Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Ich bringe mich an Plätze….

3 Kommentare

All die Menschen in meinen Armen

Es ist merkwürdig. Über zwanzig Jahre habe ich in dieser Stadt gelebt und so sehr viele Menschen kennengelernt. Und es scheint mir, dass viele von ihnen noch immer hier sind. Ich traf durch Zufall meinen ehemaligen Deutschlehrer, er heute über 70, ich eine kleine reportierende Ulrike. Er war so glücklich mich zu sehen, dass er mich stürmisch umarmte und gar nicht mehr los lassen wollte.

Ein Ort weiter. Viele Termin danach. Ich treffe mich mit einer ehemaligen sehr lieben Freundin, mit der ich geschäftlich zu tun haben sollte. Wir umarmten uns, standen lachend nebeneinander und redeten über alte Zeiten. Wenn man das mit 27 schon sagen kann.

Ich weiß, was für ein Wetter über der Stadt lag

Der Übergang von Herbst zum Winter in Ostfriesland hat von Klimakatrastrophe noch nie was gehört. Nebel liegt sowas von über der Stadt. Selbst zwischen den Häusern liegt schwerer Nebel, der einen in wenigen Minuten durchnässt und die Grippeviren Salsa tanzen lässt.

Ich bringe mich an Plätze

Ich kenne die Stadt. Die Straßen, Ecken, Plätze, Abkürzungen und Schleichwege, um dem obligatorischen Stau ein Schnippchen zu schlagen. Die meisten Plätze und Gebäude sind voller Erinnerungen. Vom Weggehen und Vorglühen, von Liebeskummer und kleinen bis großen Dramen, vom verstohlen in sich hineingrinsen. Das Haus in dem ich mal gewohnt habe, ist endlich saniert worden. Wurde Zeit. Beinahe zwei Jahre bei knapp 30 Grad duschen war keine Freude.

Nur ein Gefühl macht sich breit. Meine Erinnerungen wurden von denen anderer überlagert. Sie liegen unter neuen Dramen, neuem Vorglühen, neuem in sich hineingrinsen. Es ist als ob ich die Stadt für mich neu entdecken müsste. Neue Erinnerungen, bestimmt kein neues vorglühen, lieber mehr in sich hineingrinsen.

All die Menschen die schutzlos stehen. So wie ich, so wie wir.

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3 Kommentare zu “Ich bringe mich an Plätze….

  1. Gibt es eigentlich auch eine Ostfrieslandhymne? Die könnte man beim Lesen dieses Textes fast anstimmen.
    Ich habe ja nur gelernt: „Schleswig-Holstein stammverwandt, wanke nicht mein Vaterland…“ Schaurig schön und weniger politisch belastet als das Hitlerjugendlied, das musikalisch und funktional gesehen ein Knüller ist – meine Oma kann’s nach 63 Jahren immer noch auswendig Allerdings werde ich mit 80 auch immer noch den Benjamin Blümchen Song kennen – kommt halt drauf an, wie stark man mit einem gewissen Liedgut in seiner Kindheit infiltriert wird.

  2. Ich kenn diese Gefühle ;). Manchmal wenn ich bei meinen Eltern bin, fahre ich auch noch kleine Umwege um die alten Straßen oder Plätze an denen man als Kind und Jugendlicher gespielt und gelebt hat noch mal zu sehen. Dann kommen auch wieder all diese Erinnerungen hoch. Und ich bin auch erst 29… 😉

  3. Ich wohne jetzt seit fast zwei Wochen genau im gleichen Ort und in der gleichen Straße wie früher mit der Family.
    Das ist schon schön. Allerdings war ich, als ich vor ein paar Jahren weg gezogen bin, sehr froh dieses „Dorf“ verlassen zu können. Ich bin ja mal gespannt, wie lange dieses schöne „Wieder-Zurück-Zu-Hause“-Gefühl noch anhält und ich in mich hineingrinsend und in mit tollen Erinnerungen durch die Gegend laufe/fahre…

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