Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Unsere kleine Welt, die immer gleichen Alltagsplagen

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Alleine in Oldenburg gibt es – so habe ich heute erfahren – 380 (in Worten: dreihundertachtzig) Strassenkinder: das bedeutet, dass in Oldenburg 380 Menschen unter 18 Jahren leben, die kein Dach über dem Kopf haben, nicht zur Schule gehen, keine regelmäßigen warmen Mahlzeiten auf den Tisch bekommen und niemanden haben, der sich wirklich um sie kümmert: meistens sind sie entweder von den Eltern herausgeworfen worden oder sind freiwillig gegangen.
 Im krassen Gegensatz dazu, ein Erlebnis heute Mittag: vor mir an der Kasse im Supermarkt ein Pärchen mit Knallkörpern zu Silvester für 150 Euro, am schimpfen und laut rummotzen, weil das Bier 50 Cent (die Kiste!) teurer war als das letzte Mal.
 In was für einer Welt leben wir eigentlich? Natürlich schimpfe auch ich darüber, dass ich viel arbeiten muss, dass das Geld vorne und hinten nicht reicht und es manchmal einfach alles zu viel ist. Das haben auch schon alle gelesen. Und nicht erst seit Kesros Erlebnissen im Nepal und vor allem in Bangladesh wissen wir, dass wir hier in unseren warmen Wohnungen unter relativen Luxusproblemen leiden (also so in Relationen gesehen und so). Trotzdem kann es nicht schaden, sich dies immer wieder vor Augen zu führen. In Deutschland werden nach Schätzungen dieses Jahr wieder über 100 Millionen Euro für Feuerwerkskörper ausgegeben; ich will niemandem das Knallen verderben, wenn man aber das nervtötende Knallen ab dem 29. lassen würde und nur am 31./1. zwischen Mitternacht und 00:30h seine Raketen und Böller in die Luft jagen würde, könnte man nicht nur eine Menge Müll vermeiden, sondern auch locker 30 Millionen sparen, über die sich Menschen mit eben nicht diesen Luxusproblemen sicher freuen würden.
 Und dabei muss es ja nicht immer nur Geld sein: die alten Klamotten kann man doch gut zur Einrichtung für Obdachlose in der eigenen Stadt bringen – da weiss man auch, dass sie gut angekommen sind. Lebensmittel, die übrig sind oder nicht gegessen werden: warum nicht die Tafeln anrufen? Ich hatte bei der Arbeit nun schön öfter Kontakt mit denen und die sind unglaublich dankbar für alles, was man ihnen gibt.
 Von mir schon in der Sidebar unterstützt – dieses Projekt: mit viel Herzblut und persönlichem Einsatz bin ich sicher, dass jeder Euro hier an seinen Bestimmungsort kommt und mit viel Freude entgegengenommen wird.
 Nicht, dass ich hier nun ein Gutmensch werden möchte (um Himmels Willen!), aber manchmal könnte ich einfach ko***en, wenn ich mir angucke, wie wir alle nur nebeneinander her leben, ohne uns um andere zu kümmern. Und das wird einem immer wieder dann bewusst, wenn einem das Elend so klar vor Augen geführt wird. Da sind die Kevins, Dustins und Angeliques dieser Welt noch das kleinste Problem. 

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2 Kommentare zu “Unsere kleine Welt, die immer gleichen Alltagsplagen

  1. Jaa… Solche Gedanken sind mir auch gekommen… Zum Beispiel gibt es hier doch einige verwöhnte Teenager in ihren stylishsten und teuersten Snowboard-Klamotten, deren größtes Problem wahrscheinlich ist, wie lange sie abends raus dürfen… Wenigstens kaufen wir keine Böller, das macht die Stadt Zürich sowieso viel besser!

  2. Hier bei uns ist das so, dass diejenigen die die Böller kaufen, auch diejenigen sind, die sie sich vermutlich am wenigsten leisten können. Im Endeffekt wird dann dafür, dass Papi einmal im Jahr seinen Spaß hat, drauf verzichtet, dass die Kinder was vernünftiges zu essen kriegen. Aber so ist das nunmal… Das war schon immer so, und da wird sich wahrscheinlich auch nichts dran ändern.
    Mit dem Geld, was heute Nacht in die Luft gejagt wird, könnte einigen Projekten gut geholfen werden, aber auch diese Diskussion ist jedes Jahr die gleiche. Ich persönlich bin gegen diesen ganzen Böller-Kram! Sollen doch die anderen ihr Geld in die Luft jagen, ich hab besseres damit vor!!!

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