Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Last Days II

6 Kommentare

Fragen – und Antworten.

Björn:
1) Welchen Prozentsatz an Kunden würdest du als sexy beschreiben?

Wenn es hochkommt: 5%. Männer und Frauen schon zusammen gezählt. Also: wenn ich Frauen sexy finden würde, wären da ein oder zwei bei denen man sagen könnte: Yoah….. Die bessern die Quote also vielleicht um 0,5 Prozent auf.

2)Wie oft hast du gedacht, die versteckte Kamera wäre da?

Tausende Male. Kunden, die Kondome und Raumduft kaufen; Kunden, die von der Unterwäsche des Sohnes erzählen und einfach welche, bei denen man nicht wusste, ob sie betrunken oder verrückt sind.

3)Was ist das Beste am Umgang mit Kunden?

Kunden, die in einem nicht nur die Verkäuferin sehen.

4)Was das schlimmste?

Respektlosigkeit. „Ist halt nur ne dumme Verkäuferin.“ Wenn einige wüssten, was man alles im Kopf haben muss, denen würde das Herz im Leibe stehen bleiben.

5)Kannst auch du einen Unterschied im Verhalten feststellen wenn Vollmond ist oder war?

Die Menschen sind furchterregend – es ist 20 Mal im Monat Vollmond.

6)Bezahlen bei dir auch alle mit großen Scheinen am Ende des Monats wenn Gehalt kam und mit Cent Stücken gegen Ende?

Oder das Arge-Geld. Aber in der Tat. Zu Beginn des Monats noch einen auf dicke Hose machen („Stimmt so. Rest kannste behalten.“), am Ende des Monats auf Rabbatierung hoffen. Pfh!

7)Nervt es dich auch so extrem, dass die alle nicht mehr Hallo sagen können?

Und wie! Das brachte mein Blut mehr als einmal in Wallung. Unverschämtes Pack, das rumläuft.

Tigger:
8) (nach Supersonics Fragen): Welcher Geruch nervt mehr: Viel zuviel Parfüm oder normal angeschwitzter Mensch?

Parfüm. Da bekommt man manchmal keine Luft mehr. Vor allen Dingen dieses 2Euro-Parfüm ausm Flieger macht mich völlig fertig – Lunge kollabiert und so. Ganz schlimm aber: Ungeduscht mit Parfüm übertüncht. Da dreht sich mir der Magen um.

9) Wie viele Tage, an denen man genervt heimgeht, stehen wie viele Tage der Form „Wow!“ entgegen? Ein paar Stories von beeindruckenden Kundenbegegnungen hattest Du ja schon geschrieben.

Ich bin eindeutig öfter angenervt nach Hause gegangen. Liegt aber auch daran, dass viele Kunden kurz vor Ladenschluss noch reinstürmen und ihre Eheprobleme diskutieren wollen. Bin ich Psychiater? Bekomme ich meine Überstunden bezahlt? NEIN!

10) Wie oft hast Du nach einer Gehaltserhöhung gefragt, und wie oft wurde sie genehmigt?

Mehrmals. Nie.

11) Jemals blau gemacht, Dich krank gestellt obwohl es Dir super ging?

In dem letzten Laden nie, da, wo ich vorher war: einmal. Ich wollte abends trinken gehen und brauchte ne Mütze Schönheitsschlaf.

Seth:
12) Was war das lustigste sprachliche Missverständnis?

Das lustigste sprachliche Missverständnis ist auch wohl gleichzeitig das menschlichste und ekeligste. Dazu muss ich vielleicht erklären, dass einige Kunden sehr distanzlos sind und Geschichten über Durchfallerkrankungen und Lebensmittelvergiftungen sehr ausgeschmückt werden. Nunja, Kundin „Oh, ich habe solche Scheißschmerzen.“ Ich: „Hmmm.“ „Also wirklich. Ich kann kaum sitzen.“ Ich: „Oh, das tut mir leid.“ Kundin: „Hast Du da keine Probleme mit?“ Ich: „Äh, nee. Wieso?“ Kundin: „Na ja, haben wir doch alle mal.“ Ich: „Hmmm…“ Ich könnte stundenlang weitererzählen… Aber die Essenz: Ich dachte, sie hätte Hämorriden und wollte mich schnell aus der Affäre ziehen, sie hatte aber ihre Tage.
Das größte Problem sind aber sprachliche Ungenauigkeiten bzw. die Tatsache, dass viele einfach einen sehr geringen Sprachschatz haben. Aus Korkenziehern werden Verschlusszieher, aus Teppichkleber Stofftesa, aus Pfannen Bratlinge (Bratlinge sind – für Seth und Jennifer – eigentlich kleine gebratene Fladen aus Hackfleisch, Gemüse oder Getreide).
Und sehr beliebt: falsche Aussprache. Die Texter machen sich hunderte von Gedanken um den richtigen Namen und was kommt dabei raus? Aus Dove wird Doofe, aus Nivea ein Nivä (da hat jemand mitgedacht), aus Gliss Kur ein Gli Kür (frankophil?) und aus AOK wird die Krankenkasse A-O-K.

Daniel:
13) Was steht als nächstes an?

Um Geld zu verdienen, erstmal Arbeit als Gabelstaplerfahrerin. Ja, ich habe dafür einen Führerschein. Ja, ich kann auch fahren. Und nein: es gibt keine Klamotten für weibliche Gabelstaplerfahrer. Foto folgt. Versprochen.

14) Auf was dürfen wir uns in der nächsten Staffel von „Ulrike- ihr Leben“ denn so freuen?

Gabelstapler, Ulle inne Industrie, Ulle im Blaumann, Ulle sucht das Glück und neu: Ulle wohnt erstmal wieder bei Muttern. Weil Arbeit so viel näher dran.

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6 Kommentare zu “Last Days II

  1. Stofftesa ist gut…

    Viel Erfolg auf’m Gabelstapler, mich würde man nach 3 verschlissenen Gabelstaplern und ebenso vielen Arbeitstagen wohl ohne Ehren entlassen…

    Wenn der Gabelstapler mal nach Dresden fährt, gib Bescheid 🙂

  2. Zur Respektlosigkeit:
    Das ist etwas, was mich im Callcenter auch immer wahnsinnig gemacht hat, besonders bei den männlichen „Geschäftsmännern“, die einen von oben herab als dummes Telefonmäuschen behandeln. Denen möchte man am liebsten auf den Kopf zusagen, daß man 6 Sprachen spricht und über Dinge Bescheid weiß, von denen sie selbst noch nie etwas gehört haben.
    Zur Gehaltserhöhung:
    Schon bei der Frage habe ich süffisant gelächelt. Vor 5 Jahren, als ich ins Callcenter-Business einstieg, lag mein Stundenlohn bei 7,50 brutto. In diesem Jahr dann bei – ja, genau, 7,50 brutto.

    Ulrike wohnt jetzt wieder bei Muttern? Da wo es das tolle Frühstück gibt? Wann können wir zu Besuch kommen?

  3. Gabelstapler fahren – YEAH! Während der Lehre hab ich einmal auf einem gesessen, mit der Hinterrad-Lenkung wär ich auch fast an der Halle entlanggeschrammt. Das ist ein cooler Job, ich würd ihn in kommenden Bewerbungen farblich hervorheben 🙂

    Ansonsten: thx für die Antworten, sehr interessant. Du hättest mit mir als Kunden übrigens auch dauernd was zu lachen *g*, denn ich behandle Verkäufer grundsätzlich wie jeden anderen Menschen auch. Die meisten reagieren daraufhin überrascht.

    Was die Geschäftsmänner angeht: Es gibt kaum Jobs, in denen man von solchen Blendern und Schaumschlägern nicht verschont bleibt. Ich muss ihr abfälliges Gehabe und deren geringschätziges Grinsen auch dauernd ertragen, anderseits durchschaut man schnell, wie erbärmlich deren Leben ist, da will man fast lachen 🙂

  4. Ich werde das vermissen! Obwohl die Aussichten auch interessant klingen! Vielleicht öffnen sich da völlig neue Welten? 😉

  5. Das bietet ja genug AUssicht auf neue, interessante Berichte 😉

    Ich weiß gar nicht, warum manche Menschen immer so unfreundlich zu Kassierer/innen sind. Eigentlich gilt doch: Sag freundlich Guten Tag und du bekommst Freundlichkeit auch zurück. Manchmal weisen sie dich dann sogar darauf hin, dass du im Sonderangebot das produkt fürs gleiche Geld doppelt bekommst. 😀

  6. Doofe und Dove: Noch besser daran ist die Tatsache, dass dove zwei Sachen auf Englisch heißt: der Vogel und das Imperfekt Tauchens. You might say, on that day, that Dove dove.

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