Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Das Beuteschema

2 Kommentare

Jeder Mensch hat ein Beuteschema. Schließlich sind wir alle mal kleine Neanderthaler gewesen und haben uns ein saftiges Mammutsteak mit Kräuterbutter und schwerem Rotwein gejagt. Heute jagen wir kein Abendessen mehr – wobei ein wenig doch. Aber eher jagen wir Frauen den, der uns das Abendessen bezahlt. Statt Mammut ist es Rind oder Lamm – die Kräuterbutter und der Wein bleiben.

Ich habe ja das Therapeuten-Beuteschema. Nicht dass ich einen jage (aber vielleicht brauche ich einen?), ich jage Männer, die eigentlich keine Freundin brauchen, sondern eine Therapeutin, manchmal auch einen Muttertyp. Ich mache das gar nicht mit Absicht, ich würde gerne etwas anderes jagen: Aber der Therapeuten-Mann gerät ständig vor mein Speer. Manchmal verbirgt er sich hinter einer harten Fassade – aber irgendwann kommt es zum Vorschein. Meist dann, wenn das Speer schon abgeworfen wurde und ich mich entschieden habe, am Abend lieber nicht verhungern zu wollen.

Dann sitzt man da und die Komplexe und Probleme strömen aus dem Mann. „Ich bin so dumm“, „Egal, was ich anpacke, ich mache es falsch“ oder „Ich will mich verändern – aber ich weiß nicht wie“. Und man ist Therapeutin – und nicht die, die das Steak bekommt. Mit Kräuterbutter. Und Rotwein.

Wie ändert man aber nun sein Beuteschema? Soll man Vegetarierin werden und statt mit dem Speer mit dem Korb für Beeren und Früchte auf die „Jagd“ gehen, die dann keine Jagd mehr ist, sondern ein Sammel-surium. Dann habe ich kein Beuteschema mehr – ich bin keine Jägerin, sondern Sammlerin. Argh!

Sollte man lieber umfangreiche Tests durchführen, bevor man den Speer abwirft? Und so in Kauf nehmen, ab und zu einmal zu hungern – dafür aber langfristig versorgt zu werden? Irgendwann einmal? Und was, wenn man vorher auf der Jagd unter die Hufe oder die neu erfundenen Stein-Räder kommt?

Aber es gibt Hoffnung. Eine liebe Freundin von mir hatte mal ein Händchen für Männer, die sich für den Mittelpunkt des Universums hielten. Einer der Männer war Musiker. Stundenlang konnte er über geplante EPs reden, über Alben, die er produzieren würde, über Tourneen, die er machen wollen würde. Er war so sehr in sich selbst verliebt, dass er der wundervollen Frau neben sich streckenweise gar keine Beachtung entgegenbrachte. Trotzdem war sie lange mit ihm zusammen. Und hörte sich immer wieder die Musikerpläne an. Bis irgendwann auffiel, dass er das wenige, was er für sie tat, auch nicht wirklich für sie tat – sondern für sich. Für das Bild, das er er selber von sich hatte. Aber das gute zum Schluß: Jetzt hat sie jemanden, der sich nicht um sich dreht. Er dreht sich um sie und ihn.

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2 Kommentare zu “Das Beuteschema

  1. haha, da muss ich ja an den michbeck denken:
    „…denn wann immer ich dachte ich tu alles für sie
    war was immer ich machte für mich irgendwie“

  2. Quelle honneur!
    Und zum Schluss kamen mir ja fast die Tränchen!
    Warum bist Du bloß so weit weg (oder ich?)

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