Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Das (falsche) Selbstbewusstsein

2 Kommentare

Eine aktuelle Frauenzeitschrift liegt auf meinem Salon-Tischchen. „Man kann alles schaffen, wenn man nur an sich glaubt.“ Das ist durchaus sinnvoll, aber Casting-Shows sprechen ja irgendwie eine andere Sprache. Da glauben so viele an sich – und blamieren sich dann bis auf die Knochen.

Wahrscheinlich liegt an der Mischung des Tages: Milchkaffee und Frauenzeitschriften – im Fernsehen die DSDS-Casting-Wiederholungen. Es ist der klägliche Versuch, das Gehirn abzuschalten. Läuft heute nur nicht. Die Techno-Musik von oben sagt meinem Gehirn: Anbleiben und Hass schieben.

Vielleicht sollte ich aber auch nur mehr an mich glauben. Dann würde die Musik oben leiser werden und man könnte einen klaren Gedanken fassen. Aber zurück zum Thema.

Ich kenne Menschen, die glauben völlig zu unrecht an sich. Dass sie gut aussehen, dass sie ganz nett sind, dass sie beliebt sind – dass sie sich in andere Menschen einfühlen können.

Ich bin da ja schon beinahe monk. Ich neige eher dazu, mir jedes Selbstbewusstsein zu verbieten – aus Angst, dass man mich für arrogant hält. Lob anzunehmen fällt mir schwer. Der Gedanke, bald wahrscheinlich wieder Bewerbungen schreiben zu müssen, bereitet mir schlaflose Nächte. Nicht der Gedanke an das Schreiben an sich – sondern daran, mich wieder vermarkten zu müssen. „Ich bin die richtige Wahl, weil…“ Ja. Weil? Warum überhaupt?

Also: Bis zu welchem Punkt sollte man an sich glauben? Und an welchem sollte man es lieber lassen? Und wie lässt sich herausfinden, ob man sich gerade noch in realen Gefilden befindet? Und wie findet man heraus, was man wirklich gut kann? Sollte jeder einmal vor Dieter Bohlen treten, damit der einem sagen kann: „Du siehst sch***e aus, kannst nicht singen und ein Gesamtpaket bist Du schon lange nicht.“? Danach weiter gehen zu Heidi Klum, die einem sagt: „Nein, Du bist kein Model“ und dann ab zu Detlev D! und ihn sagen hören: „Boah, bewegen kannst Du Dich echt nicht, ey!“

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2 Kommentare zu “Das (falsche) Selbstbewusstsein

  1. Mein Lieblingsthema, das mich wohl den Rest meines Lebens begleiten wird. Ich brauche die haltlosen Erniedrigungen eines Dieter Bohlen nicht. Ich kann mein eigener Bohlen sein. 🙂

  2. Have I told you lately…? Du bist toll!! 🙂

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