Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Von den Menschen

5 Kommentare

Seit fünf Tagen lebe ich einer so gänzlich anderen Welt, dass es kaum in Worte zu fassen ist. Und das ist keine Übertreibung. Auf die Frage „Wie fühlst Du Dich gerade“ hatte ich keine Antwort.

Ich bin ein Landkind. Ich wohne im ostfriesischen Outback, am Rande eines 3000 Einwohner-Dorfes. Schaue ich aus meinem Wohnzimmer sehe ich meinen Garten, um die Ecke weiden die Kühe, der Deich ist nicht weit und bei auflaufendem Wasser kann ich beim Joggen an der Ems Salz riechen. Ohne mein Auto wäre ich aufgeschmissen. Die nächste Stadt acht Kilometer entfernt, die Arbeit zwischen acht und 80 Kilometern entfernt. Für die Bezeichnung „öffentlicher Nahverkehr“ gibt es nicht einmal eine plattdeutsche Bezeichnung. Wenn ich möchte, kann ich spazierengehen, ohne einem Menschen zu begegnen.

Und nun hier. Mitten im Kohlenpott, in Essen. Seit Montag pendele ich zwischen Überruhr und dem bekanntesten Teil Düsseldorfs – der . Das erste Stück mit dem Bus, dann mit der S-Bahn, mit dem RE, dann – das letzte Stück – mit der U-Bahn. Und überall sind so viele Menschen. Und sie sind so unterschiedlich, dass mir schier der Kopf rauchen möchte. Könnte ich Gedanken lesen, ich würde schreiend am Boden liegen. Doch auch so gerate ich mit dem Gefühl, alles beobachten zu müssen, auf Lächeln lächelnd und auf Schubsen schubsend zu reagieren, in so etwas wie einen Verkehrskreisel. Weil es natürlich jedem egal ist, ob ich lächelnd die Treppen hinauflaufe – und trotzdem gibt es so viel Aktion und Re-Aktion, dass ich abends todmüde ins Bett falle und den Menschen, die ich hier kenne, nicht die Aufmerksamkeit entgegenbringe, die sie verdienen.

Als ob die Bahnfahrt nach Düsseldorf schon nicht anstrengend genug ist, endet sie auf der Kö. Da wo Autos fahren, die ich mir nie leisten können werde, wo der Erwerb eines BMWs gleichzeitig bedeutet, dass rote Ampeln nicht mehr gelten. Wo Frauen in Schuhen laufen, die mir locker meinen nächsten Urlaub finanzieren könnten. Während ich die vergangenen Tage mit nasser Hose und durchweichten Füßen in Richtung Redaktion* lief, sahen die Menschen auf der Kö aus, als seien sie gerade dem neuesten Hugo Boss-Katalog entsprungen. Die Frisur saß, die Kleidung hatte noch keinen Tropfen Regen gesehen. Ich finde es beeindruckend – und furchteinflößend.

Und eigentlich sind es drei Welten, die ich nun in einer Woche gesehen habe: mein Leben auf dem Land, das Leben hier in Überruhr, einen lieben Freund nur wenige Meter von mir entfernt, ein Badezimmer teilend, gemeinsam abends Pizza (oder so) essend und das Arbeiten in Düsseldorf.

Viel zu viel. Ich gehe mal Miss/Mister Badcat suchen und kuscheln. Wenn ich nicht angeschrieen werde. Von ihr.

* Ich hospitiere über Karneval beim Düsseldorfer Express.

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5 Kommentare zu “Von den Menschen

  1. Die nächste Welt kommt bestimmt: Karneval – Alaaf und Helau!!!

  2. Et is doch watt feines wenn isch ne Rolle spiel. Auch wenn dat ja ma nächte woche schön vonnse Karneval abjelöst wird. Alaaf (kein Helau, dann wird sie gehauen glaube ich) und Bützen. Wunderbar. Du wirst so steil gehen – ich freu mich drauf.

  3. Ich würds im Düsseldorf doch besser mit „Helau“ versuchen. (Kölle) Alaaf könnte schlecht ankommen. 🙂

  4. Willkommen in der Welt der Stadtmenschen…
    Und wie Cori schon gesagt hat, wenn du das alles schon so aufregend / beeindruckend und faszinierend (positiv wie negativ gesehen) findest, dann warte ab, bis am Donnerstag um 11.11 Uhr in Düsseldorf die Narren los sind. Ein Spektakel, dass seines gleichen sucht.

    Und zur Kö… Die Kö ist bähhhh… Wobei mir gerade auffällt, dass ich eigentlich keinen Teil von Düsseldorf mag…

  5. We lesen kann ist klar im Vorteil… 😉 Ich meinte natürlich Julia nicht Cori…

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