Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Let’s drink, let’s drink, let’s drink / To Eric, the King, the King, the King

7 Kommentare

Wie konnte ich über Duncan Ferguson schreiben und Éric Cantona unterschlagen! Damit nun auch der Herr aus Heidelberg etwas mehr über Fußballer erfährt und der Herr aus near-Leer auch zufrieden ist, hier ein weiterer Typ des unterhaltsamen, guten Fußballs (übrigens hat nun nach mir auch wohl die 11 Freunde die Diskussion über Typen entdeckt): Éric Cantona.

Cantona, 1966 in Marseille geboren, gehört sicherlich zu den bekanntesten französischen Fußballspielern, der seine größten Erfolge aber in England feierte (u.a. innerhalb von sechs Saison(en) fünfmal englischer Meister mit Leeds (1x) und Manchester United (4x)).

Bis 1991 spielte Cantona bei diversen französischen Vereinen, wo er nicht nur durch sein brilliantes Spiel, sondern vor allem auch durch einige „kleinere“ Aussetzer auffiel: einmal warf er sein Trikot auf den Boden, was die Vereinsführung als „Entehrung“ sah, dann schmetterte er einem Schiedsrichter den Ball ins Gesicht, nur um ihn danach auch noch als „Vollidioten“ zu beschimpfen. Auch seine Vereinskameraden waren vor ihm nicht sicher und so kam es schon mal vor, dass die Kabine zur Gefahrenzone für seine Mitspieler wurde. Mit nur 21 Jahren beschloss Cantona, als Spieler zurückzutreten, konnte aber aufgehalten werden und wechselte nach England zu Leeds United.
Genauer gesagt, wechselte er von seinem letzten französischen Verein (Montpelliere) zuerst nach Sheffield, wo er aber bereits nach fünf Tagen wieder die Koffer packte und dann in Richtung Leeds zog. Aber auch dort blieb er nur ein Jahr und wechselte ab der Saison 92/93 nach Manchester, wo er die Beinamen „Le Roi“ („der König“) und „Eric, der Rote“ bekam, bis 1997 blieb und das Trikot mit der Nummer 7 überstreifen durfte.
Mit ihm wurde die Mannschaft viermal Meister, gewann einmal dem FA-Cup und konnte die nicht so erfolgreichen 80er Jahre (an sich eine schlimme Zeit für den englischen Fußball, denken wir nur an den FC Liverpool, der aufgrund der Geschehnisse von Heysel von 1985 bis 1992 von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen wurde oder an die Erstarkung der Hooligan-Szene) vergessen machen. Und wenn man sich nun das nächste Mal über Interviews ausländischer Spieler in der Sportschau aufregt, weil diese die Interviews nicht auf Deutsch geben, denken wir an Cantona, über den sein Kapitän sagte:“Ich würde meinen, Goal ist das einzige englische Wort, daß ich je von Eric gehört habe.“*
Nun gut: all das sind eher Zeichen einer Diva, aber noch lange kein Grund, warum Galen und andere mir den erhobenen Zeigefinger zeigten, als ich Cantona bei den Typen vergaß.
Der Grund wird wohl hier liegen:

Was war geschehen? Cantona war nach einer Unsportlichkeit im Spiel gegen Crytal Palace vom Platz gestellt worden, verliess wütend den Platz und konnte einen – einige Quellen sagen: Hooligan – Zuschauer ausmachen, der ihn – so die Legende – mit etwas ähnlichem wie Baguettfresser beschimpft hatte. Cantona nahm Anlauf, sprang über die Bande und zeigte Matthew Simmons (dem Zuschauer), dass Fußballer durchaus Moves asiatischer Sportarten beherrschen. In dem Moment – so munkelt man heute – habe die Fußballwelt für einen Moment den Atem angehalten; die Sperre, die ausgesprochen wurde, war eine achtmonatige, Manchester United verlängerte seinen Vertrag trotzdem und 2000 wurde Cantona sogar zum wichtigsten Spieler ManUs im 20. Jahrhundert gewählt.

1997 trat Cantona mit 31 Jahren zurück und widmete sich dem BeachSoccer und seiner Filmkarriere. Rene Martens zitiert in seinem Buch „Scheiss Fußball“ die Aussage eines über die NachSpieler-Entwicklung Cantonas enttäuschten Journalisten, dieser würde beim Beachsoccer aussehen, wie „ein Statist in einem Gangsterfilm.“ Besser ergeht/erging es dem Spieler, der nach Cantona bei Manchester das Trikot mit der Nummer SIEBEN anziehen durfte: David Beckham wird ja gerne mal als „scharf“ bezeichnet.

* Quelle: Hier.
** Quellen: hier, hier, hier, hier und hier, sowie: Martens, Rene: Scheiß-Fußball! Was echte Fans so richtig ärgert, Frankfurt/Main 2003 und Steinert, Hajo: Schnellkurs Fußball, Köln 2002.


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7 Kommentare zu “Let’s drink, let’s drink, let’s drink / To Eric, the King, the King, the King

  1. morgen geht die welt unter, und du bist live dabei.

    wenn aggression irgendwann strafbar wird, muessen dann die „typen“ auch fuer 30 jahre ins gefaengnis?

  2. danke, ulrike. jetzt bin ich ein wenig schlauer als zuvor.

  3. @ daniel: und wie die welt morgen untergeht. ich sage nur „frau ende zwanzig von bus überrollt).
    die typen müssen nur für 15 jahre ins gefängnis, weil: tat im affekt. nichts geplant. einfach nur etwas aufbrausend.

    @ schoppi: ironie-schild runter!

  4. ich hab das ernst gemeint.

  5. Ach ja, noch eines meiner Lieblings-Zitate nachgereicht:

    „Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst.“ (George Best)

  6. Die gleiche Nummer, ja. Aber sonst kann der Becks in meinen Augen nicht an Eric Cantona heran. Okay, Frauen werden sagen, Beckham sähe besser aus. Auch Männer dürften das sagen. Schließlich ist Cantona nicht gerade als Beau verschrien. Aber ansonsten wird der David tierisch überschätzt. Aber in der Hinsicht hat der im letzten Eintrag zitierte „fünfte Beatle“ auch was gesagt. Ich fand Bests Spruch super, auch wenn (oder gerade weil?) er Beckham nicht gerade gut darstellt – nur dass der Spruch mir gerade nicht einfällt. Kann bei Bedarf aber mal zuhause nachschauen…

  7. Falls es jemanden interessiert, was der werte Herr Best über den Herrn Beckham zu sagen hatte, hab das Zitat mal eben rausgesucht:
    „Er kann nicht mit links schießen, er kann keine Kopfbälle, er kann nicht tackeln und er schießt nicht viele Tore. Abgesehen davon ist er in Ordnung.“ [11 Freunde Nr. 55, S. 68]
    Ich fand es auch irgendwie bezeichnend, dass Real erst Meister geworden ist, nachdem Becks ausgewechselt worden war – und sein Ersatz zum Matchwinner wurde. Aber da hätte ich es vielleicht lieber gehabt, Beckham hätte durchgespielt…

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