Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Die unendlichen Weiten der Langeweile

8 Kommentare

War ich eigentlich nur Freitag krank geschrieben, taten mir dieses Wochenende alle Teile meines Körpers so sehr weh, dass ich mich streckenweise nicht bewegen wollte und/oder konnte, Ende vom Lied: morgen wieder Arzt, wahrscheinlich noch viel länger krank geschrieben. Prellungen und Schleudertrauna sind halt nix womit man Witze macht – das weiss ich jetzt auch. Das schlimme nur: meinen Laptop hat es zerlegt, ich komme nicht an meine Spiele, meine Musik, meine Email-Postfächer (bis auf eins – ulrike.b****@****.com) und ja: Passwörter sollte man sich schon irgendwie notieren….), ich habe alle Bücher durchgelesen, tröste mich nun mit alten Kinderbüchern, die ich bei Muttern unten im Keller gefunden habe (die ich aber größtenteils einfach schon kenne). Alle Kreuzworträtsel in diesem Haushalt sind gelöst, ich habe sogar einen Liebesbrief (naja, es ist ein Brief) geschrieben, den ich nie nie nie nie abschicken werde, habe mich am Fernsehprogramm versucht, das mir irgendwie zu stumpfsinnig scheint, habe alle Katzen in Grund und Boden gekuschelt, den Garten in seiner herbstlichen Pracht fotographiert (bekomme die Bilder aber nicht von der Karte runter, da das Kartenlesegerät die Karte nicht akzeptiert), meine Haare bereits mehrmals geflochten und diverse Dinge mit meinem Pony ausprobiert. Dazu habe ich gestern versucht, Auto zu fahren (es ging, aber nur ein bisschen), Köttbullar selber gemacht, Stricknadeln gesucht, damit sich vielleicht jemand über einen Schal und Mütze freuen kann, aber keine gefunden (ich habe das meiste ja noch in OL), mir Gedanken über Jörg Haider, Weltwirtschaftskrisen und das Jahr 1929 gemacht, eine kleine Liste mit Dingen aufgestellt, die ich in meinem Leben noch tun sollte und eine Freundin über den Fall „Jens Lehmann“ aufgeklärt.

Ausserdem tyrannisiere ich meine Familien mit Erkenntnissen über die Nebenwirkungen der mir verschriebenen Medikamente, teile ihnen in allen EInzelheiten den Status meiner extremen Langeweile mit, trinke mehr Tee als mir gut tut, habe eine Theorie entwickelt, warum Medikamente einfach nicht schmecken dürfen (der normale Mensch denkt vielleicht, dass sie nicht schmecken, damit man nur ja nicht freiwillig diese Dinger einwirft. Ich glaube: die Leute, die die Medikamente entwickeln, interessieren sich einen Dreck für uns Konsumenten und haben keinerlei Geschmacksnerven. Wahrscheinlich aufgrund des starken Drogenkonsums…), habe mir alle Fingernägel abgekaut, mich über diesen Artikel köstlich amüsiert, mein WIssen über U-Boot-Unglücke nach 1945 beinahe lückenlos ergänzt und beschlossen, dass es Zeit wird,  den Baikalsee zu bereisen (die haben mittlerweile einen richtigen Wanderweg– zumindest an den meisten Stellen!).

Noch ein paar Tage mehr und ich bringe mir selber das Klöppeln bei. Aber vielleicht habe ich bis dahin auch die Nachbarn überfallen, damit die mir bei der verflixten russischen Aussprache helfen und meinen äußerst mageren russischen Wortschatz erweitern. Vielleicht um: „Mir ist langweilig,“ „Mir fällt gleich die ISS auf den Kopf,“ und „Ich hätte gerne noch mehr von dem leckeren Kuchen, Frau R.“

Was sind eigentlich die korrekten russischen Ansprachen für „Herr“ und „Frau“?

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8 Kommentare zu “Die unendlichen Weiten der Langeweile

  1. Hach, toller Eintrag, toll geschrieben! Ich bin heute ein bisschen verzweifelt, aber jetzt bin ich ein bisschen beglückt 😉

  2. hm, russisch kann ich leider nicht. ich kanns dir aber für tschechisch verraten, da heißt es pan (bzw. bei der anrede pane, der belebte maskulin hat im singular einen vokativ) und paní. immer auf der ersten silbe betont. vielleicht ist es im russischen dann ähnlich. in meinem sprachkurs war damals ein russischer muttersprachler, der immer, wenn er was auf tschechisch nicht gelernt hatte, es auf russisch sehr undeutlich gemurmelt hat. oft kam er damit durch, also könnte es auch in der anderen richtung funktionieren.

  3. Der Baikalsee klingt aber auch schwer nach ARD-Weihnachts-Reise-Reportage, also die Reportage-Serie, in der sich alternde.. äh.. verdiente Journalisten den Urlaub von der GEZ bezahlen lassen. Und hinterher ein Buch rausbringen. Aber meistens doch immer (hoch-)interessant ist.

  4. Wenn Du Kevins Rauswurf schon witzig fandest, kannst Du Dich über uns Österreicher noch viel mehr amüsieren:

    (1) Wir schaffen gegen die Fussballgötter der Färöer-Inseln 18 Jahre nach der legendären Niederlage diesmal zumindest einen Punkt: 1:1, hurra!

    (2) Das Spiel wurde im ORF live übertragen, aber die Deppen hatten kein Bild – da gab es 90min den eingeblendeten Text „Unser Vertragspartner hat uns hängen lassen – geniessen Sie die Übertragung im Stil einer Radioreportage.“ zu sehen, Eine Glanzstunde des Fernsehens!

  5. @ kesro: immer wieder gerne!

    @ foxi: werde mich – sobald ich nicht mehr krank bin – bei der arbeit in die halle stellen und das mal schreien. wenn die richtigen sich umdrehen, weiss ich bescheid!

    @ nummer 9: die gez bezahlt meinen urlaub?

    @ tigger: diw wissen wohl, warum sie kein bild gezeigt haben. bei einigen spielen meiner mannen habe ich mir nämlich eben jenes gewünscht: bildausfall! die wollten euch nur schonen!!!!

  6. Im Russischen ist das etwas tricky, da man eigentlich niemanden mit „Herr“ oder „Frau“ anredet. In der Sowjetunion sagte man Tovarischtsch (Genosse) und Tovarischtscha (Genossin) Sowieso, was sich verständlicherweise überholt hat. Im heutigen Russland ist das Äquivalent zu unserem Siezen, jemanden mit Vor- und Vatersnamen anzusprechen, also z.B. Ivan Ivanovitsch oder Vera Ivanovna. Ohne Nachnamen.
    Es gibt zwar die Worte Gospodin (Herr, ausgesprochen wie Gaspadín) und Gosposcha (Frau, ausgesprochen wie Gaspóscha), diese stammen aber ursprünglich aus zaristischer Zeit und meinten damals einen Gutsherren und seine Frau. Heute benutzt man sie eigentlich nur für Ausländer.

  7. vielleicht wollte der kevin auch einfach nur ausm stadion raus. ist halt nich so einfach fuer nen scha… (bald waere es mir ueber die lippen gekommen *g*) in der hoehle des feindes zu sein. da kommen schlechte erinnerungen wieder hoch!

  8. Stricken und klöppeln ist doch schon mal ein Ansatz. Ich bräucht da noch einen Wärmflaschenbezug in Schwarz mit roter Schwanenapplikation bis zum 27. Oktober, engmaschig gestrickt.
    Interessiert an ner Auftragsarbeit? Ich bitte profundes Häkelwissen im Austausch an….! Oder ein lecker Rezept für rotes Curry mit Lychees.

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