Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

A whisper

8 Kommentare

Gestern erzählte ich meinem Lieblingspolitiker Henning, ich würde in der „Flüsterecke“ der Bibliothek sitzen. Er guckte mich erstaunt und sagte nur: „Nein, Du kannst nicht flüstern.“ Und was merkte ich abends im Kolloquium, als ich Roman Lästereien ins Ohr wispern wollte? Sogar mein Flüstern ist so laut, dass man es im ganzen Raum hört.
Seitdem denke ich die ganze Zeit darüber nach, was andere Leute schon gehört haben, was definitiv nicht für ihre Ohren bestimmt war. Die Flachzange (Mädels, ihr wisst, wen ich meine!) weiss vielleicht schon längst, dass ich ihn für einen erbärmlichen Schleimscheisser mit dem IQ eines Toastbrots und dem Selbstbewusstsein eines Arnold Schwarzenegger als Herkules halte? Weiss der süße Typ, der so gut Fußball spielen kann, schon längst, dass ich für ihn meine Bedenken, was Dipl-Pädagogen angeht, vergessen würde? Hat der Kleine schon längst mitbekommen, dass wir ihn Donaldus nennen? Und wer hat heute alles mitbekommen, dass ich Tinchen von diesem abstossenden Text erzählt habe? Wer nahm teil, an der Diskussion um devote und dominante Neigungen? Ich sollte nicht mehr reden. Und vor allem nicht mehr so viel über andere Menschen und über Sex. Das wird langweilig.

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8 Kommentare zu “A whisper

  1. ach ihr wart das, die ihr über devote und dominante neigungen diskutiert habt! ich hab die diskussion nur so peripher mitbekommen, der geräuschpegel in heidelberg war einfach zu hoch 😉
    Ausserdem: über andere menschen und sex zu reden wird NIEMALs langweilig werden. sowas will ich nicht von dir hören, das macht mir angst…

  2. ach, du kannst auch nicht flüstern?

    willkommen im Club.

  3. Ich glaub, ich auch nicht. Hab schon öfter Rippenstöße und böse Blicke bekommen…. *schäm*

  4. Ich denk dann immer, die Leute wollen doch, dass man das hört und sie für cool hält 😉
    Aber bei mir liegt das auch in der Familie. Wie meine Oma immer so schön sagte: „Wenn Opa flüstert kriegen die Schauspieler auf der Bühne rote Ohren!!!“ (und Oma auch).

  5. es scheint also, dass der mensch nicht zum flüstern gemacht ist. erschien mir auch immer irgendwie unnatürlich…

  6. Ich hab das laute Organ meiner Großmutter geerbt und krieg deswegen regelmäßig was auf den Deckel, wenn ich Gespräche, die eigentlich ins Treppenhaus gehören, mit meinen Bekannten in der Bielefelder Uni-Bibliothek führe. Hier in Roskilde ist das besser. Da sind ständig Grüppchen, die die Uni-Bibliothek als geselliges Internetcafé betrachten und mit ihrem Gequatsche meine Lautäußerungen übertönen.

  7. dann hat es in eurer familie ja eine eher ungerechte verteilung der stimmenlautstärke gegeben. ich erinnere mich (gerne) daran, wie oft ich bei deinem bruder nachfragen musste: „bitteeeee???“

  8. Vielleicht hab ich ihn auch einfach mit meiner lauten, alles übertönenden Stimme zum Schweigen/ leise Sprechen gebracht, und das Potenzial, das womöglich auch er von unserer Oma geerbt hat, konnte sich nie richtig entfalten.

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