Ich hatte mal einen Freund. Den konnte man auf keine Party mitnehmen, auf der er niemanden kannte. Er hätte sich still in die Ecke gesetzt, unfassbar viel Bier getrunken (was an sich nicht schlecht ist), wäre danach an meine Seite gewankt und hätte gejammert, er wolle nach Hause. Er hätte im Kreis von Menschen gestanden, kein Wort rausgebracht. Auf Fragen hätte er mit Schweigen geantwortet. Ihm fehlte etwas: das Talent zum Smalltalk – oder wie ich es nenne: das Talent zum Worthülsengespräch. Weiterlesen
Schlagwort-Archive: Dorfgeschichten
Einkaufssoziologie
Ich bin neugierig. Das gehört zu meinem Job. Ohne Neugierde keine guten Geschichten. Das ist ja wohl klar. Manchmal überdrehe ich aber auch ein wenig. An der Kasse des Supermarktes beispielsweise. Ich schaue so ungeniert auf die Einkäufe meiner Mitmenschen, dass jeder andere rot werden würde. Einkaufssoziologie nenne ich diese Wissenschaft. Ich zeichne ein Bild von der einkaufenden Menge Menschen vor und hinter mir. Weiterlesen
Die Last der Mütter
Meine Mutter hat es nicht leicht. Mein Bruder wohnt als parasitärer Single immer noch bei ihr, blockiert zwei Zimmer und mäht den Rasen nicht – und ich, ich wohne nur 500 Meter entfernt, schnorre mir immer wieder mal etwas nahrhaftes und biete viel Raum für unangenehme Fragen. Unangenehne Fragen, die ihr über mich gestellt werden. Weiterlesen
Vom kleeen und picken
Mein Deutsch ist ein Gemisch. Es besteht aus Wörtern, die sich durchaus im Duden befinden, und Wörtern, die aus dem Plattdeutschen stammen – und nie im Duden erscheinen werden, nicht einmal im Slang-Ding. Letztere Gruppe ist mir so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich sie oftmals – und fälschlicherweise – oft mit den zu ur-deutschen Begriffen zähle und verwende – ohne Rücksicht. Meist bemerke ich meinen Fehler nicht einmal. Die erstaunten Gesichter der Nicht-Ostfriesen übersehe ich. Weiterlesen
Völlig unentspannt
Ostfriesland ist wieder voll im Griff der Touristen. Urlauber, die hier den Matjes genießen, sich über kleine Robbenbabys aus Keramik freuen und mit Fahrrädern in Schlangenlinien über die Wege am Deich fahren. Und sie stehen an der Supermarktkasse, beim Bäcker, bei Veranstaltungen – und sind völlig unentspannt. Wie kann das sein? Weiterlesen