Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Leider unvermittelbar

19 Kommentare

Als am Freitag mein Mitbewohner kichernd mit Frau in seinem Zimmer verschwunden war und irgendwann mein Handy mit SMS von einem Freund blinkte, der wissen wollte, wie er im Falle der „tollsten Frau der Welt“ vorgehen solle, die gerade vor ihm saß, ihn aber vor taktische Probleme stellte, da stellte sich mir mal wieder die Frage: warum teilen sich Frauen eigentlich in FrauenFrauen und KumpelFrauen*? Aus welchem Grunde sind einige von uns die, die mit den Männern nach Hause gehen, mit ihnen knutschen und kichernd in Zimmern verschwinden, mit denen Männer eine Partnerschaft führen wollen? Und aus welchem Grund gibt es die, die dazu da sind, sich die Probleme anzuhören, in Liebesdingen zur Seite stehen und in schweren Zeiten Tee zu kochen, das Ego zu polieren und das zitternde Etwas wieder auf Vordermann zu bringen? Während Gruppe eins das Weinen erzeugt, darf Gruppe 2 den Scherbenhaufen zusammenfegen, die Sache entweder kitten oder wegschmeissen und dabei Regel Nr 1 nie vergessen: „Verlieb Dich nicht in ihn, Du hast ihn getröstet, das setzt Dich automatisch in die Kaste der Unberührbaren.“ Noch schlimmer, wenn das schon vorher passiert ist und man nun da sitzt und völlig schockiert denkt: „Wie konnte sie ihn nur verlassen?“/“Wie konnte sie ihn nur nicht wollen?“
 Dabei beschwert sich Gruppe 2 nie. Schliesslich gibt es irgendwo die romantische Vorstellung, dass irgendwann jemand kommt, der in ihr nicht nur die KumpelFreundin, sondern die FreundinFreundin sieht; so etwas wie „Eine wie Keine“ oder „Liebe hat zwei Gesichter“. Und sie tut es ja auch gerne, ist zu allen gerne nett und hat für alle ein offenes Ohr. Aber vielleicht liegt auch genau hier der Grund für das Kumpelproblem: wer immer für jemanden da ist, scheint eher langweilig zu sein, bei jemandem bei dem man nur die tröstende Schulter zum Anlehnen sieht, sieht man nur die Schulter aber nicht das flirtende Lächeln.** 

 
* Ich höre nun schon den schreienden Einwand: „Aber es gibt doch auch Misch-Typen.“ Ja, die gibt es. Aber es gibt auch die Gruppe 1 und Gruppe 2 Typen. Und um das Problem, zur Gruppe 2 zu gehören, soll es gehen. 
** Nach einem Gespräch mit einer eher Gruppe 1 Frau, bemerkte ich, dass auch diese Gruppe ihre Schattenseiten hat. Wie man es macht, es ist nicht richtig. 

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19 Kommentare zu “Leider unvermittelbar

  1. Ich muss mich jetzt mal als Mischtyp outen. Für den (meinen) einen gehöre ich zu Gruppe 1.

    Ansonsten bin ich allerdings in der Gruppe 2 fest einbetoniert. Das war schon immer so, hat auch durchaus das eine oder andere Mal heulendes Elend hervorgerufen. Mittlerweile habe ich mich arrangiert und sehe eigentlich überwiegend Vorteile. Man hat eben einen Sonderstatus. Und der bleibt auch dann noch, wenn die Vertreterinnen der Gruppe 1 längst nicht mehr da sind.

  2. Also das Problem haben Männer aber auch, das ist mir nämlich in dem einen oder anderen Blog schon begegnet 😉 Und ich fürchte, ich bin oft diejenige gewesen, die einen Mann einfach in die Gruppe 2 gesteckt hat, der darüber dann nicht begeistert war… *schäm* Aber zum Ausgleich war ich auch schonmal in Gruppe 2 und das war furchtbar! 😉

  3. Hmmm den Einwand, den ich bringen wollte, hat kesro schon gebracht.

    Ansonsten füge ich noch hinzu: Es ist auch schwer, von Gruppe 2 in Gruppe 1 zu kommen. Weil Gruppe 2 ja so schön funktioniert und man es nicht kaputt machen möchte.

  4. Wie Kesro schon sagt, umgekehrt gilt das auch: „Hach, Du bist so nett!“ *KOTZ*

    Für mich, der Dich nur hier im Blog kennt, wirkst Du aber nicht wirklich wie eine Kumpel-Frau. Du hast recht harte Urteile über andere Menschen parat, kannst schrecklich subjektiv sein und sagst, was Du denkst. Treffsicher, teilweise sehr fies und gefährlich. Faszinierend gefährlich. Definitiv nicht der Typ „Du kannst immer zu mir kommen, ich bin für Dich da“ 🙂

    Hätt ich Dich in Oldenburg so kennengelernt, wie ich im letzten Jahr über Dein Blog gestolpert wär, mich hättest Du mit einem Nudelholz wegprügeln müssen. Korrigiere: Mich hättest Du mit einem Nudelholz weggeprügelt.

  5. Meine Erfahrung:
    Man bekommt was man sucht.
    Klingt doof, aber irgendwo strahlt man immer was aus. Bekannter Teil dieser Ausstrahlung: Man ist gerade glücklicher Single und schon kommen Angebote von links und rechts.
    Umgekehrt: Wer glücklich vergeben ist, wird von den meisten sofort in die Kumpelecke gestellt.
    Der Rest kann durch 2deutige Anspielungen schnell verändert werden. Wobei ich selber da auch keine Erfahrungen habe weil immer schon schüchtern.
    Ich glaube ich bin so schüchtern, ich habe gar keinen Typ (Also 1 oder 2, einen Mann ja sowieso nicht. Bin ich ja selber)
    Das Thema ist aber auch eine Breduille.

  6. ich glaube auch, dass es noch mehr typen gibt. typ 3: schuechtern, zurueckhaltend, kommt mit allen klar, aber keiner will mehr. weder als kumpel zum ausheulen, noch als mädel für beziehung und bett.

    das ist noch ne stufe frustrierender würd ich sagen 😉

  7. Warum kann ich mir nie mal merken, ob das Breduille oder Bedruille heißt?

    Fiel mir nur grad so ein 😉

  8. Kategoriales Denken ist scheiße und macht unglücklich, ich selbst tappe aber selbst immer wieder in die gleiche Falle und ertappe mich im Zwanzigminutentakt, wie ich mich der Kategorie „Unvermittelbar“ oder ihrer negativen Verwandtschaft zuordne.
    „Meine Meinung steht fest! Verwirren Sie mich nicht mit Fakten.“

  9. @ tigger: mich interessiert nun aber schon, wie du auf meinen blog gekommen bist. mir schwant ja langsam böses!! (und danke für die wirklich netten worte!)

  10. einspruch! wer immer für einen da ist, ist alles andere als langweilig! langeweile und freundschaftshilfe gehören aber wirklich über- über- überhaupt nicht zusammen. und noch etwas: mir ist eine schulter zum anlehnen tausendmal lieber als ein flirtendes lächeln. aber so was von!

  11. hm, ich glaube es geht ja auch nicht um langweilig, sondern eher darum, dass die „immer fuer einen da“-gruppe es meist schwerer hat, jemanden fuer eine beziehung zu finden.
    aber so gesehen hab ich auch lieber den zuverlässigen typ, statt den „flirtet mit allem was zwei beine hat“ 😉
    aber ich glaube, das ist ein anderes problem

  12. @Herr Axel: Freundschaft ist was anderes – denn Freunde hat man nicht, WEIL sie so sind – Freunde hat man, OBWOHL sie so sind wie sie eben sind. Aber es gibt diese Menschen, die für jeden und alles Verständnis haben, die immer für einen da sind. Und denen wird oft gedankt, indem man sich bei ihnen ausheult, nur um dann ins nächste Chaos zu stürzen. Da ich selbst lange Zeit eben zur Kategorie „naja, nett“ gehörte, weiss ich, wie man sich fühlt: man kann Freundlichkeit nicht ausschalten, man ist eben, wie man ist. Umso gemeiner, wenn man dann immer der für das Ausheulen und nie der für wilde Abenteuer ist.

    @Julia: Oh ja, auch ich erwisch mich regelmässig in Schubladen-Denkweisen. Zum Glück belehrt einen das tägliche Leben aufs neue, dass es nichts gibt, was es nicht gibt.

    Und @Ulrike: Keine Panik, irgendwann über Schoppis Welt bin ich auf Dich aufmerksam geworden. Und halt als Stammleser hängengeblieben, denn neben grossartigen Fotos und teils sehr lustigen Stories hast Du einfach einen mitreissenden, kurzweiligen Schreibstil.

  13. @tigger: ich denke, wir haben einfach einen kleinen gedankenunterschied: ich denke nicht, dass es im umgang mit den „wahren“ freunden nur ums ausheulen geht. ich heule mich wirklich oft bei meinen besten freunden aus, doch ich habe auch unmengen an spass mit ihnen. es geht nicht nur darum, seine freunde aus dem chaos rauszuziehen, es geht genauso darum, mit ihnen chaos zu veranstalten. nur an wilde abenteuer denke ich bei meinen engsten freunden gar nicht, dafür sind sie mir zu wichtig.

  14. Ausheulen war unglücklich von mir formuliert: Ich mein damit dieses „für einen da sein“, welches für meine Freunde selbstverständlich ist, was ich aber gelernt hab nicht JEDEM gegenüber anzudeuten. Ganz besonders nicht interessanten Frauen gegenüber.

    Zumindest bei mir gibt es auf viele Bekannte nur wenige echte Freunde. Das sind dann die, für die man immer da ist, auch wenn sie Mist bauen oder ungerecht urteilen: „Huh, sie mag mich nicht!“

    Wenn andere daherkommen und nach einem Kummeronkel suchen, bin ich einfach die falsche Adresse. Da war ich mal anders, und das färbte irgendwann auf mein eigenes Glücklichsein ab, als sich das Umfeld daran gewöhnte, dass ich für jeden Mist Verständnis hatte.

  15. @tigger: o.k., 100% zustimmung.

  16. ebenfalls@tigger: gerade zum ersten absatz ebenfalls 100%.

  17. @tigger: hab ich das jetzt richtig verstanden, dass du grade den interessanten frauen nicht zeigst dass du jemand bist bei dem man sich ausheulen kann und der für einen da ist?

  18. @Stephi: nicht ganz – ich interessier mich zwar allgemein für Menschen und lass das auch GERN raus (den beiden Pennern vor dem Billa letztens einfach je ein Bier gekauft, weil mir so war), ich verstell mich nicht auf „extra fies“.

    Aber „interessanten Frauen“ gegenüber, die man anschaut und sofort hin & weg ist, denen biederte ich mich früher gern als der unheimlich gute Zuhörer an (jetzt nicht als Masche, man erkennt einfach später, dass man früher einfach oft auf „mehr“ hoffte, wenn sie einen erst einmal kennenlernen würden). Dabei fällt eben auf, dass man dabei in „gut zuhören“ eingestuft wird – und damit für „he, den find ich interessant!“ irgendwie NICHT in Frage kommt.

    Jahre hab ich gebraucht, um mit mir selbst ins Reine zu kommen. Seitdem ich mich auch aufregenden Frauen gegenüber nicht mehr „verstell“ (also mich anstreng ihnen zu gefallen) und ich eben nun auch sag: „Nun stell dich net so an!“, seitdem bin ich nicht mehr der super Zuhörer. Aber irgendwie fühlt man sich so wohler. Die, die mich dennoch mögen, mögen mich halt so, wie ich wirklich bin.

  19. eben. super zuhören und immer zu jeder gelegenheit für den anderen da sein kann man auch noch, wenn man dann zusammen ist – vorher ist das eher ungeschickt. wobei verlässlichkeit auch vorher schon wichtig ist. es ist wohl eine gradwanderung. kann das problem aber gut nachvollziehen und kenne auch aus beiden geschlechtercamps vertreter der jeweiligen typen. und es gibt sicherlich nichts beschisseneres als „nur“ der superkumpel zu sein wenn man selbst eigentlich verknallt ist.

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