Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Nr 9 lebt!*

10 Kommentare

Ich war gestern mal wieder beim Fußball. Nicht als schnöde Spielerfrau, sondern als ehrlich Interessierte (unter anderem an einem der Spieler, ich gebe es zu!). Dabei hatte ich das äußerst zweifelhafte Vergnügen, neben dem zu stehen, was ich gerne als Waldorf und Statler bezeichne (A. sagte danach nur: „Aber Du wusstest doch, was Dich erwartet, wenn Du Dich neben solche stellst!“). Solche sind die älteren Herren am Rande des Fußballplatzes, die alles, aber wirklich alles, besser können. Selber nie auch nur einen Ball vor den Füßen gehabt (Ich hatte mal nen Ball vor den Füßen, aber wir harmonierten sowas von gar nicht miteinander!), Zuhause nix zu sagen, aber auf dem Platz werden sie zu Experten, zu kleinen Netzers und Dellings, und da wir uns in Ostfriesland befanden: zu Karl Dalls und Ottos des Fußballs. Also reden tun die ungefähr so (Stapelmoor liegt hier gleich, daher gute Vergleichsmöglichkeit).

Zu Beginn des Spiels sind sie meist noch etwas zurückhaltend. Wer spielt heute, wer spielt nicht, wer warum nicht und hat der Torwart wohl zuviel gegessen (tatsächlich wurde er doch letztens bei McDonalds gesehen!)? Nach dem ersten Bier, dem ersten Schnaps wird es dann schon heimeliger. Tipps auf den Spielausgang werden abgegeben und erste ernste Fragen gestellt: „Der Hagen, der läuft heute unrund. Liegt das wohl an der OP von vor vier Jahren?“ Aber dann – und gestern wieder zu sehen – kommt die präferierte Mannschaft in Not (sie lag durch unglaublich gute Vorlagen meiner Nummer 9 zurück) und dann gehts los: „Ist ja auch kein Wunder! Was lässt er den Dicken auch überhaupt auf den Platz?“ „Naja, aber guck Dir den Gegner auch mal an! Das sind doch alles Verbrecher! Wie die schon aussehen….““Tja, kommen eben vom Fehn. Was lernt man da auch, ausser zu bolzen? Richtigen Fußball zumindest nicht!“ (Entrüsteter Blick meinerseits! Ich war schliesslich nur wegen des Gegners da!!!).

Halbzeitpause. Männer rufen Frauen an „Sag mal Zwischenstand Bundesliga an…““Verdammt, das ist zweite! Erste ist da wo Werder spielt!!!“ Nächster Schnaps. Nächstes Bier.

Spiel wurde leider gedreht. Heimmannschaft gewann 4 – 2. Gute Laune bei den alten Herren. „Tja, der Horst, der hat die Trennung von seiner Freundin ja ganz gut verkraftet.““Ja, aber unter uns: das war ja auch ein Flittchen!““Na immerhin trifft er wieder.““Ob er jemals wieder bei einer Frau treffen wird?“ Hoho. Schenkelklopferhumor galore. Den findet man in ohnehin in seiner exquisitesten Form auf dem Platz. Beispiele? „Wenn der bei seiner Frau so zupacken würde, wäre die sicherlich nicht immer so schlecht gelaunt.“ „Dem ist ja die Frau weggelaufen. Kein Wunder, dass der sich nun an seine Mitspieler rankuschelt.“ „Wenn er den versenkt, darf er auch bestimmt mal wieder bei seiner Frau versenken.“ Fußball und Sex/Beziehung scheint eine Kombination einzugehen, die die Männer am Rand immer wieder zu neuen Flachwitzen inspiriert. Würden nebenbei noch Pornos laufen, ich glaube, die Männer würden den Platz nicht mehr verlassen.

Nunja. Eine Wahrheit haben sie gestern immerhin von sich gegeben: „Deren Nummer 9: das ist ein guter Mann.“ Ja, finde ich auch.

* Keine Liedzeile, sondern der verzweifelte Versuch, sich vielleicht von dieser Gewohnheit zu lösen und sich mal selber Gedanken zu machen…

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10 Kommentare zu “Nr 9 lebt!*

  1. Na, unterhaltsam war’s ja auf jeden Fall! Dort kann man ja mindestens so schön Menschen beobachten wie in der S-Bahn 😉

    Ich hätte nicht gedacht, dass Dortmund und Schalke gut im Synchronschwimmen sind, aber man soll ja immer für alles offen sein 😀

  2. Tja, wenn ich nicht mit Fußball für einige Zeit fertig wäre, würde ich wohl sagen dass ich zwar ebenfalls mit dem Ball nicht glücklich wurde (obwohl ich ein Genie am Ball war, aber es immer mit schlimmsten Knöchelverletzungen verbunden), aber dennoch nie so schlimm kommentiere. Vielleicht bin ich aber auch noch schlimmer: Ich liege bei so Spielen meist in der Sonne und verpasse sogar die Tore. Aber ist Desinteresse schlimmer? Ich weiß nicht. Nur so richtig ernst nehmen kann man das doch auch nicht oder?
    Aber witzig ist das allemal.
    PS: Wer die Neun auf dem Rücken hat … und NUFC mag…..Hach 😉

  3. aber nen indischen spion hatte ich nicht dabei… 😉 nur spielerfrauen, alte männer und die ersatzspieler (beinahe alle mit schweinigedächtnisfrisur).

    aber: neeeee… dann suchen wir uns einen verein, der was kann und bei dem man nicht ständig angst haben muss, dass besitzer, sponsoren und fans amok laufen. björn und ich müssen langsam auch mal auf das herz und den hohen blutdruck achten!

  4. @ björn: sags doch nicht auch noch! alan shearer, der dunc… oh mann!

  5. das mit den songtexten unterm eintrag und in der überschrift ist echt ne sucht. es findet sich aber auch eigentlich immer was schön passendes 😉

  6. Das ist auf jeden Fall ne sehr gute Einstiegshilfe!

  7. Die Überschrift kann ich hiermit bestätigen.

  8. ja hallo! herrlich, herrlich! ist doch überall das gleiche! Da ich ja seit neuestem wieder als Spielerfrau agieren, kann ich das nur bestätigen. Du hast alles originalgetreu wiedergegeben. Und ich muss sagen, vom soziologischen Standpunkt lassen sich da sachen beobachten! Und ich mittendrin mit nem Bier!
    Ulle du müsstest dabei sein!

  9. Pingback: Prinz Valium at Work « So who´s that girl there

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