bekommen. Edward, der Liebeslieder schreibt und für das Scheidungskind sterben würde.

Ich hatte gehofft, dieses Phänomen würde sich nur auf „Mädchen“ beziehen. Aber dann schlug ich diese Leseprobe auf. Diesmal ging es nicht um Vampire – es ging um gefallene Engel. Und da ich lese, was ich in die Finger bekomme, las ich auch diese zehn Seiten. Und ich merkte: Vampire oder gefallene Engel – alles eine Soße. Nur die Zielgruppe war eine andere: keine kleinen Teenager auf der Suche nach sich selbst – sondern erwachsene Frauen, verzweifelt auf der Suche nach dem Traummann. Kein Scheidungskind mehr, sondern Scheidungserwachsener. Auf Papier gedruckte Prinzessinenphantasien.

Ich für meinen Teil habe die Schnauze voll von geheimnisvollen Männern, die schon so wirken, als könnte sie ein Geheimnis umwehen. Sei es die Unsterblichkeit, Blutdurst oder die schwangere Ex-Freundin. Was soll ich mit einem Mann, bei dem ich Angst haben muss, dass er mir vor Hunger in die Kehle beisst? Ich möchte etwas zuverlässiges, der vor Hunger an den Herd geht und ein Lamm brät und mir danach – okee, lassen wir das.

Was ist erstrebenswert daran, zwischen die Fronten von Gut und Böse zu gelangen? Statt abends gemütlich mit Freunden auf der Terrasse zu sitzen, ein Glas Wein zu trinken und die Liebsten um sich zu wissen? Ist es das Gefühl, ganz schlimm einzigartig zu sein? Eine wichtige Rolle im Erhalt dieser Welt zu spielen?

Mir für meinen Teil reicht es, zu wissen, dass ich meinen Job gut mache, meine Freunde mich mögen (und ein wenig lieb haben) und dass es ein paar Menschen (und einen besonders) gibt, die für mich brennen. Und der Mann an meiner Seite muss nicht im Sonnenlicht wie Marmor schimmern oder mal Flügel gehabt haben.

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Ein Kommentar zu “Männliche Vampire, gefallene Engel

  1. Aufeinander zugehen, eingehen, sich verstehen… das sollte wichtig sein. Die Traumfrau, den Traummann gibt es nicht. Das ist nur Fantasie.

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