Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Die Linie, die man kennt

6 Kommentare

Die Busse lassen mich nicht los. Und die Theorien auch nicht. Das liegt zum einen sicherlich am zehnfachen Theorieoverkill der letzten Wochen und zum anderen, dass ein **** mir mein Fahrrad geklaut hat.
In der Theorie Erving Goffmans gibt es verschiedene Rollen, die Menschen einnehmen – hierzu gehören auch die sogenannten Sonderrollen. Unter ihnen die „Unperson“. Nicht im Sinne von „was ist das nur für ein ätzender Mensch“, sondern im Sinne von „nicht gesehen, nicht beachtet“; sie werden trotz permanenter Präsenz so gut wie nicht wahrgenommen.
Auf der anderen Seite hatte ich am Mittwoch versucht, meinen Tutanden zu erläutern, dass es so etwas wie einen städtischen und einen dörflichen Habitus gibt (sehr gut auch bei Georg Simmel). Frage ich im Dorf nach dem Weg und sage dazu, wo ich hinmöchte, wundert sich keiner, sondern lässt mich vielleicht noch Grüße ausrichten. Frage ich in der Stadt nach dem Weg und sage dann „ich möchte nämlich Tante Netti besuchen“, kann ich fast davon ausgehen, dass ich meinen Gegenüber doch irritiert habe.
Nun saß ich gestern im Bus, abends, von der Innenstadt zu mir, unterwegs P&R-Parkplätze anfahrend, als ein älteres Ehepaar einstieg und der Mann laut zu seiner Frau sagte: den Busfahrer hatten wir heute Mittag auch schon. Nicht nur ein Kopf ging irritiert hoch. Der Busfahrer als Unperson, der eigentlich überhaupt nicht wahrgenommen wird. Dazu die Verwirrung, dass plötzlich jemand die Unperson zur Person macht, indem er sich an sein Gesicht erinnert. Ich muss gestehen: ich würde keinen Busfahrer wieder erkennen, nicht einmal den vom letzten Mittwoch.
Tieferer Sinn? Ich habe gesehen, was ich sonst nicht gesehen hätte.

Und bevor ich es vergesse: ich habe heute ein interessantes Zitat gefunden: „Wir wanken immer, aber wir fallen nicht ..“ (Alexandre Dumas). Das als Wort zum Sonntag. Und zum Bundesligaspieltag.

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6 Kommentare zu “Die Linie, die man kennt

  1. und zum tag der menschenrechte.

  2. kritik daran, dass ich blind durch die gegend laufe?

  3. nein nein, keineswegs. es bezog sich rein auf das zitat von herrn dumas als wort zum sonntag. und zum bundesligaspieltag.

  4. nehme ich das wort „menschenrechte“ in den mund, klingt es zynisch und gemein. das hat das wort nicht verdient…

  5. Busfahrer erkenne ich immer nur wieder, wenn sie besonders ätzend sind. So diese Marke von Fahrern, die aussteigen und die Studenten meckernd noch enger zusammenschieben, damit die Türen noch zu gehen.

    Und zum Bundesliga-Spieltag:
    Da hätten sich die gelb-schwarzen Scherzkekse ja auch mal anstrengen können. (Egal, Herbstmeisterschaft gehört eh uns.)

    Eric

  6. @eric

    busfahrer sind besser als ihr ruf. meistens.

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