Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Eine Geschichte aus Ostfriesland

Ein Kommentar

Ich glaube, ja, ich bin mir recht sicher, dass ich an dieser Stelle schon einmal schrieb, dass mein Bruder mich schon mal verkauft hat. Er war mein Zuhälter, der Lude in town.

Etwas mehr als ein Jahr ist es her. Vielleicht auch etwas länger. 18 Monate vielleicht. Mein Bruder und waren in der dörflichen Diskothek. Über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt ist sie. Wir waren spontan da, hatten ein wenig viel getrunken und waren am Tanzen und so. Ein junger Mann kommt zu meinem Bruder und fragt: „Ist das Deine Freundin?“ „Nee, meine Schwester.“ Ende vom Lied: Der Typ gab meinem Bruder 50 Euro und soff mit ihm das Geld auf (auch ich bekan ein wenig. Ein wenig!). Der Deal: Ich musste mit dem Typen flirten und reden, Bruderherz trank sich die Leber kaputt. Ich muss nicht erwähnen, dass der Typ im Prinzip aus der Röhre guckte. Natürlich sprach ich nur ein oder zwei Sätze mit ihm, dann war ich weg. Ich bin ja nicht käuflich.

Nun war mein Bruder am Donnerstag kurz hier, verließ das Haus, und sah meinen neuen Nachbarn. Den ich noch nicht gesehen habe – bis jetzt nicht. Und mein Bruder lachte – und lachte, und lachte. Auf dem Balkon sah er den Typen, der damals 50 Euro für ein Gespräch mit mir gezahlt hat (mal ganz davon abgesehen, dass der blind sein muss – und doof, und ohne Verstand und ach…) und wittert nun das große Geschäft.

Ich finde das ja gar nicht so lustig. Warum muss die Welt nur so klein sein? Ständig trifft man hier die Leute, die man nicht sehen möchte: Den jungen Mann, der einem beim Knutschen mal übel gebissen hat (aus Versehen und Unkenntnis), die doofe Kuh aus der Schule, die sich immer über mich lustig gemacht hat („Zerspringt der Spiegel eigentlich, wenn Du reinguckst?“)*. Warum sind nur die doofen, komischen Menschen hier geblieben und warum sind die netten Menschen in New York, Hannover und Hamburg? Und warum bin ich hier?

Argh – Ich bin doof und komisch**. Schließlich habe ich für 50 Euro mal mit einem Typen geredet.

* Die, die man sehen möchte, sieht man nie. Den Typen, in den ich mit 15 so verknallt war beispielsweise. Wie gerne würde ich den mal wieder sehen. Argh.

** Nein, kein Fischen nach Komplimenten. Nein. Das haben wir nicht nötig.

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Ein Kommentar zu “Eine Geschichte aus Ostfriesland

  1. Du solltest in jedem Fall weiter berichten. Vielleicht findest du ja demnächst omniöse Geldbeträge im Briefkasten, damit du wieder mit ihm redest.

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