Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Vom Brennen

5 Kommentare

Es gibt Menschen auf dieser Welt, die haben nichts, was für sie wirklich wichtig ist. Nicht einmal bei den kleinen Dingen sind sie sich sicher. Sie wissen nicht, was ihr Lieblings-Essen ist, womit sie sich selber am Ende eines langen Arbeitstages belohnen können. Sie wissen nicht, wofür sie morgens aufstehen und was sie (neben dem Geld) dazu antreibt, ihren Beruf nachzugehen.

Ich bin ein sehr leidenschaftlicher Mensch. Ich verstehe nicht, wie Menschen Dinge tun können, die sie hassen. Wie Menschen nicht wissen können, was sie wirklich glücklich macht. Oder anders: Ich verstehe nicht, wie Menschen sich ein Ziel setzen können, nur, um es zu erreichen. Sie wollen das Ziel nicht erreichen, weil sie für dieses brennen, sondern weil sie sonst nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen. Leidenschaftslos gehen sie in eine Richtung, so lustlos und uninspiriert, dass man nur mit offenem Mund daneben stehen kann. I can’t get a life if my heart’s not in it.

Natürlich ist es nicht jedem möglich, dem Beruf nachzugehen, für den man brennt. Aber es geht ja nicht nur darum. Es geht darum, dass einige Menschen einfach nicht wissen, was ihnen ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Bei offenem Fenster nach einem Sommergewitter Autofahren, dazu gute Musik auf den Ohren. Ein Glas Wein im Garten, die nackten Füße im Gras. Ein Abend mit Freunden, glühende Wangen und zitternde Hände von intensiven Gesprächen. Ein Teller mit Frikadellen auf dem Bauch, ein gutes Buch in der Hand.

Womit macht man solchen Menschen eine Freude? Und ist es von mir zu sozialromantisch so zu denken? Ist „für etwas Brennen“ ein Modell, das die allgemeine Wirtschaftskrise ausgelöscht hat? Bin ich ein Gutmensch? Naiv, weil ich mich über kleine Dinge (siehe oben) freuen kann?

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5 Kommentare zu “Vom Brennen

  1. No, you can get a life! 🙂

    Wirklich toller Text.

  2. Kennst du die Menschen über die du schreibst gut? Ich glaube, dass jeder Mensch irgendeine Leidenschaft hat, die ein plötzliches Leuchten in den Augen hervorruft. Du sagst, es kann nicht immer die berufliche Selbstverwirklichung sein. Wenn aber genau das das Ziel eines Menschen ist und er/sie realisieren muss, dass die Realität anders aussieht, kann es dazu führen, dass man resigniert und schließlich vergisst, was einen noch glücklich macht.
    Damit ich auf Dauer nicht „verbrenne“ habe ich mir einer Postkarte gekauft: „Es sind nicht die großen Freuden, die am meisten zählen. Es kommt darauf an, aus den kleinen viel zu machen.“ (J. Webster)

    P.S.: Wie war Karneval in Düsseldorf?

  3. Ich kenne sogar einige. Und wenn man sie die einfachsten Dinge nach ihren „Brenn-Elementen“ fragt, kommt keine Antwort. Nach eingehenden Umfragen kann ich – glaube ich – sagen, dass es Menschen ohne Leidenschaften gibt. Leider.

  4. „Ich bin ein sehr leidenschaftlicher Mensch. Ich verstehe nicht, wie Menschen Dinge tun können, die sie hassen.“

    Leute ohne Leidenschaft hassen auch nicht. Daher machen sie nicht Dinge, die sie hassen. Sie sitzen es schlichtweg aus.

  5. Denn das wichtigste ist, dass das Feuer nicht aufhört zu brenn’n…

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