Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Vielleicht kann ich dich ja – nicht – hören

3 Kommentare

Manchmal überkommt mich bei der Arbeit so etwas wie Bösartigkeit. Da einige Kunden nicht in der Lage sind, ihre Wünsche zu artikulieren, sondern blöd drumherumreden, in der Hoffnung, ich würde das schon verstehen und dann sagen „brauchen sie dies und jenes…“, mache ich mir oft einen Spass daraus, zwar zu verstehen, was sie wollen aber nicht auf diesen Wunsch einzugehen. Ja, das klingt gemein, ist es aber nicht wie zwei Begebenheiten von heute zeigen:
1. Femke, die mich während meiner Arbeitszeit zu meinem Glück besuchte, und ich standen an der Kasse und unterhielten uns als eine Kundin in den Laden kam: sie schien völlig ausser Atem, völlig aufgelöst und völlig daneben. „Ich habe eine Reklamation.“ „Aha, dann zeigen Sie mal…“ „Hier, die Dose schliesst nicht richtig.“ „Ohja. Dann können Sie sich hinten einfach eine neue wegnehmen.“ Schockierter Blick nach hinten, schockierter Blick in meine Richtung. Ich lächele. Sie: „Ähh, okay.“ Nach zwei Minuten kommt sie mit neuer Dose wieder zur Kasse und guckt mich mit einem Blick an, der mir ziemlich sicher sagen sollte, dass sie lieber das Geld wieder gehabt hätte, sie blieb kurz stehen und wartete – und wartete. Ich: „Haben sie noch eine Dose gefunden?“ (Sehr wohl wissend, dass sie eine Dose in der Hand hält). Sie: „Ja,“ und entschwand. Femke und ich guckten uns nur an und wussten, dass sie lieber das Geld zurück bekommen hätte. Aber warum sagt sie nichts? Ich bin ja nun kein Teufel.
2. Eine Kundin kaufte heute Hundeleinen und Hundespielzeug, was ich unter „Hausrat“ in die Kasse eingab. Das stand dann auch als Warengruppe auf dem Kassenbon, den sie entgegennahm und ausgiebig studierte (ich hasse diese Menschen, die bei drei Posten den Einkaufsbon studieren, mich dabei angucken, als würde ich was böses von ihnen wollen und dann missbilligend in meine Richtung starren). Sie: „Aha, sie bongen also Hundeleinen unter Hausrat?“ „Ja.“ „Ich hätte das allerdings unter Bürobedarf benötigt. Ich kann das nun ja kaum absetzen.“ Eigentlich hätte ich an der Stelle gerne einen Vortrag darüber gehalten, was ich von diesen Menschen halte, die alles unter Bürobedarf haben möchten, damit sie es absetzen oder sich vom Sozialamt wiederholen können. Stattdessen schwieg ich. Sie auch. Dies ging bestimmt eine Minute so bis sie sagte „Nun gut, dann muss das wohl so gehen.“ Ich: „Ja, schönen Tag noch.“
Nicht, dass ich eine unfreundliche Verkäuferin bin, ich denke sogar, dass ich zur recht freundlichen Spezies gehöre, aber diese Kunden, die wollen, dass man ihnen jeden Wunsch von den Augen abliest und dabei auch noch so stumpf wie in Fall 2 vorgehen: nee, da mache ich nicht mit. Oftmals sind dies nämlich auch die Kunden, die entweder so unglaublich arrogant auftreten, dass ich ihnen am liebsten meine gesammelten Aufsätze um die Ohren hauen würde, oder die einfach so unfreundlich sind, dass sie zum Sprechen weder den Mund auf noch die Zähne auseinander bekommen. Und deswegen werde ich nie eine Starverkäuferin: weil ich nicht einsehe, vor unfreundlichen Kunden zu buckeln. Lieber Fußballgott, bitte mach, dass mein Chef nie nach mir googelt und dies liest. 


Da fällt mir noch folgende peinliche Begebenheit vom Montag ein:
Nach Alkohol riechender Kunde: „Sie riechen aber ordentlich nach Knoblauch.“ (Ich muss zugeben: er hatte recht. Aber das Essen war einfach zu lecker!)
Ich: „Naja, besser als nach Alkohol zu riechen, oder?“
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3 Kommentare zu “Vielleicht kann ich dich ja – nicht – hören

  1. Richtig so!

    Hundeleinen als Bürobedarf, das sind die gleichen Leute, die am lautesten über Sozialschmarotzer schreien. Oder über die vielen Ausländer, die der Untergang sind.

    Was wäre der Job ohne solche kleinen Momente 🙂

    PS: „Uh, Du stinkst nach Knoblauch!“, da fällt mir spontan ein Abend ein, der verheissungsvoll begann und abrupt eine Wendung nahm. 🙂

  2. Genau so halte ich das auch immer.

    Ich bin ein Freund von klaren Aussagen, sowohl bei Fragen als auch bei Antworten. Da kann eine Frage noch so deutlich im Raum schweben, ich ignoriere das. Und ich sage auch schon gerne mal so Sachen wie: „Das ist ja schön und gut, was du mir da erzählst. Aber das wollte ich ja gar nicht wissen.“

    Und die Sache mit dem Bürobedarf… Ich fand es immer goldig, wenn in der Tanke mal jemand seinen Playboy als Fachliteratur deklariert haben wollte.

  3. Haha! Ich liebe die Stories von der Arbeit! 🙂 Leider darf ich zu unseren Kunden nicht sowas sagen. Die meisten sind aber auch sehr nett!

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