Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Wie man einfach verschwindet

6 Kommentare

Bis in die 90er hinein sendete das ZDF die so genannten Weihnachtsserien: diese Serien erstreckten sich über sechs Teile, die an den Sonntagen vor Weihnachten ausgestrahlt wurden. Bis 1990 verfolgten wir jedes Jahr die Austrahlungen, danach liess dieses familiäre – wohl aufgrund der nicht mehr zu überbrückenden Differenzen meiner Eltern – Erlebnis nach. Am besten in Erinnerung geblieben ist mir die Serie aus dem Jahr 1988: Nonni und Manni. Mein Bruder und ich liebten diese Serie und sie weckte wohl unser bis heute bestehendes Verlangen nach einer Reise durch Island und unser Interesse für Vulkane. Wie man sich nun schon denken kann, spielt nämlich die Serie in Island: die beiden Hauptprotagonisten Nonni und Manni leben mit ihrer Mutter auf einem Hof, der Vater fährt zur See, wir schreiben das Jahr 1869. Nachdem sie seit vier Jahren nichts mehr von ihrem Vater und Ehemann gehört haben, bekommen sie Besuch von seinem besten Freund Harald Helgasson, der ihnen vom Tod des Vaters/Ehemanns berichtet. Harald bleibt auf dem Hof, muss aber, als der Nachbar Sigur ermordet aufgefunden wird, in die Berge fliehen, da Magnus Hansson, der in die Mutter unserer beiden Hauptdarsteller verliebt ist, ihm diesen Mord in die Schuhe schieben will, es aber natürlich selbst gewesen ist.
 Oft habe ich darüber nachgedacht, wie schön es wäre, wenn das ZDF diese Serie nochmal zeigen würde, aber seit heute Mittag kann es mir egal sein: mein Bruder hat mir die Serie auf DVD geschenkt und so flezte ich mich heute nachmittag – ohnehin krank – mit meiner Mutter und Bruder aufs Sofa und guckte die komplette Serie durch: fünf Stunden lang. Wir schrien Magnus Hansson an, was für ein gemeiner Kerl er sei, sagten der Mutter, sie solle Harald lieben, warnten Harald vor der drohenden Gefahr und drückten Nonni und Manni bei ihrer Suche nach dem Beweis, der seine Unschuld beweisen sollte, alle Daumen. Als wir nach draussen guckten, war es dunkel, die Gläser waren leer und auch die Süßigkeiten waren nicht mehr in der Anzahl wie zuvor vorhanden. Fünf Stunden – wie im Flug vergangen und nochmal gefühlt wie das kleine Kind vor beinahe 20 Jahren: Mutter an der einen Seite, Bruder an der anderen und das Gefühl absoluten Geborgenseins. 

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6 Kommentare zu “Wie man einfach verschwindet

  1. Liebste Frau Bertus,mir geht es jahrein jahraus immer genauso wie dir, wenn ich den Kleinen Lord oder Michel aus Lönneberga sehe – und ich liebe das Kindsein in diesen Stunden sehr.

  2. Ach wie schön, das mal wieder ins Gedächtnis gerufen zu bekommen! Meine Lieblingsserie war damals Laura und Luis, ein Jahr nach Nonni und Manni ausgestrahlt.
    Frohe Weihnachten und gute Besserung!

  3. Ich persönlich kann mich an Nesthäkchen erinnern – und an die Sat.1 Adaption der Idee einer Weihnachtsserie mit den ersten zwei Folgen von Fantaghiro.

    Allerdings war Fernsehen zu Weihnachten nie mein Ding, ich hab es auch nie wirklich als familiäres Gesamterlebnis begriffen.

    Gute Besserung, und geniess die ruhigen Tage!

  4. Oh, das klingt so wunderbar! 🙂

    Ich hab‘ Anna geguckt und meine Eltern hatten sich für das (falls weibliche) Baby im Bauch meiner Mama schon vorher diesen Namen ausgesucht und waren nachher immer sauer, wenn die Leute gesagt haben „Oh, wird sie auch mal eine Ballett-Tänzerin!? Wie in der Serie!“

  5. Ich habe Nonni und Manni irgendwann mal als Buch zum Kindergeburtstag bekommen, die Serie habe ich nie gesehen, meine Eltern haben unseren Fernsehkonsum stark eingeschränkt. Unser Weihnachtsfilm war dann ab und zu Mary Poppins (auf zwei Tage verteilt, weil zu lang), und seit ein paar Jahren die überaus rührselige Muppets Weihnachtsgeschichte. Wär vermutlich nichts für dich, in beiden Filmen wird gesungen… 😉

  6. oh, das nesthäkchen und anna, da werden kindheitserinnerungen wach!

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