Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Zug all around the clock

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Gestern. Kurzabstecher nach Dortmund. Mein Google sagt mir: 226km und 2:57h. Hin- und Rückfahrt also 5:54h. Ich sage: eine Reise um die Welt und an die neun Stunden.

Nachdem mir mein kleines Herz schon durch die Niederlage meiner Mannschaft gebrochen wurde, trampelte ein netter Herr in grüner Uniform mit Helm auch noch darauf herum. Meine Frage, ob die RB denn in Hamm wohl auf uns warten würde (wir würden mit fünf Minuten Verspätung in Hamm ankommen) animierte ihn zu einem Lachanfall ungeahnten Ausmaßes „Nee, bestimmt nicht.“ Ende vom Lied: Anschlusszug verpasst, 40 Minuten Aufenthalt in Hamm (!!), 35 Minuten Aufenthalt in Münster, 45 Minuten Aufenthalt in Osnabrück, in Oldenburg den Bus verpasst, Taxi genommen. Hätte laufen können. Mit Steve und Zecke aus dem Zug. Kannte ich vorher nicht. Und möchte sie auch nie getroffen haben. Gleich hinter Osnabrück stand Steve auf dem Sitz neben mir und redete Müll. Ab und zu guckte er mich schräg an, bis mir der Kragen platzte (ich hörte gerade eine Playlist aus „The lost patrol“ und Janove Ottesen und wollte meine Ruhe!) und ich ihn fragte, warum er mich angucken würde. „Muss ich halt.“ Das irritierte mich wieder so, dass ich versuchte, mich im Fensterglas des Zuges zu spiegeln, um zu gucken, ob jemand auf meine Stirn einen Strich gemalt, ich mir ein Stück Tomate ins Gesicht geschmiert oder einen Schokobart von der MüllerMilch Schoko hätte – nichts dergleichen. Also beschloss ich einfach, Steve für blöd zu befinden. War er aber nicht, wie ich erfahren musste, als sich ein völlig betrunkener alter Mann neben mich hockte (Steve stieg währenddessen irgendwelchen 15jährigen nach) und mir erzählte, dass er mit seiner Fußballmannschaft unterwegs sei. Dazu gehörten der Steve und Zecke. „Steve, der is gaanz kluch. Keine Freundin, wär där nix füar dich?“ (Die Grundvorraussetzungen, die dieser Frage zugrunde liegen, regen mich jetzt noch auf!) Und Zecke „Der is gaanz dumm. Kann nix. Aussa Fußballspielen. Aba das kann er.“ Bilder meines kuscheligen Bettes, einer heissen Dusche und einer geschlossenen Tür stiegen in mir auf. Aber da war nichts zu machen.

Und was ich nie wieder tun werde: auf die Frage „und was studierst Du?“ mit der Wahrheit zu antworten. Denn die ruft immer hervor „Echt? Geschichte finde ich auch spannend. Gerade weil ich ———–.“ Die Striche sind Variablen. Wahlweise kann eingesetzt werden

  • … Kriegsgefangener in Nordengland war.
  • … Sudetendeutsche/r bin und meine Heimat vermisse.
  • … die Politik der Nazis gar nicht sooo schlecht finde. Muss man ja auch mal sagen.
  • … Polen nicht mag.
  • … in einer alten Strasse wohne. Musst Du ja auch kennen.
  • … ja gerne mal ins Museum gehe.
  • … Leuten auch gerne mal erzähle, wie wir im Krieg Sirup gemacht haben.
  • … gerne auch mal den Knopp sehe.

    … ist endlos weiterzuführen. Und alles schon gehört. Das nächste Mal studiere ich was anderes. Eurythmie oder so.

    *Manche Dinge entfalten sich recht zäh*

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