Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Worte werden nicht klüger

7 Kommentare

Ich rege mich ja gerne über schlimme Sprachentwicklungen auf. Anglizismen sind eine Sache.
Mein zweiter GeschichtsLK-Lehrer hatte mir die herrliche Redewendung „geistige Bulemie haben“ beigebracht, bedeutet: man lernt viel und kotzt dann alles Gelernte ohne Sinn und Verstand und ohne roten Faden aus. Vorgestern erfuhr ich: heute ist das unter dem Begriff des Bulemie-Learning bekannt – und durchaus nicht mehr so negativ wie Herr S. es damals benutzte. Mittlerweile scheint es eine beliebte BWLer Methode zu sein, um sich das Wissen (welches sie ja nach dem Studium eh nicht mehr brauchen, weil Siemens schon bei ihnen vor der Tür steht und ihnen DEN Managersposten anbietet, wo man nur Geld scheffelt, geile Miezen um sich hat und täglich in Schampus badet – ohne Arbeit versteht sich) kurzfristig in den Kopp zu hau´n und danach sofort wieder zu vergessen.
Ein schlimmer Auswuchs des verenglischen ist ja bekannterweise auch der Begriff Handy. Zur Zeit ist mein Rad ja kaputt und ich fahre mit dem Bus zur Arbeit. Da habe ich nun mehrmals gehört, dass die Kids nicht mehr richtig Handy sagen, sondern dabei ihren Mund auf äußerst merkwürdige Art und Weise verziehen, so dass es sehr merkwürdig klingt. Ich glaube, ich kann es kaum beschreiben, aber es klingt nun so – und sieht auch so aus – wie man sich texanisches Englisch vorstellt. Äußerst seltsam.

 Schön auch, die Vermengung von Begriffen. Gestern abend schaute ich auf medial äußerst komplexe Art und Weise mit dem Herrn aus Essen eine unglaublich beeindruckende Reportage. Beeindruckend vor allem wegen der hohen Dichte an Brüsten, Kopulationsakten, der Aussage „auf meinen Schwanz gesetzt“ und der Gleichsetzung der Art und Weise aus welchen Gründen man miteinander schläft. Ursprüngliches Ziel der Sendung war es sicherlich gewesen, möglichst viele „Hupen“ zu zeigen, um dem ganzen aber den Anstrich einer Dokumentation zu geben, war der Titel dann „Neues von Jana B(ach) – Mein Leben als Pornostar“. Sehr schön, wie dann aber im Endeffekt eine Gleichsetzung von Sex und Liebe erfolgte, angeblich nur gute Freunde aneinander auch privat rumleckten (man entschuldige den Ausdruck) und Frauen und Männer als ständig notgeile (nochmal: Entschuldigung) Lebewesen inszeniert wurden. Nur der Schluss war dann halbwegs versöhnlich: „Was man immer sieht, wird langweilig,“ so der letzte Satz. Da waren wir dann perplex. Sehr reflektierte Aussage vom Sender mit der Kugel. 

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7 Kommentare zu “Worte werden nicht klüger

  1. Hurra, eine Steilvorlage zum Klugscheissen:

    [x] Du hast Bulimie total falsch geschrieben, und das in einem Beitrag, der sich über die pösen Fremdworte aufregt 🙂

    SCNR (extra für Dich auf englisch und noch dazu als Abkürzung) 🙂

  2. Ich habe vorhin noch wem von der Reportage erzählt und als die Person wissen wollte, was genau daran so witzig war, konnte ich nur sagen:
    „Sätze wie: Ein gehen und kommen“
    Es war einfach kultureller suizid.
    Aber schön wenn man dabei zusehen kann.

  3. Handy in breitem Möchtegern-Texanisch, hihi. Sollte mal jemand den Kiddies sagen, daß ein jeder echte Texaner sein mobiles Telefon immer noch cell nennt.

    Wie konnte ich nur diese Qualitätsreportage verpassen?

  4. @ tigger: okay, ich sehe meinen fehler. aber niemand ist unfehlbar und ich schiebe es auf mein temperament (wobei es mich ehren sollte, dass ich nicht weiss, wie es geschrieben wird…)

    @ supersonic: oooohja.

    @ lorelei: es klingt eben, als hätten sie dabei eine kartoffel im mund. ich kann es nicht einmal nachmachen!!!
    und: diese reportage kam direkt nach dem schalkespiel. vielleicht hast du das spiel verpasst?

  5. oha, ist es nun gut oder schlecht, dass ich diese „reportage“ gestern auch zu sehen bekommen hab? ^^

    heute habe ich übrigens noch einen beitrag in sachen pornos gesehen: die geschäftsidee scheinen pornos zu sein, in denen sich die frauen mit kuchen bewerfen und beschmieren. da gabs auch spezielle wünsche; ein herr wollte gerne eine einleitung im star-trek outfit. und es gibt tatsächlich menschen, die für 10 min aufnahmen über 1000 euro zahlen. ich bin schockiert.

  6. Gegen Pornos habe ich nichts, und schräge Vorlieben sind halt persönliche Sachen (hier in Graz gab es mal eine BDSM-Stammkneipe, da sind von Kerlen in Frauenkleidern bis hin zu in Frischhaltefolie eingewickelte Schwitz-Fanatiker alle möglichen skurille Gestalten aufgetaucht) – und Geld wie die 1000 Euro für 10min ist eben auch eine persönliche Entscheidung, ob man für 2min freien Fall beim Fallschirmspringen 200 Euro ausgibt oder lieber einen Pauschalurlaub auf Malle bucht… Sollen sie machen, da misch ich mich net ein.

    Aber Unterschichten-TV-Reportagen, die reisserisch und heuchlerisch mit dem Thema TITTEN! um Einschaltquoten buhlen, um dabei auch noch entrüstet ob dieser Welt zu tun, BÄH! _Da_ kommt mir die Galle hoch.

    Übrigens, der Qualitäts-Sender RTL2 hat sich von Verona ehemals Feldbusch getrennt, denn sie würde durch ihren zahlungsunfähigen Mann das Image des Senders gefährden. Also von RTL2 rausgeworfen zu werden, weil man DENEN peinlich ist – RTL2! -, _das_ ist echt hart. Die haben ja ansonsten überhaupt keine unteren Niveau-Grenzen 🙂

  7. Also irgendwas scheine in bei meinem BWL-Studium falsch gemacht zu haben.

    Diese Woche habe ich erst wieder eine Senderpräsentation von RTL II gesehen. Von denen bekommt man regelmäßig erklärt, dass sich deren Qualität gebessert hat. Tatsächlich laufen dort auch keine Schmuddelfilme mehr nachts (außer, klar, in den Werbeblöcken). Ballermann-Hits und Apres-Ski-Hits wird es aber trotzdem weiter geben. Fairerweise muss man sagen, haben die tatsächlich Qualitätsware aus den USA eingekauft für die nächste Zeit (Heros, Dexter, Californication und noch 2 andere Sachen, die ich vergessen habe). Sorry, wenn ich etwas abschweife…

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