Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Diktator Ulrike

5 Kommentare

Ein Diktator wäre ich manchmal gerne. Mit meinem Stab an Beratern würde ich die Welt verändern. Und einigen Kunden im Laden würde ich gleich mal eine ExtraStunde in „Benehmen“ verschreiben; oder in Namensgebung. Oder in Erziehung. Oder in allem. Alle drei Extrastunden hätte wohl die Mutter von Desmond (nein, er war zu alt als dass seine Mutter ihn wegen LOST so genannt haben könnte) und Melody nötig gehabt. Wie kann man seinen Kindern so etwas antun? Die drei kamen in den Laden, kein „Moin“ kein „Hallo“, nur ein „Wo sind denn hier die Spielsachen?“ Natürlich standen sie schon direkt davor, hatten nur nicht geguckt oder sonst was. Während die Mutter dann also ihre Runden drehte, rissen die Kinder die Sachen aus den Regalen, brüllten ständig in meine Richtung „Was kostet das?“ (trotz ihrer knapp fünf und sechs Jahre – wie ich vermute – im selben Tonfall wie Muttern.) und legten die Ware natürlich nicht zurück, sondern irgendwo hin. Beim Bezahlen kein „Danke“, kein „Bitte“, kein gar nix. Kann ich nicht ab. Da werde ich richtig wütend und manche Kunden schrammen haarscharf an einer Predigt über Benehmen, Einfluss von Handlungen des Einzelnen auf gesellschaftliche Strukturen und Vorbildfunktionen vorbei. Andere haben nicht so viel Glück. Letzte Woche im Bus schnappte ich mir erst einmal ein paar Jüngelchen (vielleicht 13?), die hinten saßen und durch so ein Pusterohr irgendwelche harten Kügelchen an die Köpfe der Anwesenden schoßen. Vier oder fünf Haltestellen tat niemand was, alle taten so als wäre das völlig normal. Ich schliesse mich da nun nicht aus. Aber als ich merkte, dass sie vor allem auf eine Gruppe Behinderter schoßen, platzte mir richtig der Kragen (ohne Gutmensch sein zu wollen!): es ist ein großer Unterschied, ob man Menschen mit irgendwas beschiesst, die sich wehren können oder ob man es mit Menschen macht, die sich eben nicht wehren können.  Was dann natürlich klar war: ich sagte den Jungs, sie sollten damit doch einfach mal aufhören, sie guckten mich an und fragten nur „Was willst Du eigentlich, Du blöde fette Kuh?“ Keiner sagte irgendwas, ich sagte den Jungs, dass das ja eine unglaublich intelligente Aussage sei, sie weiter nur am schimpfen und irgendwann sagte eine andere Frau was, dass die Jungs noch wütender machte: „Könnt Ihr Euch eigentlich vorstellen, was wir jetzt gerade über Eure Eltern denken müssen?“, kurz danach stiegen die Jungs glücklicherweise aus, nicht, ohne mich und die Frau noch mit ein paar Beschimpfungen zu belegen. Kann ich nicht ab, da werde ich so aggro! Am liebsten hätte ich dem lautesten von denen noch beim Herausgehen ein Bein gestellt. Aber dann wäre ich natürlich nichts besser. Auf jeden Fall: eigentlich müsste man sich in Grund und Boden schämen, dass man nicht sofort was sagt und es auch irgendwie nicht schafft, dass die Jungs von allen gezeigt bekommen, dass ihr Verhalten nicht okay ist. Denn so denken sie ja, dass sie damit durchkommen. Dass ist ähnlich wie das, was Nina (Tochter des Verlobten meiner Mutter) mir erzählte: in der Schule sind ein paar Jungs, die bewerfen die Lehrer (was auch Lehrerinnen einschliesst) mit Papierkügelchen, spucken rum, stören den Unterricht und und und. Sagt irgendjemand was? Nein! Nicht einmal die Lehrer, weil sie Angst vor den Blagen haben. Kann das sein? Mich macht das wirklich wütend, weil jeder sagt „Nee, ich habe damit nix zu tun“, wegguckt und denkt, dass sich diese Probleme von selber lösen. Tun sie aber nicht.
Und um den Bogen nun zum Anfang wieder zu bekommen: wenn ich im Laden sehe, wie Eltern ihren Kindern zeigen, wie anscheinend Gesellschaft funktioniert (immer schön nach unten treten, Freundlichkeit nur leeres Wort und und und), dann wundert mich nicht, dass im Bus oder in der Schule oder sonstwo solche Vollidioten meinen, die großen Macker spielen zu müssen und sich somit irgendwie irgendwas beweisen müssen. Wenn sie zuhause lernen, dass man nur mit Unfreundlichkeit und so weiterkommt, ist das nur die logische Schlussfolgerung. Hui, Pathostoleranze mal wieder heftig überschritten. Wenn Björn und ich unsere Hallig haben, lösen wir das Problem übrigens auf unsere ganz spezielle Art und Weise. Aber das dauert ja noch ein bisschen. 

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5 Kommentare zu “Diktator Ulrike

  1. Passt jetzt zwar nicht ganz hier her, aber du müßtest mal deinen Link zu mir „anpassen“… 😦

  2. Genau diese Kunden kann ich auch nicht ab. Aber sowas von!!!!!

  3. Oh je oh je! Hier gibt es eigentlich nur solche Jugendlichen. Aber wir werden nicht Bus fahren und arbeiten musst du ja auch nicht! 🙂

  4. Grr, da werd ich ja schon vom Lesen aggressiv! Manchmal möchte man einfach… naja, lassen wir das.

    Bild Dir aber was drauf ein, dass Du Dir eben nicht den Mund verbieten lässt. Und das mit der Kuh – die Teens haben eh keine Ahnung, aber für Kids ist ja jeder ab 20 sowieso nahezu im Sarg und entweder langweilig oder Versager 🙂

    Weiter so, lass Dich nur nicht unterkriegen!

  5. mir geht es ähnlich und ich bin dann auch immer dem ausrasten sehr nahe. was hilft; mal drüber nachdenken wie man selber in dem alter unterwegs war (vielleicht waren es keine kügelchen, aber irgendwas vergleichbares lässt sich sicher finden) oder wie man auch heute noch manchmal in geschäften unterwegs ist(stressiger tag, kopfschmerz, schlechte laune…)

    aus der anderen perspektive wirkt die situation plötzlich ganz anders. das ist keine entschuldigung, klar, aber hilfreich um krankheiten der herzkreislaufgefäße vorzubeugen.

    außerdem helfen ansprachen an pubertierende bengel maximal dem eigenen ego (meist nichtmal das), denn die problematik sitzt ganz woanders…

    liebe grüße
    „noch eine“ ulrike

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