Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Von den Schätzen

10 Kommentare

(Achtung, Leeraner. Inhaltlich orientiert sich folgender Text an meiner wahrscheinlich am kommenden Montag erscheinenden Leer-Zeile).

Ich hasse Kosenamen. Wobei: Das ist nicht ganz richtig. Ich mag sie schon, wenn sie individuell sind (wie beim Mate und der Maid). Aber ich hasse alle Schätze, Hasen und Goldstücke dieser Welt. Und hassen ist in dem Fall keine Übertreibung. Es macht mich aggressiv. Und es hat nichts mit Neid zu tun. Würde mich ein Mann „Schatz“ nennen – ich würde mich nicht fremdschämen, ich würde mich selbstschämen.

Wenn ich in der Innenstadt an einem belebten Sonnabend das Wort „Schatz“ schreien würde – jeder zweite würde sich wahrscheinlich umdrehen.

Dabei ist Schatz kein „Ich liebe dich“, „Du bist so toll“ und „Du verursachst mir Magenkribbeln“ mehr. Es ist ein besitzanzeigendes Fürwort. Es bedeutet: „Du Schlampe dahinten! Lass die Finger von dem – er gehört mir.“

Kosenamen müssen wachsen. Sie müssen eine Geschichte haben, irgendwas bedeuten. Sie müssen so sein, dass einem das Grinsen aufs Gesicht gezaubert wird und die Ohren gleichzeitig vor Intimität anfangen, leicht rot zu werden. Und ich meine nichts versautes. Aber es gibt diese Sätze, diese Wörter, die für andere vielleicht nichts bedeuten, für nur zwei Menschen wirkliche Nähe bedeuten. Daraus sollten Kose-Namen (wenn schon) bestehen. Nicht aus einem S. einem C, einem H, A,T,Z. Ich sage nun nicht, wie ich von einer Person genannt werde. Aber in dem Fall ist es so. Es ging ein langes, intensives Gespräch voraus. Ein Gespräch, bei dem der Rest der Welt ausgeschaltet war, die Ohren rauschten, es war, als würde man eine Sprache sprechen, die sonst niemand spricht. Daraus entstand dieser Name, der mehr sagt, als diese wenigen Buchstaben aus denen es besteht. So sollte ein Kosename sein.

Vielleicht ist die Angst vor Schatz-Hase-Kosenamen auch einfach die Angst davor, mit seinen (oft pathetischen) Gefühlen in der Menge zu verschwinden. Oder gewöhnlich zu werden.

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10 Kommentare zu “Von den Schätzen

  1. Hasen sind ganz furchtbar. Das schlägt das biedere Schatz aber um Längen. Sowas von.

  2. Ganz furchtbar finde ich übrigens auch männliche Spatzen jenseits der 30, weil das in meinem Kopf einfach so gar nicht zusammenpassen will.

    Ansonsten können Kosenamen wirklich toll sein, auch wenn sie (vor allem für Außenstehende) vielleicht einen etwas merkwürdigen Beiklang haben. Ich jedenfall wäre im Zweifel definitiv lieber eine Kartoffel als ein Schatz.

  3. oh ja, wie ich dir wieder Recht geben muss. War auch ganz lange in der studivz-Gruppe „Paare, die sich „Schatz“ nennen, haben schlechten Sex.“ Bei einigen habe ich ja auch das Gefühl, dass sie den wahren Vornamen des Partners einfach vergessen haben, so intensiv wird er von dem Wort „Schatz“ verdrängt. Unkreativer geht es echt nicht!

  4. @merkwürdiger Beiklang: So wie Edmund Stoibers Muschi?

  5. @Markus: So in der Art.

  6. „Shmoopy!“ „No, you’re Shmoopy!“ „No, you are!“ – Hach, es gibt doch wirklich zu jedem Thema eine passende Seinfeld-Folge.

  7. Es gibt soooo viele furchtbare Kosenamen.
    Bei „Schatz“ habe ich aber immer das Gefühl, dass die Leute einfach zu bequem sind, sich einen vernüftigen Kosenamen zu überlegen. Ich will auch NIE, NIE, NIE Schatz genannt werden. Wer will schon wie gefühlte 99% der deutschsprachigen Menschen genannt werden??? 😉

    Und außerdem finde ich, dass solche Namen irgendwie in die eigenen 4 Wände gehören. Ich finde es ganz furchtbar wenn Pärchen lauthals ihre Kosenamen im Supermarkt, Restaurant, … verkünden!

  8. ich hatte mal einen freund, der hat mich ische genannt. sehr eigenwilliger kosename.
    „schatz“ ist echt eien beleidigung. wer sowas ernsthaft benutzt, ist entweder völlig fantasielos, hört die top100 und guckt sich tom cruise filme an und schenkt sich bärchen. oder hat in der tat aufgrund der hohen bisherigen partneranzahl ein problem, den richtigen vornamen zu treffen.

  9. Manche Menschen können sich WIRKLICH keine Namen merken – und „Schatz“ passt halt immer, wobei ich eher ein lockeres „Hey, Babe“ (nein, nicht wie DJ Ötzi – Babe mit e!) verwende, wenn mir (wie hiess sie gleich? Richtig:) Lorelei gerad entfallen ist 😉

    Besitzanzeigend können übrigens auch Gesten sein – ein Streicheln der Hand im Lokal signalisiert in etwa das gleiche wie ein „Schahatz“ in Richtung Publikum…

  10. Wir kennen uns zwar nicht, aber ich hab deinen Blog gerade gefunden 😀
    Mich macht das Schatzsagen auch agressiv und Schatzsager verstehen das nicht. Man muss ja nur mal die Statusnachrichten im VZ oder bei Facebook durchgehen, oder im MSN und findet überall Nachrichten mit diesem Wort …. einfach total ätzend.
    Oder Schatz ist eine Whore und treibt’s mit jedem 😀

    Mein Freund und ich haben Namen füreinander, die sonst vielleicht keiner hat und das ist auch gut so. Und wenn einem von uns mal aus Geistensabwesenheit ein ‚Schatz‘ rausrutscht, schämen wir uns dafür und fühlen uns dreckig .___.

    Woran genau das liegt, weiß ich auch nicht. Aber das Wort verursacht in mir immer so ne leichte Übelkeit und Abneigung… D:

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