Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

School of….

8 Kommentare

Also dass die Welt untergehen wird, steht fest. Aber unser Land geht als erstes unter. Nein, nicht wegen irgendwelche Polarkappen, die nur in den Köpfen irgendwelcher panikmachender Irrer schmelzen, sondern wegen des Schulsystems. Am Wochenende wurde meine Geduld auf eine harte Probe gestellt, als ich den Praktikumsbericht meiner Stiefschwester las und ihr bei den Vorbereitungen für eine Englisch-Klausur half.
Als ich sie auf einige Fehler in dem Praktikumsbericht aufmerksam machte, erzählte sie mir, dass der Lehrer eh nicht auf Fehler achten würde. Ich: „Wie?“ Sie: „Ja, das ist nicht so wichtig.“ Wohlgemerkt: N. steht ein Jahr vor ihrem Hauptschulabschluss und der Lehrer korrigiert es nicht, wenn sie das Verb „waren“ mit h schreibt: wahren. Auch andere Dinge: wird drüber hinweggesehen. Warum? Werden Hauptschüler als hoffnungslose Fälle angesehen, die man nur irgendwie beschäftigt bis man sie an die Arbeitsagentur und somit auf Hartz4 abschiebt? Hat man keine Lust mehr, Kindern und Jugendlichen die Grundlagen der Sprache beizubringen? Und umgekehrt: wie kann es sein, dass Jugendliche in der Schule so unmotiviert sind, dass sie auf die Frage „Was macht ihr eigentlich gerade?“ nur antworten „Keine Ahnung.“ Ich meine: ich hatte auch keine Lust auf Schule, aber ich wusste doch immerhin, welche Lektion wir gerade machen und was ihr Inhalt ist. Damit habe ich nun N. auch eine Teilschuld gegeben, aber: die Alleinschuld gebe ich ihr nicht. Niemand kann so unaufmerksam sein, dass er nach mehr als fünf Jahren Englisch (3.,4., 5., 6., 7., 8. Klasse) nicht einmal das „nach he/she/it, das „s“ muss mit“ kennt – also die Regel, nicht den Merkspruch.
Ich kann nur noch den Kopf schütteln. Schüler, die einfach alles klein schreiben, weil sie die Regeln nicht kennen und Studenten, die das Studium trotz guter Leistungen aber wegen Geldmangel abbrechen müssen. Wie soll man da „Dichter und Denker“ (als Synonym für Bildung in all ihren Variationen) bleiben?

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8 Kommentare zu “School of….

  1. Da kann ich nur hoffen, dass ich mich in meinem zukünftigen Arbeitsleben nicht der Volksverdummung schuldig mache. Bei Rechtschreibfehlern sehe ich aber generell rot: auf der Suche nach einem Putzjob bin ich auf die webpage der international operierenden Firma füllfix aus Oelde gestoßen und habe auf Anhieb drei Fehler entdeckt: „Großbritanien“, „Perepherie“ und „Sekretäriat“. Für solche Leute will ich nicht putzen. Außerdem möchte ich hier Obi noch mal meine Wut mitteilen: Wieso dürfen die mit Werbesprüchen „fährst du jetzt nicht nach Obi“ die Tendenz zu unsicherer Grammatikhandhabung eines Großteils der deutschen Bevölkerung unterstützen???

  2. bei uns haben sie jetzt fuer die BA’s auch was gutes gemacht. alle theorievorlesungen fuer politikwissenschaften und soziologie gestrichen. kein witz. wegen ueberforderung der studierenden.

    man braucht ja auch keine theorien wenn man weiss was wirtschafts und sozialordnung ist. das war in etwa o-ton.

    warum sollte man an den schulen noch anspruch haben, wenn der in den unis nichts mehr gefordert wird?

    ist uebrigens die gleiche uni die den coca cola boykott als antisemitisch beurteilt!!! (auch kein witz)

    studiert nicht in duisburg-essen!

  3. Nun, ich würd beim Buchmacher nicht unbedingt auf Deutschland setzen – der zivilatorische Zerfall scheint eine neue Wettkampfdisziplin in der sogenannten westlichen Welt geworden zu sein: Doof ist cool im modernen Amerika, und auch hier in Österreich ist man ja schon froh, wenn sich Absolventen der Schule ohne fremde Hilfe den Allerwertesten abputzen können (was nicht SO selbstverständlich ist, wenn man sich anschaut, wie die Toiletten hier auf Arbeit ausschauen! Aber ich schweife ab…)

    Übrigens, es hat auch viel mit Vorbildwirkung der Eltern zu tun, mit der Bereitschaft zu lesen (Bücher sind eher uncool geworden), und mit der generellen Einstellung im Internet „Hauptsache, es wird verstanden“ (Email, Forum, Blog, Webseiten – überall haarsträubende Rechtschreibung).

  4. Eine gewisse mir nahestehende 20-Jährige hat auch letztens entdeckt, dass es zwei Versionen von „das(s)“ gibt. Nur wann welche davon benutzt wird, weiß sie wohl noch nicht 😉

  5. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass das auch sehr nach Schutzbehauptung klingt, weil man selbst keine Lust hat, über Rechtschreibfehler zu diskutieren. Dann sind die dem Lehrer halt mal nicht so wichtig.

    Das bei schlechten Leistungen dann eh der Lehrer die Schuld hat, passt in das gleiche Bild.

  6. Glaub mir: In Deutschland magst du ernsthaft erschrocken sein beim Blick auf die Schüler und das Schulsystem; aber wärst du hier in Nottingham und würdest dir mal das Fremdsprachenlernen etwas genauer anschauen: das käme dann eher schon einem Herzinfarkt nahe.

    Zehntklässler: „Sir, what is a verb?“

  7. der lehrer steht in dem fall einfach für das system. ich hoffe ja sehr, dass meine referendarierenden freunde nicht so werden, sondern den kids mitteilen, dass zumindest ein mindestmaß an beherrschung der deutschen sprache von nöten ist.

    @ kesro: kenne ich sie? 😉

  8. Öhm… ein bisschen? 😉

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