Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Alte Liebe rostet nicht, my Darling.

8 Kommentare

Als ich 15 war, war ich ganz schlimm in einen Jungen aus unserem Dorf verliebt: Oliver. Er war toll: viel größer als ich, zwei Jahre älter, schulterlange Haare, ein markantes Gesicht (so markant wie das Gesicht eines siebzehn jährigen Jünglings eben sein kann) und unglaublich rebellisch (alleine seine langen Haare, dazu die verschlissene Lederweste, der Grund, warum er uns unser erstes – einziges geplantes – Treffen verpasste ich gehe also davon aus, dass er seine Ausrede (ich habe verschlafen)  nur Ausrede war und er nicht kommen wollte – als 15jähriges Mädchen konnte ich mich nur in ihn verlieben).
Jeden Morgen standen wir nebeneinander an der Bushaltestelle und warteten auf den Bus in die nächste Stadt ohne dass er mich auch nur beachtete – ich hingegen schmachtete ihn an. Und wenn ich mir heute die beinahe 15jährige Tochter des Verlobten meiner Mutter angucke, dann kann ich erahnen, welch Bild ich abgegeben habe (es ist übrigens kein gutes). Mir kam der Zufall zur Hilfe, als kurz vor Weihnachten die Busse wegen Schnee ausfielen und wir beide gemeinsam zur Schule trampten (trampen: gefährlich! Ich war Feuer und Flamme!) und ich die Strecke zum Werbung austragen bekam, wo er zur selben Zeit Zeitungen austrug, was zur Folge hatte, dass wir uns ständig trafen und uns perfekt organisierten: wenn meine WalkmannBatterien leer waren, bekam ich seine Ersatzbatterien und ungekehrt, jeder hatte mal was Süßes dabei und einige Straßen fuhren wir einfach zusammen.
Es wurde übrigens nichts daraus. Wie oben angemerkt: als er mich besuchen wollte, kam er nicht, abends traf ich ihn sturzbetrunken in der Disco und er meinte, er hätte verschlafen, dann drehte er sich um und kotzte übergab sich (was dazu führte, dass ich panisch davon ausging, dass er Alkoholiker sei und ich weiter träumte, ich sei die einzige, die ihn erretten könne). Meine TagebuchAufzeichnungen zeigen (ich habe mal nachgeguckt), dass ich bis ich 17 war um ihn trauerte.
Als ich gestern mit meiner Mutter und ihrem Freund auf dem Sofa saß und wir uns unterhielten, was so aus den Leuten aus meinem Heimatdorf geworden sei, fragte ich nach ihm. Und was sagte meine Mutter? „Den sehe ich noch häufiger! Der arbeitet in *** und hat sich richtig gemacht.“ (Noch mehr gemacht??? Um Himmels Willen!) Ich (völlig zittrig): „Ahaaaa?“ „Ja.“ „Und ähm, wie geht es ihm so?“ „Gut. Aber dass der Junge Single ist. Man versteht es nicht…“
Ich werde mal seine Adresse raussuchen (irgendwie) und ihn besuchen; der wartet doch nun schon seit 10 Jahren auf mich – das sollte reichen!

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8 Kommentare zu “Alte Liebe rostet nicht, my Darling.

  1. Hehe! Go Ulrike, go! 🙂

  2. Oho!!! Ich habe auch 10 Jahre lang eine nie ganz überwundene Schwärmerei mit mir herumgeschleppt und hatte immer ein bisschen Angst davor, ihm irgendwo in die Arme zu laufen. Er ist inzwischen tot und ich frage mich immer noch, so ganz leise und zaghaft, ob nicht mit meinem guten Einfluss alles hätte ganz anders kommen können.

    In diesem Sinne: RAN AN DEN MANN!!!

  3. Obacht: „Er hat sich gemacht“ kann bedeuten, dass er seine Banker-Lehre mit Auszeichnung abgeschlossen hat und nun von einem Reihenhaus mit Hund und Hausfrau träumt.

    Hätte Deine Mutter etwas in der Richtung: „Noch immer der gleiche Loser wie früher!“ erwähnt, würd ich Klau-de und Kesro zustimmen, aber so:

    Trau schau wem! 🙂

  4. Das kommt dann ja jetzt auf die Einstellung von Ulrikes Mama an. Und auf dem Bild zumindest kommt sie nicht so rüber, als würde sie auf Bankkaufleute stehen.

  5. das tut sie tatsächlich nicht. obwohl sie selbst in einer bank arbeitet (hust), steht sie eher auf den wilden rocker. ihr zukünftiger ist zumindest schön tätowiert…

  6. Ja nee… Das ist ja auch nur so ein Klischee-Beispiel! Also wie auch immer: Go! 😉

    Ich will dir eine Mail schreiben. Heute Abend bin ich schon wieder nicht da. Irgendwann schaffe ich es! 😉

  7. Bankmitarbeiter sind seit kurzem übrigens ziemlich angesagt.

  8. @ c: DU warst schon immer angesagt.

    @ kesro: yuhu! aber nicht house verpassen!

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