Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Ever so sweet

10 Kommentare

Es gibt Dinge, die man einfach nicht hören möchte. „Du hast Dich bemüht,“ gehört dazu. Bedeutet nämlich eigentlich: „Du magst Dich ja angestrengt haben, aber das Ergebnis ist mehr als mau.“ Dieselbe Kategorie sind „„Habe ich so noch nicht gesehen/gegessen/gehört/gelesen/gefühlt“(sehr sehr implizite Kritik!), „Schmeckt wohl“ („…musst Du aber nicht wieder kochen.“), „Du bist zu intelligent“ (bedeutet nämlich eigentlich: „Du bist mir zu hässlich.“) und ganz schlimm: „Du bist echt süß.“ Da wartet man nur auf das „aber“.„Süß“ hat was ganz schlimm bemitleidendes. Wenn ich zu jemandem sage, dass ich etwas wirklich süß gefunden habe, klingt es nach diesem „Oh, den Sandkuchen hast Du mit Deinem PitschepatscheSandFörmchen aber toll hinbekommen“ oder „Im Rahmen Deiner beschränkten Fähigkeiten hast Du das wirklich toll (!!!) gemacht.“ Genauso gut könnte ich also den Kopf tätscheln. Noch schlimmer kann es mit dem Zusatzwort „Kleine/r“ werden. Sagt eine Frau über einen Mann „Das ist aber ein süßer Kleiner“ kann das schnell zu schweren diplomatischen Störungen führen. So oder so. Sagt ein Mann über mich „süße Kleine“ könnte er auch sagen „Die Alte nehme ich nicht ganz ernst“ und sich gegen die Stirn tippen. Ähnlich verhält es sich mit niedlich oder putzig. Niedlich sind in seltenen Fällen kleine Kinder, putzig vielleicht ein alter Rauhhaardackel, der seinem nicht altern-wollenden Frauchen in die Hacken beisst. Lieb klingt nach Opferrolle und “Du bist doch echt eine Wucht!“ nach drohender Slim-Fast-Diät,„Lass uns Freunde sein“ oder beidem. Über “nett“ müssen wir nicht reden, da „nett“ bekannterweise die kleine Schwester von „scheisse“ ist.
Und jetzt gerade fällt mir auf: Jemand hatte recht, als er mich fragte: „Kann man Dir auch was sagen, über dass Du Dich freust?“

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10 Kommentare zu “Ever so sweet

  1. hmm…interessant. ne, spass beiseite. wer hat das zu dir gesagt?! dem scher ich gleich mal die glatze nach, dm lackier ich mal die fingernägel auf der unterseite!
    ein kleiner fehler ist dir allerdings unterlaufen, du bist nämlich davon ausgegangen daß wir männer „denken“ wenn wir etwas sagen. das machen wir nämlich meistens nicht.

  2. du hast so recht! richtig schlimm finde ich es ja, wenn das zum spitznamen umfunktioniert wird. besonders gerne in beziehungen. nie im leben will ich von einem mann „süße“ genannt werden.

  3. ach, ulrike. das selbe problem haben wir männer ja nun aber auch mal ganz gerne. und daran seid meist ihr frauen schuld, ja. weil ihr dann so dinge sagt wie: „boah. mit dir kann man sich so gut unterhalten.“ was ergo fast dem „du könntest mein bruder sein“ oder eben dem „nett“ gleich kommt. erinnert mich an die leute beim perfekten dinner, die nicht sagen „jo, war halt irgendwie scheisse“ sondern „ich gebe 5 punkte, aber die sind echt total lieb und nett gemeint.“ wahhhhhhhh.

    aber du bist schon ne tolle. 😉

  4. Ich probiers mal mit einem Kompliment:

    „He du – ficken?“ 😉

    Ungeschminktes, ehrliches Verlangen, eine literarisch kompakte und bewusst das Stilmittel des Minimalismus einsetzende Version von „Du schaust nicht süss, sondern heiss aus! Und nein, ich will net ewig reden, will mich nicht mühsam aus einer Situation wieder versuchen herauszuwinden, ich will Dich. Hier und jetzt!“

    So, und im Ernst: „nett“ hab ich zu oft gehört, da krieg ich auch einen Blutrausch. Wenn Du sagst „süss“ wäre ebenso schlimm – mag sein, das Wort hör ich in Bezug auf mich eher selten, das letzte Kompliment war 5 Jahre her und hiess „Irgendwie… plüschig.“, während sie den Filz auf meiner Brust kraulte und versuchte den Bauch , den schlaffen Hintern und die peinliche Frisur nicht zu erwähnen…

  5. @ wurzelsepp: das erklärt natürlich einiges… männer reden und tun, aber denken nicht? wie habt ihr dann den buchdruck erfunden? die glühbirne?
    @ allie: letztens auch gehört: honey. also auch: süß. was sie damit nur immer haben?
    @ knurri: nur: von fünf punkten mit lieben grüßen kann man sich auch kein eis kaufen. das mit dem reden kenne ich auch. ich glaube, ich schreibe einen zweiten teil…
    @ truetigger: immerhin kurz und bündig. besser als solche scheinfragen/aussagen vorher wie: ach, und was machst du so? ja, ich sammel auch kenianische briefmarken! isst du auch so gerne marmelade zum frühstück? mit wem bist du denn hier? (studieren, nein, nein, with stupid) und das mit dem plüschig ist doch irgendwie – originell???!

  6. also da muss ich jetzt doch mal heftig widersprechen. wenn ich von meiner traumfrau spreche, dann nenne ich sie stets meine kleine und tue das ohne hintergedanken und vor allem ohne sie deshalb nicht ernst zu nehmen. und auch das wort lieb kann ich in keinster weise als opferrolle gelten lassen. wenn ich zu jemanden sage, dass ich ihn lieb habe, dann meine ich es genauso wie ich es sage. nee nee, so einfach geht das nicht.

  7. „lieb haben“ hat doch eine ganz andere qualität als „du bist lieb“. schliesslich rede ich von adjektiven, die zur umschreibung von menschen verwendet werden. und da gibt es einfach welche, die nicht gehen.

  8. Von der richtigen Person „Süße“ genannt zu werden, hat für mich jetzt auch nix negatives… 😉

  9. vielleicht habe ich damit auch nur meine beziehungsunfähigkeit dargelegt. aber irgendwie habe ich eine absolute abneigung gegen kosenamen und merkwürdige umschreibungen…

  10. Beziehungsunfähigkeit nur, weil Du bei ever so sweet spontan kotzen musst? Nicht doch das Kind mit dem Bade ausschütten. 🙂 Es gibt genügend Typen die wunderbar ohne jede Romantik durch das Leben stapfen, da könnte auch was für Dich dabei sein *lach*.

    @Kesro: Klar, wenn Dein Schatz Dich „Süsse“ nennt, ist das schön zu hören, man hat halt so seine kleinen Spitznamen. Aber wenn Dich irgendein Schleimbeutel von der Seite anmacht und dann „He, du bist aber süss“ bringt – das sind doch zwei paar Schuhe. Oft sind es die Nuancen, auf manche Konstrukte reagiert man halt allergisch. So weiss ich, dass ich nett bin – aber wehe man sagt es mir.

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