Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Zwei

3 Kommentare

Gestern bei der Arbeit mal wieder die Welt von zwei Seiten gesehen. Erst kam eine meiner absoluten Hass-Stammkundinnen. Ich tippe auf Mitte vierzig, ohne, dass sie sich damit abgefunden hat, dass sie keine 19 mehr ist: blond gefärbte Haare, solariumsgebräunt, künstliche Fingernägel, aber trotzdem ziemlich ungepflegt – ähnlich wie ein altes Haus, auf dessen Fassade man nur Farbe geklatscht hat ohne den Putz an den wichtigen Stellen auszubessern. Gut, diese Frau kommt jedesmal in den Laden, grinst dumm (wirklich dumm! im Plattdeutschen nennt man das „kiekt mit beck“ – Mund leicht geöffnet, Kiefer vorgeschoben und: GRINSEN) ….
und fragt „Ist der Chef auch da?“
„Ähm, nein.“
„Du musst wissen, ich bin mit dem Chef befreundet.“ (Ist sie nicht! O-Ton Chef: „Halt mir das Weib vom Leib!“)
„Jaha, ich weiss.“
„Gut, dann weisst Du auch, dass ich hier auf einige Dinge Rabatt bekomme.“ (Bekommt sie nicht. Sie bekommt Rabatt auf genau einen Artikel: und zwar auf Seidenpapier, wenn das schon etwas gelitten hat. Und das bekommen ALLE!)
„Jaha.“
Schön, gestern wurde dieser Dialog durch folgendes ergänzt….
„Da draussen habt Ihr diese Schmetterlinge für einen Euro.“
„Ja.“ (Wenn ich unseren Topseller nicht kennen würde….)
„Davon hätte ich gerne 30 Stück.“
„Greifen Sie zu.“ (… und verschwinden Sie!“)
„Da ich ja den Chef gut kenne: Ich hätte die gerne für 50 Cent das Stück.“
„Das tut mir leid, das geht kaum.“
„Ich komme morgen wieder, wenn der Chef da ist. Du wirst das ja kaum wissen.“ (Das ist übrigens der Punkt an dem ich mich dann kaum noch beherrschen kann und ich ihr gerne sagen würde, dass sie mich gerne siezen darf und sie ihren Hintern aus dem Laden wegbewegen soll!)
„Ich kenne den Chef auch und ich kann mir nicht vorstellen, dass er Ihnen – Pause – die Schmetterlinge für unterhalb des Einkaufspreises gibt.“
„Ach, ich regele das schon.“ … und nun zwinkerte sie ihrer Freundin verschwörerisch zu, nach dem Motto: „Ich habe da Argumente, die ihn überzeugen.“. Bah Bah Bah!
Eine Stunde später kam dann dafür eine meiner absoluten Lieblingskundinnen, brachte mir ein Stück Kuchen, regte sich mit mir über obige Geschichte auf („Kein Benehmen mitbekommen, die!“) und versüßte mir den Tag – hach, wenn alle Kunden so wären (aber nicht alle mit Kuchen versteht sich!), dann wäre arbeiten sicherlich angenehmer. Oder langweilig. Aber nervenschonend. 

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3 Kommentare zu “Zwei

  1. Könntest du mal ein Bild zu den Schmetterlingen verlinken? Im Moment kann ich die Sache mit dem Topseller nicht so ganz nachvollziehen…

  2. soo, wenn du nun auf schmetterlinge klickst, dann siehst du sie. die dinger stecken auf nem stab und wackeln bei wind…

  3. hehe.. na immerhin gibt es noch nette menschen, die solche erfahrungen ausbalancieren. sonst wäre der 1-euro-amoklauf vermutlich nicht mehr fern 😉

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