Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Von der Zwickmühle

5 Kommentare

Es ist eine unerfreuliche Angelegenheit, wenn Männer (die man mag) sich als Hobbypsychologen versuchen. „Du machst nicht den Eindruck, als würdest Du etwas festes wollen“ ist ein Schlag in die Magengrube.

Der Grad zwischen „Ich wirke als hätte ich es dringend nötig“ und „Ich bin total unabhängig und klammere ganz bestimmt nicht“ ist schmal. Ständig schwankt man hin und her. Bereits Vergebene neigen dazu, zu sagen „Ganz plötzlich macht es Boom und Du bist nicht mehr alleine – gerade dann, wenn man nicht auf der Suche ist.“ Diese Menschen vergessen, dass sie während ihrer Single-Zeit sehr brünftig durch alle Clubs und Diskotheken der Stadt gegangen sind und gar nichts haben anbrennen lassen. Sie waren meist sehr eindeutig auf der „Ich wirke als hätte ich es dringend nötig“-Seite. Aber wer vergeben ist, neigt ohnehin dazu, großmütig Tipps zu geben und auf die Singles dieser Welt hinabzuschauen. Dabei haben sie sich in ihrer suchenden Phase nicht an die nun erteilten Ratschläge gehalten – aber das wird ganz schnell vergessen. Natürlich. (Liebe Freunde – sie wissen schon – sind natürlich nie brünftig durch die Stadt gezogen. Nie.)

„Single-Sein“ hat etwas von Erwähnungszwang. Nicht ganz so sehr wie das „Ich war lange Single, aber nun bin ich vergeben“-Ding, aber schon sehr. Irgendwie fallen Singles schnell auf. Sie sprechen nicht von „Wir“, sondern von „Ich“: „Ich mache dieses Jahr einen Tauchkurs in Ägypten“. „Ich überlege mir, ein Haus zu kaufen.“ Mit Ende 20, wenn alle „Wirs“ bereits ein Haus gekauft haben, bekommt man dann mitleidige Blicke zugeworfen. Aber was soll man stattdessen sagen? „Ägypten soll ja sehr schön sein“ oder „Der Immobilienmarkt liegt derzeit am Boden. Eine gute Gelegenheit, ein Haus zu kaufen?“ Nein, lächerlich.

Wenn dann aber ein männlicher Single in der Runde ist, hat man auch schon verloren. Denn die großen „Ich-Pläne“ fallen ja wieder zu sehr auf die „Ich bin total unabhängig und klammere ganz bestimmt nicht“-Seite. Egal, was man tut: Man macht es falsch. Schweigt man nämlich und beteiligt sich nicht am Gespräch, hat man schnell den Ruf, eine langweilige Dörpflaume zu sein. Es ist zum Haare-Raufen.

Ein guter Freund von mir sagte mal dazu, dass die Männer weniger die „Ich-Pläne“ abschrecken, sondern die Art, wie sie vorgetragen werden. So sehr bin ich dabei im Brustton der Überzeugung, dass Männer nix sind, dass diese auch gleich das Weite suchen wollen. Aber wie soll man denn sonst „Ich fahre nach Ägypten“ sagen? Soll ich dazu in Tränen ausbrechen, meine Arme traurig um mich schlingen und dabei den Männern in die Augen sehen und geradezu flehen: „Bitte kommt doch mit, ich bin so alleine!“. Das wäre dann wieder die „Ich habe es so nötig“-Seite. Argh.

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5 Kommentare zu “Von der Zwickmühle

  1. Ägypten wird überschätzt. Wenn man dazu noch als „wir“ und nicht als „ich“ unterwegs ist, hat man neben der Enttäuschung – denn irgendwie waren Pharaonen, Pyramiden und der ganze Kram ja doch interessant, in den Büchern und Filmen jedenfalls – auch noch einen schlechtgelaunten Mecker-Partner am Hals.

  2. Hmm, lass mich mal zwischen den Zeilen lesen. Ähm, warte, ich hab’s gleich. Ja also … ach, du machst diesen Sommer einen Tauchkurs in Ägypten? 😉 Was übrigens helfen könnte: einfach mal aufs majestätische „Wir“ zurückgreifen. Da darf man sich nicht zu schade für sein.

  3. haha, kommt mir ZU bekannt vor 😉 fast schon amüsant war allerdings, wie ich – die offensichtlich neben person 1+2 und 3+4 die alleinige nr. 5 im tauchkurs war – anfangs von den pärchen dann immer noch gefragt wurde „wohnt IHR auch in dem hotel hier?“ usw. habe hartnäckig im stil von „ja, ICH wohne auch hier“ geantwortet und irgendwann auf verzweifelte frageblicke gesagt, dass ich tatsächlich und wirklich alleine im urlaub bin. man stelle sich vor. schlimm war allerdings der ausflug nach kairo, wo ich im gesamten bus das einzige nicht-pärchen war und die ganzen zweisamen mich komischen single-freak einfach hardcore ignoriert haben.

    tipp für alle alleine reisenden: aktivitäten suchen, bei denen man auch gut alleine klar kommt, tauchen passt da eigentlich ganz gut. da sind dann nämlich immer auch andere leute, die das alleine oder mit „normalen“ freunden machen und man ist nicht automatisch der freak.

    und falls du wirklich auch nach ägypten fahren solltest: meld dich mal, ich kann dir ne sehr gute tauchbasis und ein tolles hotel empfehlen.

  4. hey luna, die info haett ich auch gern bitte. ICH mag nämlich auch gern tauchen^^

  5. voilá, hier der link zur sehr guten & netten tauchschule in hurghada/ägypten mit gleichzeitiger empfehlung für das angedockte hotel: http://www.jasmin-diving.de/ 🙂

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