Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Das heimliche Single-Verhalten

6 Kommentare

Es gibt diese eine Folge bei Sex-and-the-City, in der die vier Mädels ihr geheimes Single-Verhalten verraten. Eigentlich verraten nur drei ihres – Samantha ist eine Geschichte für sich. Carrie schmiert sich gerne Weintrauben-Gelee auf Kräcker, steht in der Küche, isst diese und liest die neue Vogue. Miranda schmiert sich ihre Hände ganz dick mit Handcreme ein, zieht sich Baumwollhandschuhe drüber und sieht Schund im Fernsehen. Und Charlotte stellt sich vor den Spiegel und begutachtet ihre Poren im Gesicht.

Das geheime Single-Verhalten sind die Rituale, die man für sich selber hat. Bei denen niemand zusehen darf. Es sind die Momente, die man ganz alleine für sich genießt (ein Schelm, wer nun unter die Gürtellinie denkt).

Ich habe auch so eines – natürlich.

Es ist ein Sonntagsritual. Man kann es auf keine genaue Uhrzeit festlegen – es ist immer nach dem Aufstehen. Und es muss wohl vorbereitet sein. Ich koche mir ein (Bio)-Ei, mache mir eine große Schale Milchkaffee und stelle alles auf den Küchentisch, was ich für ein leckeres Frühstück brauche: Käse, Wurst, Zartbitter-Nutella, frischgepressten Orangensaft, meist auch frische Brötchen. Dann – und das ist das wichtigste – lege ich einen Kugelschreiber auf den Tisch und eine Frauenzeitschrift: Freundin, Maxi, was ich gerade am Sonnabend für lesenswert empfunden habe.

Und dann frühstücke ich. In aller Ruhe. Mein Handy ist aus, der Computer läuft nicht, keine Musik. Keine Geräusche. Nur die Brötchen, der Milchkaffee, die Frauenzeitschrift und ich. Der krönende Abschluss ist dann immer das Lösen des Kreuzworträtsels. Das kann alles ewig dauern. Mal ist es nur eine Stunde (wenn ich noch etwas vorhabe) – es kann aber auch drei Stunden dauern. Bis ich vor Stille in meinem Kopf ein Sausen im Ohr habe.

Das ist etwas, das kann man nur ganz alleine machen. Selbst das atmen eines anderen Menschen wäre völlig fehl am Platze.

Mein Bruder hat auch so ein geheimes Single-Verhalten. Es ist nur wenig geheim und auch in Beziehungen in Gebrauch. Wenn er von etwas anstrengendem wieder nach Hause kommt (beispielsweise seiner Arbeit, wo er täglich die Welt rettet), zieht er sich seine Jogginghose an, macht sich einen Kaffee mit drei Löffeln Zucker und viel Milch, setzt sich aufs Sofa und verlangt: Schweigen. Mich lässt er daran teilhaben – und auch seine Freundin, aber das ist dann nicht das, was er will.

Seine Hose spielt eine wichtige Rolle bei diesem Ritual. Bis vor kurzem hatte seine Jogginghose den Beinamen „Stinkehose“, weil er sie nur zu Feiertagen gewaschen hat (jetzt wo er eine Freundin hat, wäscht er die Hose öfter mal. Wird gemunkelt.). „Stinkehose“ ist aber tot, jetzt gibt es „Burgundi“. „Burgundi“ ist von Adidas und – wer hätte es gedacht – burgund. Warum er seinen Hosen Namen gibt, ist wohl ein weiteres geheimes Single-Verhalten. Seine Freundinnen wissen seine Liebe zu „Stinkehose“ und „Burgundi“ jedoch gar nicht zu schätzen. Deswegen ist das Tragen von „Stinkehose“ und „Burgundi“ gekoppelt mit dem Beziehungsstatus „vergeben“ auch komplizierter.

Genauso kompliziert wie eben das Frühstücken ohne Atemgeräusche.

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6 Kommentare zu “Das heimliche Single-Verhalten

  1. die Folge lief erst letzte Woche. Herrlich. Bei mir gibts eigentlich nichts was ich als Single gemacht habe und inzwischen abgelegt habe. Warum auch? Selbst wenn die Dinge peinlich wären die ich so mache, wenn der Partner das nicht aushält oder versteht das ich bestimmte Dinge allein machen muss (so wie bei deinem Frühstück), soll es vielleicht nicht sein. Jeder hat ja irgendwas das ihn ausmacht und wichtig ist. Wenn das der Partner nicht versteht, sollte man das vielleicht wieder als Single machen.

  2. Das ist toll. Bei mir ist gemeinsames Frühstück das größte (naja, fast;-), was es an einer Beziehung gibt. Frische Brötchen, Ei, Saft, Marmelade, Käse, Wurst, Nutella und eine Zeitung. Die man gemeinsam liest. Stundenlang. Und dann wieder ins Bett geht.
    Mein heimliches Single-Verhalten ist Internetleerlesen und Twittern…

  3. Jetzt muss ich nachdenken, was das bei mir war. Fällt mir gar nicht ein. Es hat sicher mit essen und/oder schlafen zu tun 😉

  4. Im Bett essen, lesen, surfen, essen, surfen, fernsehen, essen. Den ganzen Sonntag. Das muss es gewesen sein.

    Jetzt ist es eher so:

    8:00 „Maid ich steh jetzt auf, schlaf ruhig noch weiter“
    8:15 *klapper, klirr, brumm, klapper*
    8:25 „Möchtest du auch frühstücken?“

    😀

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