Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Sekt und Fanta*

6 Kommentare

Gestern hatte mich eine Kundin unseres Ladens zum nacharbeitlichen Kaffee und Kuchen eingeladen. Es war so süß! Sie kam am Dienstag in den Laden und fragte mich, ob wir nicht mal schön einen Kaffee trinken wollten. Dazu muss gesagt werden: Frau S. ist 85, kommt ausm Pott (Bochum) und ist mal sowas von resolut wie ich in dem Alter gerne sein möchte. Also zugesagt und dann gestern abend hin. Und was soll ich sagen: es war total toll. Und unglaublich interessant. Ich musste zwischendurch immer wieder denken: Was man mit 85 schon alles erlebt hat! Sie erzählte von ihrer Ausbildung mit 15 Jahren (muss so um 1933 gewesen sein), von ihrer Heirat (während des Krieges), wie sie ihren eigenen Laden eröffnete (während des Wirtschaftswunders) und und und. Und mal wieder hatte ich den Wunsch zu wissen, was ich in 50 oder 60 Jahren zu erzählen habe. Was habe ich erlebt? Welche gesellschaftlichen und politischen Umbrüche habe ich mitbekommen? Habe ich Familie? Und wenn ja: was habe ich mit ihnen erlebt? Werde ich über den Mann meines Lebens genaus so wie Frau S. sagen: „Die 25 Jahre Ehe (er ist früh gestorben) waren wie ein einziger Tag und jeder Tag ohne ihn ist wie hundert Tage.“ (Ja, da musste ich sehr schwer schlucken!)?
Nach Kaffee und Kuchen ging es dann aber erst richtig los: Sie ging zum Kühlschrank und holte zwei Flaschen Sekt und eine Flasche Fanta raus: „Soo, und nun machen wir beide es uns richtig gemütlich.“ Hätte Floitler nicht vorher schon das gemeinsame Fußballgucken abgesagt, ich hätte es absagen müssen. Bis elf Uhr saßen wir in ihrem Wohnzimmer und ich hörte spannende Pottgeschichten, großes Geschimpfe über alte jaulende Leute und witzige Anekdoten über die tollpatschige Schwester (die sich mit einer kaputten Hüfte in eine Badewanne legte und von der Feuerwehr nachts herausgehoben werden musste oder sich auch 40 Jahre nach dem Krieg weigerte, nachts Lichter anzumachen, wenn sie zur Toilette ging und sich so diverse Körperteile brach „Gott, A***! Wir müssen nicht mehr verdunkeln! Das da draussen sind nur feiernde Studenten!“).
Fanta und Sekt macht auf jeden Fall Kopf. In diesem Sinne: Schönen Tach noch.

* in Anlehnung an Tomtes großen Hit: Korn und Sprite

Advertisements

6 Kommentare zu “Sekt und Fanta*

  1. Ich habe Fanta da. Und ich habe Sekt da. Ich bin gespannt..

    „Wir müssen nicht mehr verdunkeln! Das da draussen sind nur feiernde Studenten!“… *ahahahahaha*… Moment.. das kenn ich irgendwoher..

    Alte Leute können unter Umständen wirklich sehr spannend sein..

  2. Interessanter Abend bzw. Eintrag 🙂
    Aber was mich eigentlich zum kommentieren bewegte, waren die Tags drunter: „das[?!] da Wege bestehen“ Da fang ich doch aus Prinzip mal an, „Pingzette“ zu sagen 😉

  3. LOL @ kaputo..
    ich habe das auch bemerkt, aber ich habe es mir verkniffen, klug zu schei*en 😉

  4. und auch ich bin mir dessen bewusst, nur: es lässt sich nicht mir ändern. habe es ein paar mal versucht und es klappt nicht. nun sehe ich es als mahnmal, nie wieder ein „ß“ irgendwo einzugeben. oder so.

  5. Achsooo. Das erklärt natürlich so einiges ^^

  6. Oh Gott, da muss ich aber auch schwer schlucken 😦

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s