Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Schöne Menschen

Hinterlasse einen Kommentar

Ich schimpfe soviel über die Kunden im Laden, dass man einen völlig falschen Eindruck gewinnen könnte. Es gibt auch einige ganz feine, tolle Menschen, über deren Besuch ich mich immer freue.

Eine ältere Kundin, die extra einen recht weiten Weg auf sich nimmt, um bei uns einzukaufen. Dabei erzählt sie gerne, was sie mit den bei uns gekauften Dingen macht, was ich immer ganz niedlich finde. So verschenkt sie gerne kleine Dekoschmetterlinge an ihre Freundinnen aus der Bingorunde, die sich immer freuen. Ich vermute, dass ihre Mädels mittlerweile jeder an die 1o Schmetterlinge haben. Letzte Woche kam ich auch in den (wirklichen!) Genuss ihrer Schenkfreude: als sie am Montag den Laden betrat, kam sie auf mich zugestürmt und meinte „Ich war letztens schon hier, da waren sie aber nicht da. Ich habe doch etwas für sie“, und überreichte mir zwei kleine selbstgebastelte Püppchen. Da musste ich wirklich schwer schlucken.
Eine weitere Kundin kommt ca einmal die Woche und kauft sich Liebesromane. Sie hat schweres Asthma und kaputte Knochen und sobald ich sie eine Zeit nicht sehe, mache ich mir Sorgen. Manchmal bin ich doch ein kleines Mädchen. Wenn sie dann aber da ist, werde ich auf den neuesten Stand ihrer Krankheiten gebracht und ab und zu erzählt sie mir auch wirklich spannende Dinge aus ihrem Leben (erste Geschichte).
Frau R. läuft jeden Tag zweimal am Laden vorbei und da sie immer weiss, wann ich arbeite (sie fragt mich), sehe ich sie wirklich jeden Arbeitstag. Meistens bringt sie mir dann einen Keks oder einen Bonbon, manchmal auch ein Stück Kuchen. Letzte Woche hätte sie drei Bypässe bekommen sollte und hatte wirklich Angst. Ich bekam von ihr einen kleinen Zettel mit ihrer Adresse und Telefonnummer. „Falls sie wissen wollen, wie es mir geht.“ Als ich bei ihrem Mann anrief, der mir erzählte, dass die OP verschoben wurde und den Hörer weiterreichte, hatte ich dann eine tränenerstickte Frau R. am Apparat; sie hätte nicht damit gerechnet, dass ihre OP wirklich jemanden von ausserhalb der Familie interessiere. Nun wird sie nächste Woche operiert, hat diese Woche aber an meinen zwei Arbeitstagen reingeschaut (obwohl sie nicht mehr raus soll), um zu gucken, wie es mir geht. Schön, wenn man auch mal an uns arme Kassenschlampen denkt….
Es gibt einen Lehrer, der gleich um die Ecke wohnt, mit einer unglaublich hässlichen Frau verheiratet ist und ab und zu kurz vor Ladenschluss reinstürmt, Hefte kauft, mir dann die Hand auf den Arm legt, in meine Augen guckt und mir noch einen schönen Abend wünscht. Herzklopfen garantiert. Sehr romantisch.
Also wie gesagt: nicht nur doofe Kunden, sondern auch richtig schöne. 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s