Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Meine/Deine Welt aufgehoben…

5 Kommentare

Seit nunmehr 16 Monaten passe ich auf Aurelia (knapp 1 1/2) auf und ich finde es faszinierend, wie man beobachten kann, wie sie so langsam die Welt entdeckt . Heute abend versuchte sie beispielsweise eine geschlagene Viertelstunde, einen Wasserstrahl zu fangen – sie liebt es, ihre Hände unter fliessendes Wasser zu halten und zu gucken, wie es zu allen Seiten spritzt und ihre Arme herunter läuft.
Spannend auch, wie sie ihre Hände vor die Augen hält und denkt, sie sei nun unsichtbar. Klar, das machen alle Kinder, aber es ist doch immer wieder entzückend – vor allem das glückliche Lachen, wenn sie ihre Hände wegnimmt und man sagt „Da bist Du ja!“: da geht mir einfach das Herz über.
In dem Alter ist die ganze Welt noch ein Wunder: die Pfütze auf der Strasse wird zu einem unglaublichen Abenteuer, die Blätter auf der Strasse müssen alle beiseite getreten werden und alles muss angefasst und in allen Einzelheiten begutachtet werden: so kann ein Spaziergang gerne mal eine Stunde dauern, aber an zurückgelegten Metern nur 50 betragen. Vor einem Jahr setzte man sie einfach in den Kinderwagen und ab gings, heute ist man nicht nur Begleitung, sondern auch Entertainer, Bodyguard und Pressesprecher in einer Person.
Was sich aber seit 16 Monaten nicht verändert hat und eines der Highlights der Woche für mich ist, wenn sie auf meinem Arm einschläft. Sobald sie müde ist, hebt sie ihre Arme und möchte auf dem Arm, dann kuschelt sie sich meine Schulter, legt ihre Ärmchen um meinen Hals und schlummert friedlich ein. Wenn die letzten Tage anstrengend waren, dann schiessen mir in diesem Moment gerne mal die Tränen in die Augen, weil dieses unendliche Vertrauen das in dieser Geste steckt, beinahe zu viel für mein sensibles Seelchen ist. Wenn ich sie dann ins Bett legen mögen, ist es oft so, dass sie dann noch einmal die Augen aufschlägt und „mhmh“ sagt (bedeutet: „nein“), was dann zur Folge hat, dass ich sie noch länger auf meinen Arm habe und wir uns irgendwo aufs Sofa lümmeln – kleine, leise Welt. 

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5 Kommentare zu “Meine/Deine Welt aufgehoben…

  1. Wie schöööön, da bekommt man dieses leicht verzückte und entrückte Lächeln ins Gesicht, dass man so häufig sieht, wenn kleine Kinder in der Nähe sind.

  2. das einzige gefuehl in dieser richtung ist momentan, das thali das jeden abend im waschbecken macht. erst moechte sie gekrault werden, dann stelle ich das wasser an und sie versucht den strahl zu fangen, wird dabei allerdings ganz nass und schuellt sich. danach gehts weiter mit fangen. das kann sie stundenlang. oder wenn sie sich vor einen auf den boden wirft.. „kraul mich“

    mary knabbert morgens zum wecken immer haare an. ich liebe die kleinen racker. auch wenn sie sich hassen und jeden tag zoffen. das muss wohl so.

    was ist nur wenn ich bald papa bin und das nicht mehr katzen, sondern kinder sind?

  3. Oh ja, die stundenlangen kurzen Spaziergänge hab ich auch noch in frischer Erinnerung. Der Hund fand das immer nicht so lustig…
    Was ich bei den Kleinen meiner Cousine auch unglaublich spannend fand oder immer noch finde, ist das Sprechen lernen. Das wird einem erstmal bewusst, wie schwer und unlogisch die deutsche Sprache ist, aber auch wie schlecht man sich selbst ausdrückt. Frei nach Emmis Lieblingsmotto: „Ich bin schon ganz hinten vorne!“

  4. hach, wie schön 🙂 ich schwelge gerade in eben solchen erinnerungen, da ich morgen zum ersten mal wieder seit 5.5 jahren „mein“ baby sehe. uiuiui.

  5. Junge, Junge… Was ist denn hier los? Haben die Kampagnen schon gewirkt? 😉

    Ich finde die Erzählung auch wundervoll. Vielleicht sollte ich mir auch ein Kind suchen, dass ab und zu mal in meinen Armen einschlafen möchte… 😉

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