Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Leidenschaft, die treibt

2 Kommentare

Es gibt zur Zeit zwei Themen, die für mich die meiste Zeit am Tag einnehmen. Und wer nun voller Freude feststellt „Freunde!“, muss leider enttäuscht werden. Zu schön wäre es. Sogar die Zeit, die nicht implizit diesen Themen zugedacht ist, wird dadurch bestimmt. Die Mensa mittags um 13h mit den Mädels wird zur Ablenkung genutzt oder wie im heutigen Fall zur Diskussion meiner Methodik und ihrer Probleme.
Um welche beiden Themen geht es also? Fußball und Parkour. Also Magisterarbeit und Arbeitsvermeidungsstrategie.
Über Fußball schreibe ich meine Magisterarbeit. Wobei ich heute einmal wieder mehr feststellen musste, dass der Fußball – das Spiel/die reine körperliche Praktik an sich – kaum noch eine Rolle spielt. Zwar war mir vorher klar, dass die Beschäftigung mit Sportkritik in der Nachkriegszeit (exemplarisch das Jahr 1952) irgendwie vom Thema wegführen könnte, aber so? Ich lese Texte über die Masse, mache mir Gedanken über Kriegsschuld (daran ist die Masse übrigens schuld. Wo finden wir die Masse? Genau! Im Stadion. Wer ist also schuld? Der Fußballfan. Schuldgebung kann so einfach sein!), denke angewidert über den Habermas´schen Diskursbegriff nach, verliebe mich täglich neu in Foucault (eine kranke Liebe, eine kranke Liebe…) und versuche nebenbei, mich zu rechtfertigen. Warum das Thema wichtig sein könnte? Meine Hauptthese ist, dass die Kritik am Sport keine Kritik am Sport ist, sondern krude formulierte Gesellschaftskritik. Das ist klar? Tja, dann beweist das mal diskursanalytisch. Schlimmerweise überkommt einen dabei die Paranoia, denn plötzlich siehst du überall Gesellschaftskritik – und ich bin das Aktionszentrum. Oder so.
Zu Parkour forsche ich „nebenbei“. Zusammen mit einem Freund. Da wir sowieso schon in einer Arbeitsgruppe sind, die sich grob mit Sportsoziologie und dem Körper in ihr befasst, liegt das nahe. Drei Vorträge sind bis jetzt die Ausbeute – weitere sollen folgen. Parkour bedeutet einfach gesagt, von A nach B zu gelangen. Auf dem kürzesten Weg. Das bedeutet: über Mauern springen, Gräben überqueren und eben alles bewältigen, was sich einem in den Weg stellt oder gestellt wird. Wichtig dabei ist gute Körperbeherrschung, viel Training und Ruhe. Wer hektisch wird, der fällt.
Dafür bin ich zur Zeit viel unterwegs. Begleite eine Oldenburger Parkourgruppe, mache Fotos, drehe Videos, führe Interviews und durchforste Foren. Alles für die Frage: Was ist Parkour? Was ist Parkour mit seinen Bewegungen, die an Computerspiele erinnern? Was ist Parkour mit seiner Lebenseinstellung, die Parallelen zur Straight Edge aufweist? Ist Parkour nur eine Folge einer langen Entwicklung, die in der Industrialisierung ihren Anfang nahm?

Ganz schlimm ist, dass das alles unglaublich sportlich klingt. Und vielleicht auch dazu führt, dass man mir Sportivität zuschreiben könnte. Ist nur leider nicht so. Gestern musste ich zur Arbeit joggen, weil mein Fahrrad kaputt war – und heute habe ich einen Muskelkater, der mich wie ein altes Waschweib laufen lässt. Ist halt nicht alles Sportlerin was ab und zu mal schimmert.

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2 Kommentare zu “Leidenschaft, die treibt

  1. ich hätte angst, daß mir der spass am fussballschauen vergeht, wenn ich mich mit den hintergründen und kulturellen und sozialen hintergründen des sports auseinandersetzen müsste. bleibe ich lieber herdenvolk und überlasse das fachliche dir^^.

    parkour finde ich wahnsinnig interessant. ich würde mich aber nicht trauen da mitzumachen.
    bitte, bitte, bitte berichte doch mehr über oldenburger parkour! 😉

  2. ich mache selbst parkour und kann es jedem raten es selbst auszuprobieren. man muss sich seiner grenzen bewusst sein sich aber auch was zutrauen. versuchts einfach!! an alle die sich nich trauen

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