Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

When your worlds crashing down

10 Kommentare

Gestern habe ich mich so einsam wie wohl vorher nur selten in meinem Leben gefühlt. Ein furchtbares Gefühl.
Mein Onkel feierte seine Hochzeit. Eigentlich eine herrliche Sache. Familienfeiern sind für mich allerdings eine Qual. Wegen meines Vaters sowieso, zu dem ich so gut wie kein Verhältnis habe und der ausser meinem Namen und meinem Studiengang nichts über mich weiss. Und seit gestern auch wegen etwas anderen, was mir als wirklicher Makel so nie bewusst war: ich bin Single. Natürlich schreibe ich hier gerne von meinen vergeblichen Versuchen, die Männerwelt für mich zu begeistern, aber dass mein Single-Sein irgendwann dazu führen würde, dass mir alle mitleidig auf die Schulter klopfen, hätte ich nun nicht gedacht.
Femke hatte mich vorgewarnt: „Ich gehe nie wieder ohne Begleitung auf eine Hochzeit!“ Wie recht sie hatte! Umgeben von Pärchen, die aufgrund des freudigen Anlasses ihre Liebe zelebrierten, saß ich da alleine. Mein mittlerer Bruder verschärfte die Situation noch dadurch, dass er nur mit seiner Freundin rumknutsche – auch wenn wir zu dritt dasaßen. Ab und zu kamen Menschen vorbei, die mich schon seit Kindesbeinen kannten und fragten „Ach, und Du bist alleine da?“ „Ja.“ Schulterklopfen (mitleidiges) und ein „Ich gehe mal tanzen.“ Oder auch: ich gehe zu meinem neuen Stief-Cousin (nennt man das so?), wir unterhalten uns kurz, seine Freundin kommt, guckt mich an und sagt: „Schaaahatz, wollten wir nicht noch dies und jenes machen?“
Und so saß ich irgendwann alleine da, konnte mir wegen meiner Aufgabe als Taxi nicht einmal die Kante geben und nur mühsam die Tränen zurückhalten. Zwar gab sich mein kleinster Bruder inklusive Freundin Mühe, mich einzubinden, aber auch die beiden wollten ja einfach nur mal tanzen und mich nicht immer nur als fünftes Rad am Wagen haben (auch wenn sie das nie zugeben würden). Ständig schossen mir Gedanken durch den Kopf wie „Alleine bist Du nichts wert“ oder „Was hat die Schrappnelle da hinten, was ich nicht habe,“ anstatt laut zu sagen „Ulle, Du siehst heute sau-scharf aus (Schickes Schwarzes mit roten Schuhen, divahaften roten Fingernägeln und üppig hochgesteckten Haaren) und Du hast nun alleine ganz viel Spass, denn: Du bist auch alleine der Burner.“ Das nächste Mal werde ich es genau so machen. Oder einen auf tragische, missverstandene Künstlerin machen. Oder so. Aber das: nie wieder!!!

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10 Kommentare zu “When your worlds crashing down

  1. Oh nein! Das hast du nicht verdient! Ich war auch mal alleine auf einer Hochzeit und als dann Fotos gemacht werden sollten, fragte der Fotograf „Und wo ist Ihre bessere Hälfte?“ – „Ich habe keine, ist das ein Problem?“ – „Na, so können wir das Foto aber nicht machen!“ Jetzt habe ich ein Bild von mir und einem wildfremden Mann, denn eine Frau alleine auf dem Bild, das geht nun wirklich nicht! Pah!

    Und für übernächstes Wochenende garantiere ich dir ein völlig unknutschendes Pärchen und eine Zeit, in der du der Mittelpunkt und nicht das fünfte Rad am Wagen bist! 🙂

  2. Wie gut ich das selbst kenne: bin bisher auf zwei Hochzeiten aufgetanzt, beide Male allein. Natürlich sagt man sich im Vorfeld „wie kann man nur so dumm sein und heiraten? So spiessig werd ich nie!“ – aber das Gefühl, niemanden auf der Welt zu finden, der einen so mag wie man ist (noch nicht einmal jemanden zu finden, dem man einen interessanten Menschen vorspielen kann), das kommt einfach.

    Doch ich verrat Dir mal einen Trick, der besonders gut im nüchternen Zustand funktioniert: lass Deine zynische Phantasie mal spielen und überleg jedesmal, wenn Du ein Pärchen siehst, was sie so für Alltagsprobleme haben:

    * sind sie aus Verzweiflung zusammen?
    * schlägt er sie, unterdrückt sie ihn?
    * träumen beide davon, aus ihrem Alltag auszubrechen?

    Solang man Single ist, kommt einem eine Beziehung wie die Lösung aller Probleme vor. Doch das ist es nicht. Zu zweit werden viele Dinge einfacher und erträglicher, doch wer allein nicht glücklich ist, wird es in einer Beziehung auch nicht. UND es gibt (Lorelei ist da natürlich NICHT gemeint!) eine Menge voller tragischer Beziehungen, wo den Leuten nur der Mut fehlt sie zu beenden und die daran zugrunde gehen.

    Allein sein ist scheisse, aber zusammen mit der falschen Person ist ECHT die Hölle. Also wisch die Melancholie beiseite, gib 100% Ulrike und wer Dich mag darf Dich ja anreden, wer damit nicht zurechtkommt hat Dich eh net verdient und ist es nicht wert, von Dir beachtet zu werden.

    Geh mit offenen Augen durchs Leben, und Du wirst staunen WIEVIELE Beziehungen tragisch laufen.

    Grüsse aus dem Süden

  3. Gut, ich gebe zu, ich kann dieses Single-Gejaule sowieso nicht so gut nachvollziehen, weil ich gerne Single bin (ja, sag es ruhig: „Freak“ :), aber mir ist sowas wie dir jetzt auch noch nie passiert. Hatte auf Hochzeiten alleine immer sehr viel Spass und wurde auch schon zweimal darum beneidet von Gruppe zu Gruppe hüpfen zu können, ohne auf jemanden Rücksicht nehmen zu müssen, der vielleicht gerade mal ein Viertel der Leute da kennt, und sich darum nicht wohlfühlt oder früh nach Hause will.
    Vielleicht hast du einfach auch dann mit jeder Minute trauriger geguckt und dann fängt man halt an, Leute zu bemitleiden. Weil du wahrscheinlich genauso aussahst, wie die Leute dachten, dass du dich fühlen müsstest so allein…

    Natürlich ist es ätzend, Single zu sein, wenn man gerne eine Beziehung hätte, aber gerade dann musst du dich wohlfühlen und so geben, wie du bist und immer schön Spaß haben, denn wer sollte dich denn sonst in dich verlieben, wenn du so deprimiert dreinschaust? 😉

  4. Oh, solche Veranstaltungen kenne ich auch. Um einen herum sind alle wunders wie fröhlich und man selbst denkt sich: „Ob es wohl auffallen würde, wenn ich jetzt einfach unter den Tisch rutsche und zu Staub zerfalle?“. Ich fand seinerzeit ja auch immer so Kommentare wie: „Na, du bist ja alleine. DU verstehst das sowieso nicht“ besonders toll.

    Sieh es einfach mal so: als Single liegt man dir wenigstens nicht ständig in den Ohren, ob du nicht irgendwann mal heiraten willst, ob da nicht vielleicht doch endlich mal Kinder in Sicht ist, lauter so Sachen. Und du musst auch nicht bei jedem Familientreffen Angst haben, dass irgendein Schluckauf oder Blässe oder Gespräche über alte Kinderbetten dahingehend interpretiert werden, dass du bestimmt schwanger bist.

  5. Oh Ulle, das macht mich traurig, denn das hast Du nicht verdient! Natürlich kann ich das nachvollziehen, aber auch mit Freund auf der Hochzeit kann es furchtbar sein, wenn zum Beispiel alle naselang einer fragt, wann ihr denn mal heiraten, Kinder bekommen und so weiter wollt. Und man ganz genau weis das die gemeinsame Zeit im Prinzip schon abgelaufen ist und das alles nix mehr wird.. Kopf hoch Ulle, ich nehm Dich sofort!! Mach et juut

  6. Als Single war ich nur auf einer Hochzeit. Da habe ich vorher gar nicht dran gedacht, bin aber nach der dritten Frage nach meiner Partnerin dazu übergegangen, zu sagen:
    „Wenn alle anderen Pärchen sind…einer muß doch die Brautjungfern flachlegen“.
    Das sagt man böse, dann drehen sich alle um.
    Aber schon komisch das weiterhin nur Paare als vollzählig gelten.

  7. och scheisse, das klingt aber wirklich nicht gut.. gab’s denn wenigstens leckeres essen zum frustfröhnen? und ganz im ernst: pärchen, die sich „schaaahaaatz“ nennen, sind wirklich nicht zu beneiden und gehören eigentlich auf der stelle erschossen 😉 tip auch für’s nächste mal: besten freund/freundin mitnehmen und schööön lästern.

  8. Ich kenne das Gefühl von der Hochzeit meiner Schwester.
    Glücklichwerweise hatte ich da mit dem Fotografieren so viel zu tun, dass kaum solche Gedanken auf.

    Ein paar Wochen vorher hatte ich allerdings ein interessantes Gespräch mit meiner Mutter, die mich davon überzeugen wollte, dass es doch besser wäre, wenn ich eine Freundin mitnehmen würde. Das würde dann nicht so traurig aussehen…

  9. Das einzige Problem, dass ich auf der letzten Hochzeit hatte, war eine lästige Erkältung und die Tatsache, dass ich außer der Braut noch sechs Leute flüchtig kannte, die auch alle im Doppel erschienen waren und daher nicht krampfhaft versuchen mussten, eine Konversation aufzubauen. Gemeinsam schweigt es sich angenehmer.

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