Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Alles zu judgen, was einem missfällt…

6 Kommentare

Würde ich momentan ja eine Menge. Und wenn es nur ein odentlicher Tritt vors Schienbein wäre…. Oder ich den Mut hätte, den Leuten die Wahrheit ins Gesicht zu sagen ohne zu kneifen wie ein kleines Mädchen! Nunja. Manchmal gibt es halt schlechte Zeiten* und ich halte mich da zur Zeit an ein Gespräch mit einer Freundin, nachts in meiner alten Wohnung mit einer Falsche Grasovka, Apfelsaft, Pizza und dem festen Vorsatz in die Stadt zu gehen, der dann dem dringend nötigen Schlaf zum Opfer fiel. Die Essenz dieses Gesprächs war: „Egal, wie schlecht es auch irgendwann aussieht und egal, wie schlecht es Dir irgendwann geht: es kommen bessere Zeiten.“ Und dann grinste sie in sich hinein und gedachte ihres Freundes in Spanien.
Und an Freunde sollte man sich halten. Die liebevoll Witze über einen machen, in richtigen Zeitpunkten Waffeln mit Marmelade servieren und so. Und sich irgendwas suchen, was trotzdem witzig ist. Die Nachbarn hier in Ihrhove vielleicht. Wobei es zu Beginn vielleicht ganz witzig war, momentan aber eine beinahe tragische Komik an den Tag legt. Denn diese Nachbarn bespitzeln mich und meinen Bruder. Meine Mutter und mein Stiefvater sind im Urlaub und so wäre Tebbe ja alleine, wenn ich mich nicht hierher verkrochen hätte. Nunja. Kommen mein Bruder und ich von irgendwo wieder, sitzen die Nachbarn R. und M. am Küchentisch starren raus und machen sich gegenseitig darauf aufmerksam, dass wir nun ja wieder heimische Gefilde erreichen. Das ist noch sehr amüsant und Tebbe und ich nannten sie ob ihrer Herkunft IMs der Stasi. Am Donnerstag aber, und da hört der Spass auf, fingen sie an, unseren Müll zu durchsuchen, klopften des Nachts an die Scheibe um uns mitzuteilen, dass sich Restmüll im falschen Säck befände und das alles in einem Ton, der dem hartgesottensten die Wut ins Gesicht getrieben hätte. Schlimmer wurde, als sie sich tagsdrauf beim Vater meines Stiefvaters beschwerten, wir würden die Musik im Badezimmer extra laut machen, damit sie nicht schlafen können. (Stimmt übrigens seit gestern. Da musste ich beim Zähneputzen eine kleine Tanzeinlage einlegen und dachte mir: „Wenn sie sich das eh schon einbilden, dann kann ein Schuß Realität den beiden auch nicht schaden!) Und heute, ich räumte gerade den Tisch ab und hörte im Radio, dass für Niedersachsen Starkregen gemeldet werden würde, goß sie im Garten des Vaters meines Stiefvaters Blumen (nicht, dass der Boden eh noch feucht von letzter Nacht war! Neihein!) mit einer Kindergiesskanne und beobachtete mich, wie ich die Geschirrspülmaschine aus- und einräumte und den Tisch abwischte. Erst als ich vehement zurückstarrte und spöttisch meine Augenbraue hochzog, raffte sie ihre Kittelschürze und eilte ins Haus.

Logbucheintrag Ulrike: IM R. und M. sitzen am Küchentisch und beobachten, ob Guerilla Ulrike den Müll in die richtige Tonne einfüllt. Guerilla Ulrike entdeckt Gummihandschuhe von IM R. und M. in der Gartentonne und hält diese hoch in Richtung IM R. und M. Böser Blick, IM R. und M. machen sich gegenseitig Vorwürfe. Guerilla Ulrike hofft, dass dies zur Zerstörung der Zelle IM R.s und M.s führt…..

* Nach einer Jobzusage eine Absage, Stress in der WG, Freunde, die OL verlassen, Perspektivlosigkeit, dass merkwürdige Gefühl, dass das Leben an mir vorbeifliesst, während ich als Verkäuferin mein Dasein friste……

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6 Kommentare zu “Alles zu judgen, was einem missfällt…

  1. Mein Beileid zur Absage! Life can be a bitch 😦

    Aber zu anderen Themen: Natürlich gehts weiter, irgendwie ist – so abgedroschen es auch klingt – jede Entwicklung des Schicksals halt auch ein erneutes Mischen der Karten, neue Türen, die sich auftun, neue Möglichkeiten… Und wenn es Dir etwas dabei hilft: auch andere haben immer wieder düstete Momente, in denen ihnen bewusst wird, wie das Leben an einem vorbeifliesst und man nichts aus sich macht. Selbst wenn sie eigentlich alle Möglichkeiten hätten.

    Aber wir beide werden uns schon wieder aufrappeln, ok?

  2. näh! pferde satteln, weiter reiten. und immer den kopf oben halten. aber ab und zu muss einem das auch gesagt werden….

  3. Der Text hinterm * kommt mir wirklich sehr bekannt vor. Und was meine WG anbelangt… Irgendwie gibt es mir ja schon zu denken, dass momentan nicht einmal mehr der Bruder der Madame gerne im Grummeltempel verweilen mag.

  4. Puhh, wenn’s nicht die Nachbarn Deiner Eltern wären, würde ich ja sagen: Mal ordentlich anbrüllen, geht ja gar nicht sowas… Aber man will ja die Eltern nicht in eine missliche Lage bringen… Also, Augen zu und durch und den Nachbarn demonstrativ freundlich winken, wenn Du wieder wegfährst!
    Und wegen der Jobabsage: Tut mir leid für dich und ich wünsch‘ Dir alles Gute!!

  5. Wie Absage nach Zusage? Darf man sowas? Die sind doch blöd! 😦

    Aber die ersten Sätze haben mir glatt ein Tränchen entlockt. Hatte eben nur den ersten Eintrag gelesen… Ich wünsche mir sehr, dass sich das für dich ebenso bewahrheitet. Am besten sehr bald.

  6. Pingback: Die unendlichen Weiten der Langeweile « So who´s that girl there

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