Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Meine Kurven und ich

5 Kommentare

Die Brigitte schafft sie ab: die spindeldürren, latent bulimischen Klappergestelle, genannt Models. Normale Frauen sollen es nun sein – die, die aussehen wie WIR. Und Karl Lagerfeld wettert dagegen, keiner wolle „runde Frauen“ sehen. Als ob es kein Mittelding zwischen Skelett und Tonne gibt. Und als ob rund gleich hässlich, unerotisch und sonst noch etwas wäre. So viel Intoleranz von einem Menschen, der einem als Zuschauer ohnehin schon sehr viel Toleranz abverlangt – nicht einfach.
Ich als eher runde Frau mit Kleidergröße 42/44 (eher 44 vielleicht….) fühle mich diskiminiert! Sogar noch mehr als von dem Schild vor einer Sportanlage „Eintritt für Männer zwei Euro, für Frauen und Senioren ein Euro“.
Als ob ich ätzend wäre – und keiner mich sehen wollen würde. Okay, in schwachen Momenten fühle ich mich so, als sollte ich mich keinem zumuten, aber wer hat das nicht? Und ich für meinen Teil würde mich als Klappergestell auch nicht wohlfühlen (Ergebnis meiner Serie für meinen Arbeitgeber) – ich möchte ja niemandem in Abrede stellen, sich dürr wohlzufühlen. Aber mit welchem Recht wird dem Leser der MAXI, MYSELF und wie sie alle heissen, solch ein Schönheitsideal vorgesetzt? Warum gibt es für Männer als Rechtfertigungsgrund für ihren kleinen Bierbauch den Spruch „Was wollt ihr Frauen mit einem Sixpack, wenn ihr ein ganzes Fass haben könnt?“ und für Frauen keinen? Und warum habe ich ohnehin ständig das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen?

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5 Kommentare zu “Meine Kurven und ich

  1. Schönheitsideale gehören in die Tonne. Seit Jahrhunderten (oder Jahrtausenden) maltraitieren oder verstümmeln sich scheinbar vorwiegend Frauen im Namen der Schönheit. Entweder sie binden ihre Füße ab, damit sie hübsch klein wirken oder lassen sich Botox unter die Fußballen spritzen, damit sie auf Highheels laufen können, damit ihre glattentwachsten Beinchen besonders grazil und lang wirken. Ok, das sind nur Extreme, aber es reicht doch, dass Frauen fast durchgängig an Minderwertigkeitskomplexen bezüglich ihres Aussehens leiden. Übrigens, ich müsste eigentlich ne Diät und mehr Sport machen und mal wieder dringend zum Frisör gehen 😉

  2. das schlimme ist ja auch, dass egal wie dünn die frauen sind, sie IMMER meckern. meine mitbewohnerin trägt bestimmt 36 oder 34 und selbst sie meckert „ich müsste eigentlich“. ich stehe daneben, sehe sie an und kann nur den kopf schütteln. die selbstwahrnehmung ist inzwischen dermaßen gestört, dass sie nichtmal erkennen, wenn sie diesem „schönheitsideal“ schon entsprechen.
    ich trage keine 36 und werde es wohl auch nie können. deswegen sollte man sich doch nicht schlecht fühlen…und manchmal tut man es doch. ich glaube aber auch, dass sich dieses ideal in der gesellschaft festgesetzt hat und es wird dauern, bis sich das ändert. auch wenn die zeitschriften wieder „normale“ mädchen zeigen wollen. die dove-kampagne macht das schon seit einer weile. und das ziemlich gut. http://diversitymarketing.at/wp-content/uploads/dove.jpg

  3. ich verstehe was du schreibst, teilweise. andererseits bin ich nämlich – nicht gerade füllig by the way und deswegen auch nicht immer glücklich – schon eins der mädchen, die gerne von der guten heilen welt träumen in der – komischerweise – die frauen rank und schlank sind. ich meine aber schlank und nicht klapperdürr. und seien wir mal ehrlich: das schönheitsideal steckt uns doch so in den knochen, dass man normalgewichtige menschen schon auch attraktiver findet als übergewichtige. und weil es zudem noch einen grund gibt, warum models gebraucht werden: sie sind professionell. ach, die vorstellung, durch solche maßnahmen essstörungen abzuschaffen ist doch absurd! da könnte ich wirklich weinen. lieber mal die augen woanders aufmachen und nicht immer über die dürren models schimpfen. die machen auch nur ihren job.

  4. @holly: Es gibt auch übergewichtige Models, die durchaus professionell arbeiten. Wenn man, wie es im Extremfall geschieht, für seinen Job die Gesundheit gefährdet, indem man fast vollständig auf Nahrung verzichtet und um das Hungergefühl zu betäuben Watte isst, hat das für mich wenig mit Professionalität zu tun.
    Dass wir uns am gängigen Schönheitsideal orientieren kann man nicht verhindern, aber man kann das Schönheitsideal hinterfragen. Vor 50 bis 60 Jahren sah es noch ganz anders aus, sonst wäre Marilyn Monroe sicher nicht zur Ikone geworden.
    Natürlich wird man durch Kampagnen, die normalgewichtige schlanke Models bevorzugen, Essstörungen nicht verhindern können, aber man unterstützt und belohnt nicht auch noch indirekt ein krankhaftes Abmagern.

  5. Ich find ja die ganze Diskussion irgendwie bezeichnend für unsere Gesellschaft: Weil viele Mädchen/Frauen sich an Models orientieren, will man auf klapperdürre Models verzichten – anstelle den Menschen das nötige Selbstbewusstsein zu verpassen, dass Aussehen IMMER subjektiv ist und Schönheit im Aug des Betrachters liegt.

    Wer schön ist, ist deshalb nicht gleich glücklich: Falten, Haut- und Haarprobleme, „was sollen die Menschen denken wenn ich ohne Makeup auf die Strasse gehe?“, allein die Zeit für das Aufbrezeln, nur um OHNE TOTALEN INNEREN Horror auch nur zum Einkaufen gehen zu können… Und natürlich: „Sie schauen XYZ jetzt immer auf den Hintern, bin ich zu fett/alt/unerotisch?“ Nein, wer sich über Schönheit definiert, hat glaub ich ne Menge innere Probleme, da die kleinste Erschütterung bewirkt, dass ALLES zusammenbricht. Noch dazu blättert der Lack von uns allen ab.

    Aber eigenwillige Menschen sind nicht gefragt. Schon die Schulzeit lehrt, dass man sich anpassen muss, um beliebt zu sein. Herdendenken, ein Unterordnen vor den Alpha-Männchen/Weibchen. Das geht so im Jobleben weiter. Ob man nun auf Markenklamotten verzichtet, ob man zu dick ist, ob man blonde Haare mit Verstand kombiniert oder offen homosexuell ist, ob man als Kerl einen Fiat Panda fährt oder als Frau selbst am Auto schraubt, ob man in Dortmund Schalke-Fan ist oder als Bayer in die SPD eintritt – immer wenn man vom Erwarteten, vom sogenannten „Ideal“ abweicht, wird man zum Aussenseiter – dabei sind doch genau diese Individualisten, die etwas nicht der Mode wegen, sondern aus Überzeugung machen, die interessantesten Menschen.

    @Holly: Danke für Deine Sichtweise – natürlich sollte einen übertriebene political correctness nicht dazu verleiten, auf alle schlanken oder gar dürren Mädels jetzt herabzuschauen. Oft hat Übergewicht NIX mit Fresssucht zu tun, schlanke Frauen sind deshalb aber auch nicht immer Hungerleider. Wenn Du schlanke Models magst wär es ja falsch, sich gegen sie auszusprechen. Ich persönlich kann mit Models eh nix anfangen, und die typischen Covergirls sind für mich einfach unerotisch.

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