Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Von der Briefmark´schen Lächerlichkeit

4 Kommentare

Sparksamkeit ist Trumpf, sollte man meinen. Wird also belohnt. Oder so. Aber nix.

Die Bekannte hatte nämlich Briefmarken gesammelt, die nicht abgestempelt wurden. Sie hatte sie fein säuberlich ausgeschnitten und beiseite gelegt. Unbenutzte Briefmarken also im Prinzip. Und als ich am Montag eine 1,45-Euro-Briefmarke brauchte, da eilte sie mir zur Hilfe – denn: Briefmarkenautomaten oder Postfilialen sind ja nun auch nicht mehr in jeder Nähe. Also klebte ich die 1,45-Euro-Briefmarke auf den Brief (ein Spongebob-Puzzle-Adventskalender für den Herren aus Breddenberg – aber dazu weiter unten mehr) und warf den Umschlag in Rhauderfehn (!!!) in einen Postkasten. Das war am Montag.

Am Dienstagnachmittag starrte ich aufs Handy. Schließlich war der Kalender ja eine spontane Überraschung. Aber keine SMS nach dem Motto „Oh“ kam an. Nunja, sagte ich mir, die Post braucht eben ab und zu auch länger.

Am Mittwoch kam ich am Abend von der Arbeit nach Hause und fand in meinem Briefkasten in Ihrhove (!!!) den Brief. „Es fehlen 1,45 Euro an Wertmarken“ stand darauf. Ich war verwirrt. Dass ein Brief 2,90 Euro kosten sollte, war mir doch irgendwie suspekt. Der Kalender ist nämlich nur klein. Ein Mini-Puzzle eben, Gewicht maximal 60 Gramm, Höhe nur einen Zentimeter. Aber nun gut.

Am Donnerstag gab mir die Bekannte netterweise noch einmal 1,45 Euro. Ihre Sparsamkeit und gleichzeitige Hifsbereitschaft fand ich super. Also klebte ich die Briefmarke, fein säuberlich ausgeschnitten, auf meinen Umschlag, ging bei ekeligstem Wetter zum Briefkasten in Rhauderfehn (!!!), warf den Umschlag ein und freute mich. Die alte Briefmarke durfte laut Post darauf bleiben, zählte sie doch weiterhin – das zeigte ein Kleber am Umschlag. 2,90 Euro also.

Am Freitag kam ich um 22 Uhr von der Arbeit entgegen und sah schon von weitem, dass ein Brief aus meinem Kasten in Ihrhove (!!!) quoll. Und ich ahnte schlimmes. Der Umschlag mit dem Adventskalender: in den Briefkasten gestopft, ein Kleber von der Post drauf: Bitte machen sie den Umschlag mit 1,45 Euro frei, ihre Marken sind ungültig.

Äh. Muss ich das verstehen?

1. Natürlich ist es nicht richtig, Briefmarken, die die Post vergessen hat abzustempeln, noch einmal zu benutzten. Aber genau so gut könnte die Briefmarken doch gekauft haben, auf einen Umschlag geklebt haben, um dann zu merken: Brauchste ja gar nicht. Ich hätte also (was ich auch schon getan habe) die Briefmarke ausgeschnitten, beiseite gelegt und auf eine weitere Verwendung gewartet. Bedeutet die mir widerfahrene Geschichte nun also, dass Briefmarken ihren Wert nicht verlieren, wenn sie abgestempelt sind, sondern wenn ich sie auf einen Umschlag geklebt habe?

2. Der Brief wurde zweimal in Rhauderfehn eingeschmissen. Die Post hat sie also bereits zweimal nach Ihrhove transportiert, was eine Strecke von etwas über 20 Kilometern ausmacht. Hätte sie den Brief von Rhauderfehn nach Breddenberg geschickt, ohne zu mucken, wären es auch nicht mehr Kilometer gewesen. Sollte ich als Absender vielleicht lieber den Empfänger eintragen, damit die Post den Umschlag dann dahin zurückschickt?

3. Ist die Schließung der ganzen Postfilialen keine wirkliche Einsparungsmaßnahme, sondern Schutz vor wütenden Kunden wie mir? Die nun am Wochenende eine Briefmarke in der nächsten Stadt auftreiben müssen, damit ein Adventskalender, den sie Ende November bereits richtig frankiert und adressiert haben, am 8. Dezember beim Empfänger landet? Und da soll man keine schlechte Laune bekommen?

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4 Kommentare zu “Von der Briefmark´schen Lächerlichkeit

  1. Vielleicht gibt es ja unsichtige Stempel, die nur über postinterne Laser gekennzeichnet sind. Hat deine Kollegin denn Erfolgserlebnisse mit ihrer Methode gehabt? Als Beamtin auf Widerruf kann ich aber nur sagen, dass eine Briefmarke, mit der bereits ein Brief verschickt wurde moralisch und rechtlich gesehen nicht wieder benutzt werden sollte. Sonst wird es zum Betrugsversuch, wie gering er einem auch vorkommen mag. Natürlich mag einem die Verhältnismäßigkeit mancher Ahndungen merkwürdig vorkommen, man denke an die Angestellte, die wegen einer unrechtmäßig verzehrten Frikadelle ihren Job verloren hat.

  2. aber die briefmarken waren ja nicht benutzt! und wie oft passiert es, dass man einen umschlag frankiert und dann merkt, dass die adresse nicht stimmt oder sonst noch so ein kram (also mir ständig). muss ich dann immer eine neue briefmarke kaufen? finde ich doof.

  3. Wenn sie nicht benutzt wurden, d.h. versendet, müssen sie von der Post akzeptiert werden.

  4. siehste! und das können sie ja nicht wissen! so!

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